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09.05.2014

17:09 Uhr

Mediengruppe

Funke besetzt Spitzenposten neu

Anfang Mai hat Funke von Springer für 920 Millionen Euro ein Paket aus Magazinen und Zeitungen übernommen. Nun besetzt die Mediengruppe die Aufsichtsrats- und Redaktionsspitzen neu – mit prominenten Nachfolgern.

Blick auf die Zentrale der Funke Medien Gruppe in Essen (Nordrhein-Westfalen). Die Mediengruppe nimmt einen Umbruch auf den Spitzenposten vor. dpa

Blick auf die Zentrale der Funke Medien Gruppe in Essen (Nordrhein-Westfalen). Die Mediengruppe nimmt einen Umbruch auf den Spitzenposten vor.

EssenZwei Tage nach dem Dementi folgt die Bestätigung: Ulrich Reitz (53), Chefredakteur der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ (WAZ), verlässt die Funke Mediengruppe. Sein Nachfolger wird Andreas Tyrock (50) vom Bonner „General-Anzeiger“. Zugleich wartete Funke am Freitag mit einer Reihe weiterer prominenter Veränderungen auf, allen voran im Aufsichtsrat. Michael Wüller (47) ist dessen neuer Vorsitzender, während Vorgänger Martin Kall (53) als ordentliches Mitglied in dem Gremium bleibt. Und auch der Chef des WAZ-Schwesterblatts „Westfalenpost“, Stefan Hans Kläsener (49), wird ersetzt, und zwar durch Jost Lübben (49) von der „Nordsee-Zeitung“.

Reitz war seit 2005 Chefredakteur der WAZ und hatte den Content Desk entwickelt, an dem die Inhalte für die Mäntel aller vier Funke-Zeitungen in NRW – WAZ, „Neue Ruhr/Neue Rhein Zeitung“, „Westfalenpost“ und „Westfälische Rundschau“ – zentral geplant werden. 2009 hatte die Mediengruppe 290 Stellen in den Redaktionen der vier Zeitungen abgebaut. 2013 war dann die Redaktion der „Westfälischen Rundschau“ mit 120 Stellen komplett geschlossen worden.

Am 1. Mai hatte Funke von Springer für 920 Millionen Euro ein Paket aus Frauen- und TV-Zeitschriften („Bild der Frau“, „Hörzu“, „TV Digital“) sowie die Tageszeitungen „Berliner Morgenpost“ und „Hamburger Abendblatt“ übernommen. Der Kauf war bereits im Sommer vergangenen Jahres vereinbart worden, konnte aber wegen Auflagen des Bundeskartellamts erst jetzt vollzogen werden.

Tyrock war bei der „Braunschweiger Zeitung“, die ebenfalls zu Funke gehört, bevor er 2008 nach Bonn wechselte. Lübben wurde bereits während seines Studiums Mitarbeiter der „Nordsee-Zeitung“ in Bremerhaven; seit neun Jahren ist er dort Chefredakteur. Kläsener kam nach Stationen in Lübeck, Fulda und Braunschweig zur „Westfalenpost“ in Hagen, wo er vor drei Jahren Chefredakteur wurde.

Reitz verlasse das Unternehmen, teilte Funke mit. Wohin blieb offen. Reitz selbst twitterte: „Ich mach die neun Jahre WAZ voll und gehe dann Ende Juni im Guten.“

Die Funke Gruppe – Zeitungen, Illustrierte und Anzeigenblätter

Historie der Gruppe

Die WAZ wurde 1948 von Erich Brost und Jakob Funke gegründet. 2012 hatte Petra Grotkamp, eine Tochter Funkes, den Brost-Anteil übernommen und hält 66,6 Prozent. Für den Anteil soll sie 500 Millionen Euro gezahlt haben, das wurde aber nie bestätigt. Nach der Übernahme benannte sich das Unternehmen von „WAZ Mediengruppe“ in „Funke Mediengruppe“ um.

Die NRW-Titel der Gruppe

Die „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“ WAZ ist der prominenteste Titel der Funke Mediengruppe. In Nordrhein-Westfalen sind es neben der WAZ noch „Neue Ruhr/Neue Rhein Zeitung“ NRZ, „Westfalenpost“ und „Westfälische Rundschau“.

Im Januar überraschte das Medienhaus seine Leser und die Branche damit, dass die Redaktion der „Westfälischen Rundschau“ geschlossen und 120 Stellen abgebaut wurden. Die Zeitung existiert aber weiter - die Inhalte kommen jetzt von den Schwester-Blättern, aber auch von Konkurrenten wie den „Ruhr Nachrichten“. Das Management begründete den Schritt damit, den Titel trotz Kostendrucks erhalten zu wollen.

Die wichtigsten Zeitungstitel außerhalb von NRW

Außerhalb von NRW kommen noch die Thüringische Zeitungsgruppe mit „Thüringer Allgemeine“, „Ostthüringer Zeitung“ und „Thüringische Landeszeitung“ sowie die „Braunschweiger Zeitung“ hinzu. In Österreich ist die Gruppe an „Kronen Zeitung“ und „Kurier“ beteiligt.

Publikumszeitschriften

Dass die Gruppe auch „Gong“, „Frau im Spiegel“, „Landidee“, „TV direkt“ und viele andere Illustrierte publiziert, ist weniger bekannt. In der Essener Zentrale jedenfalls füllen die Blätter aus dem eigenen Haus ein ganzes Regal.

Gesamtauflage und Umsatz

Insgesamt erscheinen bei Funke 30 Tages- und Wochenzeitungen, 170 Illustrierte und Fachzeitschriften sowie Anzeigenblätter und Kundenzeitschriften. Die deutschen Tageszeitungen haben eine Auflage von knapp 1,1 Millionen. Der Funke-Umsatz lag 2011 bei 1,1 Milliarden Euro. In Deutschland hat die Gruppe 6000 Mitarbeiter.

Wann Kläsener seinen Posten an Lübben abgibt, ist noch offen. Kläsener werde sich danach „neuen Aufgaben zuwenden“, hieß es in einer Pressemitteilung. Welche das sind, war zunächst nicht bekannt, aber er verlässt Funke. Online-Chefredakteur Thomas Kloß (49) übernimmt die Leitung des Content-Desks.

Von der „Basler Zeitung“ kommt Rolf Bollmann (66) als Verlagsgeschäftsführer NRW zu Funke. Der bisherige Leiter des Personalmanagements, Joachim Kopatzki (57), und die Leiterin der Vermarktung der NRW-Tageszeitungen, Karin Hilbert (47), verlassen Funke. Bereits im Februar war Christian Nienhaus (54), bis dahin einer von drei Funke-Geschäftsführern, gegangen.

Funke-Mehrheitsgesellschafterin Petra Grotkamp dankte Kall wegen der Übernahme der Springertitel. Nachdem dies erreicht sei, habe Kall gebeten, ordentliches Aufsichtsratsmitglied zu werden. Manfred Braun, zusammen mit Thomas Ziegler Funke-Geschäftsführer, betonte, dass mit Tyrock und Lübben zwei „ausgewiesene Lokaljournalisten“ zur Mediengruppe kämen, die auch die digitalen Herausforderungen annähmen.

Von

dpa

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