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01.03.2004

08:16 Uhr

Medienfirma muss verbliebenen Anleihebesitzern wesentlich höheren Betrag zurückzahlen als geplant

EM.TV wendet Insolvenz erst einmal ab

Die EM.TV AG hat den drohenden Bankrott gerade noch vermieden. 94,16 Prozent der Anleihegläubiger stimmten dem Rettungsplan der Medienfirma zu. Das im S-Dax notierte Unternehmen hat damit seine Zielmarke von 97,5 Prozent zwar deutlich verfehlt.

jojo MÜNCHEN. Doch mit den Vertretern der Anleihebesitzer sei vereinbart worden, die erforderlich Quote auf 94 % zu senken, teilte EM.TV am Freitagabend mit. Damit kann EM.TV-Chef Werner Klatten mit dem Umbau der Firma beginnen. Allerdings muss er an die Gläubiger, die nicht zugestimmt haben, mehr zurückzahlen als geplant. Statt 11,7 Mill. werden jetzt über 28 Mill. Euro fällig.

Klatten zeigte sich zufrieden mit dem Ergebnis. „Wir hatten uns ein sehr ehrgeiziges Ziel gesetzt und haben jetzt eine gute Zahl erreicht“, sagte er dem Handelsblatt. EM.TV musste die Frist für die Gläubiger zur Annahme des Restrukturierungskonzepts zwei Mal verlängern. Die Aktionäre hatten dem Vorhaben Anfang Februar zugestimmt.

Der Hintergrund der Rettungsaktion: EM.TV müsste eigentlich 2005 eine Wandelanleihe von 469 Mill. Euro zurückzahlen. Das hätte in die Insolvenz geführt. Deshalb wurde mit den Besitzern der Anleihe einen Kompromiss erarbeitet. Danach verzichten diese auf eine Rückzahlung und erhalten im Gegenzug die Mehrheit an EM.TV. Zudem bekommen sie Optionsschuldverschreibungen von rund 50 Mill. Euro, eine Barzahlung von 20 Mill. Euro und 150 Mill. Euro aus dem Verkauf der Anteile an dem Filmhändler Tele München.

Die Anleihebesitzer, die nicht zugestimmt haben, sollen 2007 ausgezahlt werden. Außerdem müssen sie auf einen Teil ihrer Zinsen verzichten. Darüber hinaus will Klatten die Anleihe von der Börse nehmen. Dadurch wird es schwer, die Papiere zu verkaufen. Allerdings hält EM.TV eine Hintertür offen: Nach wie vor können unwillige Gläubiger dem Restrukturierungskonzept zustimmen und ihre Anleihe gegen Anteile an der neuen Firma eintauschen.

Bis Ende Juni soll der Umbau abgeschlossen sein, verspricht Klatten. Klagen gegen das Konzept gebe es derzeit keine, sagt er. Auch die Rückzahlung der restlichen Anleihe sei kein Problem: „Ich kann mit Blick auf 2007 gut schlafen.“ Die Quote für den Umtausch sei aus „psychologischen Gründen“ so hoch (97,5 %) angesetzt worden. Mit den 94 % Zustimmung könne man jetzt „gut leben“.

Klatten will sich jetzt nach mehr als zwei Jahren Sanierungsarbeit ganz auf das Geschäft konzentrieren. EM.TV ist im Kinderfilmhandel und im Sportfernsehen tätig. Der Aktienmarkt hatte die Rettung bereits erwartet. Die Aktie kletterte am Freitag um 6,5 % auf 1,15 Euro, obwohl die Mitteilung erst nach Börsenschluss veröffentlicht wurde.

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