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23.10.2016

18:30 Uhr

Medienfusion

AT&T schluckt Time Warner für 85 Milliarden Dollar

Der Telekomkonzern AT&T übernimmt den Medienkonzern Time Warner. Er sichert sich damit den Zugriff auf TV-Serien wie „Game Of Thrones“ und Filme des Hollywood-Studios Warner Bros. Der US-Senat will den Deal genau prüfen.

Der Medienkonzern beherbergt TV-Sender wie HBO oder CNN und hat Rechte an Kassenschlagern wie „Batman“ und „Harry Potter“. dpa

Time Warner Center in New York

Der Medienkonzern beherbergt TV-Sender wie HBO oder CNN und hat Rechte an Kassenschlagern wie „Batman“ und „Harry Potter“.

New YorkSeit Jahren klagen Telekom-Konzerne, die Internet-Firmen verdienten das Geld in ihren Netzen, während ihnen selbst die Rolle einer „dummen Pipeline“ drohe. Jetzt ist der amerikanische Telekommunikations-Riese AT&T bereit, sich die TV-Sender und Filmstudios von Time Warner mehr als 100 Milliarden US-Dollar kosten zu lassen. Dabei geht es nicht nur darum, die Zukunft von AT&T in der neuen Online-Welt abzusichern. Das Ziel ist auch, neu zu ordnen, wer und an welcher Stelle das Geld mit Videoinhalten verdient, auch wenn der Deal sehr stark auf die Besonderheiten des US-Marktes zugeschnitten ist.

„Die Zukunft des Mobil-Geschäfts ist Video, und die Zukunft von Video ist mobil“, fasste AT&T-Chef Randall Stephenson die Räson hinter dem Übernahmeplan in einer Telefonkonferenz zusammen. Die allgegenwärtigen Mobil-Geräte wie Smartphones haben für viele Nutzer erst den PC ersetzt. Jetzt wird über sie auch immer mehr Video geschaut - allein die Zahlen von Facebook sind ein klarer Beleg dafür.

Der US-Senat will die geplante Übernahme sorgfältig prüfen. Das 85 Milliarden Dollar schwere Vorhaben könnte schwerwiegende Wettbewerbsbedenken hervorrufen, sagte der Vorsitzende des zuständigen Ausschusses der Kongress-Kammer am Sonntag. Die Wettbewerbsbehörden müssen der Transaktion noch zustimmen.

Sollte der Deal zustande kommen, wäre er der größte weltweit in diesem Jahr. AT&T-Chef Randall Stephenson zeigte sich zuversichtlich, mögliche Bedenken der Regulierungsbehörden auszuräumen. Der republikanische US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump hatte bereits zuvor angekündigt, im Falle seiner Wahl würde er es AT&T nicht gestatten, Time Warner und damit CNN zu kaufen.

AT&T, nicht zufrieden mit der Rolle eines reinen Telekom-Anbieters, setzte bereits im vergangenen Jahr mit dem Kauf des Satelliten-TV-Anbieter DirecTV für ebenfalls stolze 50 Milliarden Dollar auf das Fernsehgeschäft. Im Ergebnis ist AT&T jetzt der größte Anbieter von TV-Anschlüssen in den USA und die Nummer zwei im Geschäft mit Internet-Zugängen fürs Zuhause. Und der größte Mobilfunk-Anbieter des Landes nach Verizon Wireless.

Jetzt will sich AT&T-Chef Stephenson mit Time Warners Sendern wie dem Bezahlkanal HBO („Game Of Thrones“, „Sopranos“, „Sex And The City“, um nur einige Hit-Titel zu nennen) auch die passenden Inhalte für die Leitungen ins Haus holen. Der Kabel-TV-Anbieter Comcast ging diesen Weg bereits 2011 mit der damals heftig diskutierten Übernahme von NBCUniversal mit den NBC-TV-Sendern und dem Hollywood-Studio Universal. Vorheriger Besitzer war der traditionsreiche Mischkonzern General Electric.

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