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08.08.2012

14:08 Uhr

Medienkonzern

Axel Springer profitiert vom Online-Geschäft

Das klassische Geschäft im Heimatland bleibt schwierig- aber Axel Springer schlägt sich dank der Auslandsaktivitäten wacker. Zudem bringt das Internet üppige Gewinne.

Die Bild-Zeitung: Gerade 60 Jahre alt geworden - und auch im Internet ein Gewinnbringer. dapd

Die Bild-Zeitung: Gerade 60 Jahre alt geworden - und auch im Internet ein Gewinnbringer.

BerlinDas digitale Geschäft ist der Motor für den Medienkonzern Axel Springer. Angetrieben von den Online-Aktivitäten sei das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) im ersten Halbjahr um sechs Prozent auf den Rekordwert von knapp 309 Millionen Euro gestiegen, sagte Springer-Chef Mathias Döpfner am Mittwoch. Das digitale Geschäft - darunter vor allem die Portale für Stellenanzeigen, Autos und Immobilien - trug mehr als ein Drittel zum Gewinn bei.

Trotz des konjunkturellen Gegenwinds hält der "Bild"- und "Welt"-Herausgeber an seiner Jahresprognose fest und erwartet einen Anstieg der Erlöse im einstelligen Prozentbereich und ein leicht höheres Ebitda. Die im MDax notierte Springer-Aktie notierte nach anfänglich deutlichen Verlusten am frühen Nachmittag nahezu unverändert.

Döpfner betonte erneut, die digitale Transformation habe "Höchstpriorität". Dazu beitragen soll auch der jüngst angekündigte Erwerb von 75 Prozent an Polens führendem Web-Portal Onet.pl zusammen mit dem Schweizer Partner Ringier. In der ersten Jahreshälfte legten die Umsätze der digitalen Medien um knapp 25 Prozent zu, das Ebitda stieg um 55 Prozent auf knapp 111 Millionen Euro. "Damit ist es nur noch eine Frage der Zeit, wann dieses Segment die Position des größten Ergebnislieferanten im Konzern übernehmen wird", schrieben die Analysten der DZ Bank.

Seit Jahren verlagert das Berliner Unternehmen sein Geschäft ins Netz, neben Online-Marktplätzen gehören dazu journalistische Portale wie welt.de und der europäische Online-Marketing-Anbieter Zanox. Bei Zanox lief es im ersten Halbjahr nicht ganz so rund, das Ebitda ging leicht zurück - laut Finanzchef Lothar Lanz auch eine Folge der Schuldenkrise in Europa.

Die Geschichte der Bild-Zeitung

Der Vater der Bild-Zeitung

Axel Springer hatte ein großes Ziel: Er wollte "das größte Zeitungshaus Europas" schaffen - und es gelang ihm. Streitbar war der Verleger der Bild-Zeitung immer, aber besonders Ende der 60er-Jahre. Der Historiker Tim von Armin hat Springers Leben in seiner Biografie "Und dann werde ich das größte Zeitungshaus Europas bauen" (Campus Verlag) festgehalten. Es folgt der spannende Teil über die Einführung der Bild-Zeitung.

Die Vorbilder

Inspiriert wurde Axel Springer von der Hamburger Morgenpost und dem britischen Daily Mirror. Beide zielten auf die Psyche des Ins-Büro-Fahrenden, wie Springer es ausdrückte. Damals war es ungewöhnlich, dass Tageszeitungen auf dem Weg zur ARbeit erworben wurden.

Die Idee

Axel Springer persönlich war die treibende Kraft der Bild-Zeitung. Viele Details der Gründungsphase sind nur spärlich überliefert. Die Idee war von Beginn an eine am Morgen erscheinende, niedrigpreisige Boulevardzeitung. Vorbilder gab es nicht nur im Ausland ...

Die Preis-Strategie

Die Bild-Zeitung sollte der Preisführer unter den deutschen Zeitungen und schon für zehn Pfennig zuhaben sein. Das entspricht dem Bestreben, die Bedürfnisse der breiten Bevölkerung zu erfüllen. Hier sah Springer ein enormes Absatzpotenzial.

Wie es zu nackten Frauen kam

Natürlich gab es das Seite-1-Mädchen (übrigens jüngst in den Innenteil verbannt) damals noch nicht. Aber klar war von Beginn an, dass der Name "Bild"-Zeitung kein Zufall war. Springer war fasziniert von der fortschrittlichen anglo-amerikanischen Presse und der konsequenten Betonung visueller Effekte.

Das Logo

Die vier dicken Buchstaben gibt es noch heute. Entworfen hat das Logo der Werbegrafiker Günther T. Schultz, ein langjähriger Freund Springers. Über den vier Lettern stand "10 Pfg" und darunter Zeitung".

