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26.11.2013

09:57 Uhr

Medienbranche

Yahoo holt sich ein neues Gesicht

Eine eigene Moderatorin für die News-Sparte – das ist der neuste Streich der Marissa Mayer beim Internetkonzern Yahoo. Sie will mit der US-Moderatorin Katie Couric kein festes Format befüllen, sondern flexibel agieren.

Sie soll künftig für Yahoo Ereignisse einordnen, Interviews führen und aktuelle Nachrichten präsentieren: Katie Couric. Reuters

Sie soll künftig für Yahoo Ereignisse einordnen, Interviews führen und aktuelle Nachrichten präsentieren: Katie Couric.

San FranciscoDer US-Internetkonzern Yahoo will sein Nachrichtenangebot attraktiver machen und hat die in den USA bekannte TV-Moderatorin Katie Couric engagiert. Couric werde Anfang kommenden Jahres das „Gesicht“ der Yahoo Nachrichten, teilte Unternehmenschefin Marissa Mayer am Montag mit. Sie hat bereits eine Reihe Journalisten angestellt, um das Nachrichtenangebot auch mit eigenen Inhalten zu ergänzen.

„Sich zu informieren ist für unsere Nutzer Gewohnheit“, erklärte Mayer. „Katie wird mit unserer talentierten Redaktion arbeiten und die Pionierin eines neuen Kapitels des Online-Journalismus sein.“ Welche Aufgaben genau die 56-jährige Couric haben wird, ist noch unklar.

Couric selbst sagte dem Internetportal Capital New York, es handele sich wohl nicht um eine halbstündige Nachrichtensendung am Abend oder ein zweistündiges Magazin am Morgen. „Wir versuchen, offen zu bleiben, Sachen auszuprobieren.“ Möglich sei alles – vom tiefschürfenden Interview bis zu aktuellen Nachrichten über ein wichtiges Ereignis. Mayer nannte als Beispiele Naturkatastrophen, wichtige Wahlen, eine Königshochzeit und die Olympischen Spiele.

Yahoo - Einmal Star und zurück

Ein Katalog fürs Internet

Als immer mehr Menschen online gingen, sorgt Yahoo für Orientierung: Das Unternehmen, 1994 von den Stanford-Doktoranden Jerry Yang und David Filo gegründet, führte in seinen Anfangsjahren einen Katalog mit interessanten Webseiten. Die Einträge erstellten zunächst nicht Suchroboter, wie es heute üblich ist, sondern Menschen. Um die Suche baute Yahoo bald ein Portal mit weiteren Diensten auf.

Profiteur des Dotcom-Booms

Bereits 1996, zwei Jahre nach der Gründung, ging Yahoo an die Börse. In den folgenden Jahren gehörte die Firma zu den Lieblingen der Anleger, der Aktienkurs stieg auf dem Höhepunkt des Dotcom-Booms auf den Höchstkurs von 119 Dollar. Als die Blase platzte, brachen jedoch auch die Werbeeinahmen ein – und der Kurs stürzte auf gut 8 Dollar ab.

Zu zweit gegen Google

Allein kamen Yahoo und Microsoft nicht gegen den Suchmaschinen-Riesen Google an – also taten sie sich 2009 zusammen. Seitdem nutzt Yahoo etwa die Suchmaschinen-Technologie von Microsoft („Bing“). Die Werbeumsätze teilen sich die Unternehmen. Echte Konkurrenz machen die beiden dem Primus aber auch gemeinsam nicht. Zuvor hatte Microsoft versucht, Yahoo komplett zu übernehmen, allerdings vergeblich.

Profitables Engagement in China

2005 beteiligte sich Yahoo am chinesischen Web-Portal Alibaba. Von dieser Partnerschaft profitiert das US-Unternehmen bis heute: Mit dem Verkauf von Anteilen nahm es 2012 4,3 Milliarden Dollar ein. Sollte Alibaba wie erwartet an die Börse gehen, könnte Yahoo weitere Milliarden erlösen.

Konzern ohne Führung

2007 stieg Yahoo-Mitgründer Jerry Yang zum CEO auf. Doch er hatte kein glückliches Händchen und übergab die Geschäfte bereits ein Jahr später an Carol Bartz. Die Saniererin eckte jedoch mit ihrer burschikosen Art so an, dass der Verwaltungsrat sie feuerte. Es folgten drei Kurzzeit- oder Interims-Chefs bis 2012 die langjährigere Google-Managerin Marissa Mayer die Geschäfte übernahm.

Marissa Mayer übernimmt

Es war ein Coup: Im Juli 2012 vermeldete Yahoo, dass die prominente Google-Managerin Marissa Mayer neue Chefin wird. Die wirbelte das Unternehmen in den ersten Monaten kräftig durcheinander, übernahm diverse Startups und sorgte auch sonst für Schlagzeilen. Die Schwäche im Kerngeschäft mit Anzeigen – vor allem Bannern – konnte sie aber nicht abstellen.

Mail, Suche, Nachrichten

Yahoo hat monatlich mehr als 700 Millionen Nutzer. Zu den beliebtesten Angeboten des Konzerns gehören Nachrichten, Suchmaschine und der E-Mail-Dienst. Eine treue Fangemeinde hat auch der Fotodienst Flickr. Zudem übernahm Yahoo 2013 für 1,1 Milliarden Dollar die Blogging-Plattform Tumblr, deren Community rasant wächst.

Altavista, Delicious, Alltheweb

Viele Dienste stellte Yahoo über die Jahre wieder ein, etwa die Suchmaschinen Altavista und Alltheweb. Den Social-Bookmarking-Dienst Delicious verkaufte das Unternehmen 2011 wieder.

Couric hat schon für drei große US-TV-Sender gearbeitet – sie begann bei NBC und wechselte 2006 zu CBS, wo sie die erste Frau war, die allein die Abendnachrichten moderierte. Seit 2012 hat sie ihre eigene Sendung „Katie“ bei ABC. Die wird sie auch weiterhin moderieren, wie Yahoo mitteilte.

Yahoo-Chefin Mayer versucht seit ihrem Amtsantritt im Sommer 2012, den ehemaligen Internetpionier wieder auf Vordermann zu bringen. Sie kaufte eine Reihe von Start-up-Unternehmen, überarbeitete die Internetsuche und den Fotoservice Flickr und brachte mehrere Anwendungen für Smartphones und Tabletcomputer an den Start wie etwa für Sportnachrichten, E-Mail und Wetterberichte.

Von

afp

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