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07.08.2013

09:17 Uhr

Medienhaus

Axel Springer verdient etwas weniger

Die Axel Springer AG baut um: Das Medienhaus setzt voll auf das Internet und trennt sich von traditionsreichen Regionalzeitungen. Die Schwäche des Printgeschäfts verkraftet das Unternehmen daher ohne Probleme.

Zentrale der Axel Springer AG in Berlin: Das Medienhaus setzt voll auf die Digitalisierung. dpa

Zentrale der Axel Springer AG in Berlin: Das Medienhaus setzt voll auf die Digitalisierung.

BerlinDer Medienkonzern Axel Springer steckt den Einbruch im Printgeschäft überraschend gut weg. Zuwächse im digitalen Geschäft machten die Investitionen in den Umbau des gesamten Printbereichs und rückläufige Auflagen im zweiten Quartal fast wett.

Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) fiel um 0,4 Prozent auf 171,6 Millionen Euro, wie der „Bild“-Herausgeber am Mittwoch mitteilte. Analysten hatten nur mit 157 Millionen Euro gerechnet, die Aktie stieg zu Handelsbeginn um 1,2 Prozent und gehörte damit zu den größten Gewinnern im Nebenwerteindex MDax. Die digitalen Medien, zu denen die Online-Anzeigenportale Immonet und Seloger sowie die Vermarktungsplattform Zanox gehören, lieferten die höchsten Beiträge zu Umsatz und Ergebnis.

Angesichts der sinkenden Einnahmen mit Printprodukten konzentriert sich Springer seit Jahren immer stärker auf seine breitgefächerten Geschäfte im Netz. Mit dem Verkauf traditioneller Springer-Blätter an die Essener Funke Gruppe beschleunigt der Konzern diese Strategie nun noch einmal. Im zweiten Quartal brachen die Erlöse der nationalen Zeitungen um fast zwölf Prozent ein. Wegen höherer Einnahmen im digitalen Bereich stand am Ende konzernweit nur ein Umsatzminus von 0,9 Prozent auf 823,7 Millionen Euro zu. Analysten hatten im Schnitt mit schwächeren Zahlen gerechnet.

Das Digitalgeschäft von Springer

Alles aufs Internet

Die Wurzeln der Axel Springer AG liegen im Zeitungsgeschäft, doch Konzernchef Mathias Döpfner setzt voll auf das Internet. Er verkaufte die traditionsreichen Regionalzeitungen „Berliner Morgenpost“ und „Hamburger Abendblatt“ wie auch die TV-Zeitschrift „Hörzu“ an die Funke-Gruppe. Die Einnahmen will Döpfner ins Digitalgeschäft investieren. Schon jetzt ist der Konzern hier sehr aktiv – nicht nur mit seinen Medienmarken.

Digitaler Journalismus

„Bild“ und „Welt“ sind im deutschsprachigen Internet wichtige Adressen. Die Axel Springer AG bietet einen Teil der Inhalte kostenlos an, hofft aber, den Umsatz mit Bezahlschranken zu steigern. Bei der „Welt“ können Nutzer nur 20 Artikel im Monat kostenlos lesen – ab dem 21. Text müssen sie ein Abo abschließen. Die Online-„Bild“ setzt auf das Freemium-Modell: Ein großer Teil der Inhalte ist kostenlos, für bestimmte Geschichten müssen die Leser zahlen.

Rubrikenanzeigen

Rubrikenanzeigen wandern mehr und mehr ins Internet ab. Die Axel Springer AG will mit Portalen für Immobilien, Jobs und Autoverkäufe von diesem Trend profitieren. Zu den Tochterfirmen gehören beispielsweise Immonet, das Stellenportal Stepstone und das Städteportal meinestadt.de.

Digitale Werbeprospekte

Der Zeitung liegen oft gedruckte Werbeprospekte bei – mit der Tochterfirma Kaufda übertragt Springer das Konzept ins digitale Zeitalter. Nutzer können die Broschüren der Einzelhändler aus ihrer Stadt gebündelt aufrufen und durchsuchen.

Online-Werbung

Mit der Mehrheitsbeteiligung Zanox ist Springer im Online-Marketing aktiv. Der Dienstleister vermittelt über seine Plattform Werbung – Provisionen bekommt er, wenn ein Geschäft zustande kommt. Deswegen ist auch vom erfolgsbasierten Online-Marketing die Rede. Zanox ist nicht nur in Europa, sondern auch in den USA aktiv.

Preisvergleiche

Das Portal idealo.de vergleicht Preise und bündelt Testberichte und Nutzermeinungen zu Produkten. Aktiv ist es in etlichen europäischen Ländern sowie in den USA. Springer gehören 74,9 Prozent des Unternehmens.

Konkurrenz setzt auf Handel und Spiele

Auch andere Medienhäuser suchen nach neuen Einnahmequellen – und entfernen sich dabei noch weiter vom Stammgeschäft. Burda etwa setzt auf den Online-Handel, unter anderem mit Tierfutter. Die TV-Kette Prosieben Sat.1 investiert in Online-Spiele.

Der Konzern mit rund 14.600 Mitarbeitern bestätigte, er rechne für das Gesamtjahr mit einem Rückgang des Ergebnisses im einstelligen Prozentbereich. Der Umsatz soll weiterhin im niedrigen einstelligen Prozentbereich wachsen.

Springer trennt sich zum Jahreswechsel für 920 Millionen Euro von traditionsreichen Blättern wie der „Berliner Morgenpost“, dem „Hamburger Abendblatt“ und der „Hörzu“. Springer-Chef Mathias Döpfner verteidigte den Schritt, der deutschlandweit für viele Schlagzeilen sorgte: „Ich bin mir sehr sicher, dass wir dadurch mehr zur Zukunftssicherung des Journalismus beigetragen haben, als diejenigen, die in diesen Tagen so lautstark das Ende des Verlegertums beklagen.“

Springer will den neuen Spielraum nutzen, um sein Geschäft noch stärker ins Internet zu verlagern. Kreisen zufolge hat das Unternehmen zusammen mit dem US-Finanzinvestor General Atlantic ein Gebot für die Internet-Anzeigengruppe Scout24 der Deutschen Telekom abgegeben. Die Scout-Gruppe, zu der die Anzeigenseiten Immoscout24 und Autoscout24 gehören, soll dabei mit 1,5 Milliarden Euro bewertet worden sein.

Erste Erfolge hat Springer mit seinem Bezahlmodell. Rund ein halbes Jahr nach Einführung einer Bezahlschrank für die Tageszeitung „Die Welt“ hat die Springer-Zeitung fast 50.000 Abonnenten im Netz gewonnen. „Wir erzielen digital bereits signifikante Vertriebserlöse - und dies bei weiter wachsenden Werbeeinnahmen“, erklärte die Verlagsgeschäftsführerin der Welt-Gruppe, Stephanie Caspar, ohne Details zu nennen. Dies ermutige, das „Experiment fortzusetzen“. Die Zahl von nun mehr als 47.000 digitalen Abonnenten entspreche mehr als einem Fünftel der Print-Auflage des Blattes.

Von

rtr

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