Die Seite Eins

Die erste Seite 1 der Bild-Zeitung sah völlig anders aus als heute. Sie bestand ausschließlich aus Fotos und Unterzeilen. Plus natürlich die dicke Überschrift. Die Fotos waren schwarz-weiß und entsprechend groß. So sollte die Wirkung der Bilder voll zur Geltung kommen.

Kritik daran gab es im Verlagshaus durchaus. Doch Springer setzte sich durch gegenüber der Meinung, dass eine Seite 1 nicht nur aus Bildern bestehen könne.

Die Einführung der Bild-Zeitung

Die Druckkosten-Kalkulation gab es im Oktober 1951. Es folgten viele Gespräche mit führenden Verlagsvertretern. Die erste Ausgabe hielten Leser am 24. Juni 1952. Die erste Auflage lag bei 500.000 Exemplaren. Sie wurden kostenlos in Hamburg verteilt.

Springer nutzt die kurz darauf beginnenden Olympischen Spiele in Helsinki, da gerade zu dieser Zeit das Informationsbedürfnis der Leser besonders hoch war.

Erhebliche Startschwierigkeiten

Ein Erfolgsmodell von Beginn an war die Bild nun wahrlich nicht. Trotz der vielen Bilder auf der Seite 1 und den boulevardesken Inhalten inklusive der Sinnsprüche und der berühmten Kolumne "Hans im Glück" war das Interesse am ersten Verkaufstag (25. Juni 1952) gering. Bis Ende 1952 lag die durchschnittliche verkaufte Auflage bei 165.000 Exemplaren und es war keine Besserung in Sicht.

Die Wende

Axel Springer hielt aber an seinem Vorhaben fest - ließ aber mit sich reden. Umfang und Bedeutung der Textelemente wurden erhöht. Im Januar 1953 sagte Springer: "Wir müssen mehr Text machen." Es folgte ein experimenteller Prozess. (Wenig) Sex und (viel) Crime machten den wesentlichen Teil aus. Bis 1958 wuchs die Zahl der Redakteure von einer Handvoll auf über 100.

Der Durchbruch

Der Erfolg setzte nach rund einem Jahr ein. Neben der redaktionellen Umgestaltung halfen auch Verbesserungen beim Vertrieb. Im September 1953 wurden erstmals über eine Million Exemplare verkauft. Ein Jahr später war die Bild Europas größte Tageszeitung.

Springers Rückzug

Nach dem Durchbruch der Bild zog sich Axel Springer aus dem redaktionellen Tagesgeschäft zurück. Prägende Chefredakteure werden in den kommenden Jahren Rudolf Michael, Peter Boenisch und Günter Prinz.

Das Verlaghaus erwirtschaftete von Januar bis Juni rund ein Drittel des Konzernumsatzes von 1,62 Milliarden Euro (plus 6,2 Prozent) im Ausland. Welche Folgen eine Verschlechterung der Konjunktur in Deutschland habe, lasse sich in diesem zyklischen Geschäft kaum einschätzen, gab sich Döpfner bedeckt.

Ziel von Springer ist es, sich unabhängiger vom anhaltendem Abwärtstrend bei Printprodukten zu machen. Das Zeitschriftengeschäft sowie die internationalen Printmedien verzeichneten im ersten Halbjahr einen Umsatzrückgang. Den "Bild"-Werbeerlösen half die Sonderaktion zum 60. Geburtstag - zu dem die auflagenstärkste deutsche Tageszeitung jedem Haushalt kostenlos zugestellt wurde - auf die Sprünge. Dem strukturellen Trend könne sich "Bild" aber nicht entziehen, räumte Döpfner ein. Die verkaufte Auflage fiel um knapp sechs Prozent auf im Schnitt 2,7 Millionen Exemplare.

Döpfner hat sich auf die Fahne geschrieben, die Bezahlkultur für Inhalte im Netz zu verbessern. Für journalistische Qualität müsse gezahlt werden, fordert der Springer-Chef. Erstmals nannte der Konzern nun ein Ziel für entsprechende Einnahmen: Im Gesamtjahr will Springer mit Paid Content wie beispielsweise der "Bild"- und "Welt"-App einen mittleren einstelligen Millionenbetrag umsetzen. In der ersten Jahreshälfte hätten sich die Erlöse verdoppelt, sagte Döpfner. Er forderte andere Medienhäuser auf, ihre Einnahmen in diesem Bereich ebenfalls offenzulegen.

Auf der Suche nach den neuesten digitalen Trends schickt Springer ab September eine Dreier-Delegation unter Führung von "Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann ins Silicon Valley. "Sie sollen Konzepte für digitales Wachstum entwickeln", sagte Döpfner. Es sei ein Experiment mit offenen Ausgang. Zugleich versicherte er, Diekmann werde nach dem halbjährigen Aufenthalt in seine alte Position zurückkehren.

Von

rtr

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