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26.03.2013

13:01 Uhr

Medienkonzern Bertelsmann

Heiße Geschäfte dank „Shades of Grey“

VonChristof Kerkmann

„Shades of Grey“ sei dank: Weil das Buchgeschäft florierte, konnte der Medienkonzern Bertelsmann seinen Gewinn 2012 halten – mehr aber auch nicht. Der Ausblick fürs laufende Jahr ist ebenfalls mäßig.

Bertelsmann veröffentlicht Bilanz

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BerlinIn den Anfangstagen verdiente Bertelsmann sein Geld mit Kirchenbüchern – heute füllt Erotik-Literatur die Kassen: Dank der weltweit erfolgreichen Romantrilogie „Shades of Grey“ konnte der Medienkonzern 2012 seinen Gewinn auf dem Niveau des Vorjahres halten. Die Romane des amerikanischen Buchverlags Random House leisteten einen großen Beitrag zum Konzerngewinn, der unter dem Strich mit 619 Millionen Euro knapp über dem Vorjahresergebnis (612 Millionen Euro) lag. Der Umsatz stieg um fünf Prozent auf 16 Milliarden Euro.

Im laufenden Geschäftsjahr ist der Ausblick verhalten. Firmenchef Thomas Rabe erwartet eine „stabile bis leicht rückläufige Geschäftsentwicklung“. Das Werbegeschäft, das rund ein Viertel des Umsatzes einbringt, sei weiter schwierig, sagte er bei der Bilanzvorlage am Dienstag in Berlin. Die Umsatzrendite liege im zweistelligen Prozentbereich.

Rabe gab sich aber optimistisch, dass die neue Strategie für neuen Schub sorgt: „Bertelsmann wird in den nächsten Jahren substanziell wachsen.“ Das Unternehmen habe sich von wachstumsschwachen Bereichen getrennt und vielversprechende Geschäfte ausgemacht. 2014 sei ein Umsatz von 18 Milliarden Euro möglich.

Cash Cow der Bertelsmann-Gruppe ist weiterhin die RTL-Gruppe. Sie erzielte erstmals mehr als 6 Milliarden Euro Umsatz. Das sei maßgeblich der Produktionstochter Fremantle Media und dem Fernsehgeschäft in Deutschland zu verdanken, sagte RTL-Chefin Anke Schäferkordt. Das operative Ergebnis sank allerdings auf 1,1 Milliarden Euro. Angesichts der „schwierigen Werbemärkte“ in Südeuropa sei sie mit der Entwicklung zufrieden, so Schäferkordt.

Die Geschäftsfelder von Bertelsmann

Bücher

Das Buchgeschäft ist die Keimzelle von Bertelsmann: Gründer Carl Bertelsmann erhielt 1835 die Konzession der preußischen Regierung zur Einrichtung einer Buchdruckerei. Unter dem Dach des Konzerns ist inzwischen die größte Publikumsverlagsgruppe der Welt entstanden: Zunächst unter dem Namen der US-Tochterfirma Random House, seit 2012 in einem Joint Venture mit Pearson, an dem die Gütersloher 53 Prozent halten. Penguin Random House heißt der Gigant mit seinen 11.800 Mitarbeitern.

Fernsehen

Die RTL Group betreibt 53 TV- und 28 Radiosender in neun Ländern Europas sowie Indien. Gerade in Deutschland ist das Unternehmen stark – mit den Stationen RTL, Vox, RTL II, Super RTL, RTL Nitro und n-tv. Bertelsmann hält 92,3 Prozent an der Sendergruppe.

Zeitschriften

Ob „Stern“, „Geo“ oder „Brigitte“: An europäischen Kiosken sind die Zeitschriften von Gruner + Jahr nicht zu übersehen. Bertelsmann hält seit den 70er Jahren die Mehrheit an den Verlag, Ende 2014 will der Medienkonzern die verbliebenen Anteile von der Jahr-Familie kaufen.

Dienstleistungen

Arvato ist die wohl vielseitigste Tochter von Bertelsmann: Die Dienstleistungssparte erstellt digitale Medien, ist im E-Commerce tätig, bietet aber auch zahlreiche Unternehmenslösungen für Kundenpflege, Produktionsplanung und Datenmanagement, außerdem IT-Services. Die Sparte hat mehr als 66.000 Mitarbeiter.

Druck

Bertelsmann gliederte die Druckaktivitäten 2012 in die Sparte Be Printers aus. Diese fertigt Zeitschriften, Kataloge, Prospekte, Bücher und Kalender. Zudem bietet sie Dienstleistungen an. Die Bertelsmann-Tochter betreibt Druckereien in Deutschland, Großbritannien, Italien und Spanien sowie den USA und Kolumbien und hat 6200 Mitarbeiter.

Musik

Musik gehörte lange zum Kerngeschäft von Bertelsmann. Allerdings verkaufte der Konzern 2006 seinen Musikverlag BMG, 2008 gab er auch seinen Anteil am Gemeinschaftsunternehmen Sony BMG ab und verabschiedete sich so aus dem Tonträgergeschäft. 2013 holten die Gütersloher die Musik vom Finanzinvestor KKR zurück in den Konzern. Das Geschäft gehört zum Bereich Corporate Investments, der alle übrigen operativen Aktivitäten von Bertelsmann umfasst.

Der Verkauf von RTL-Anteilen, der Geld für Investitionen in die Kasse spülen soll, kommt voran. Der Prozess sei weit fortgeschritten, sagte Rabe. Bertelsmann hatte im Februar angekündigt, bis zu 17,3 Prozent seiner Anteile an der TV-Gruppe abzugeben – derzeit hält der Konzern 92,3 Prozent. Der Verkauf dürfte Milliarden von Euro einbringen.

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