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05.08.2014

12:59 Uhr

Medienkonzern

Digitales Geschäft treibt Gewinn von Springer

Die Investitionen für den Umbau zum Digitalkonzern zahlen sich aus: Axel Springer profitiert vom Geschäft rund um das Internet. Nun will Springer auch in englischsprachigen Ländern digital angreifen.

Der Axel-Springer-Verlag profitiert vom Geschäft rund um das Internet. dpa

Der Axel-Springer-Verlag profitiert vom Geschäft rund um das Internet.

BerlinDer Medienkonzern Axel Springer will sein Digitalgeschäft im Ausland weiter ausbauen. Die Finanzspielräume seien komfortabel genug, um im englischsprachigen Raum auch in digitalen Journalismus zu investieren, sagte Vorstandschef Mathias Döpfner am Dienstag. Konkrete Pläne dafür gebe es aber noch nicht. Für das erste Halbjahr weist der Konzern einen Gesamterlös von rund 1,4 Milliarden Euro aus - im Vergleich zum Vorjahreszeitraum eine Steigerung von 6,2 Prozent. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) stieg um 10,6 Prozent auf rund 266 Millionen Euro, teilte Axel Springer am Dienstag mit.

Auf Wachstumskurs hält den Konzern („Bild“, „Welt“, „Immonet“, „Stepstone“) dabei vor allem sein Digitalgeschäft, zu dem unter anderem Preisportale, Stellen- und Immobilienanzeigen gehören. Im ersten Halbjahr trugen digitale Medien rund zur Hälfte (51,4 Prozent) zum Gesamterlös bei. Beim EBITDA waren es sogar rund zwei Drittel (65,2 Prozent). Die Aktie gewann zeitweilig um fast acht Prozent in einem leicht positiven Marktumfeld hinzu.

Döpfner bewertete das Halbjahresergebnis als sehr gut. Er sehe Axel Springer damit auf dem Weg zum führenden digitalen Verlag. Neben dem nationalen und internationalen Digitalgeschäft kann sich der Vorstandschef nach dem vieldiskutierten Verkauf von Tageszeitungen wie der „Berliner Morgenpost“ und dem „Hamburger Abendblatt“ sowie Zeitschriften wie „Bild der Frau“ und “Hörzu“ auch wieder Akquisitionen mit journalistischem Inhalt vorstellen - allerdings nur im englischsprachigen Raum. Der Konzern erwirtschafte bereits 42 Prozent seines Umsatzes im Ausland.

Springers digitales Geschäft

Ehrgeizige Ziele

2012 verdiente der Springer-Konzern erstmals mehr mit seinem Digital-Geschäft als mit Print. In den ersten drei Quartal des laufenden Geschäftsjahres erreichten die digitalen Erlöse knapp 40 Prozent. Unter dem Dach des Medienkonzerns gibt es nicht nur die Online-Ableger der klassischen Printprodukte. Ein Überblick.

Zeitungen und Magazine im Netz

Die digitalen Ableger von Springers Printprodukten sind stark. Bild.de ist die meistgeklickte Nachrichtenseite Deutschlands, rund 12 Millionen Nutzer rufen die Seite pro Monat auf. Auch Computerbild.de und Welt Online zählen zu den beliebtesten journalistischen Angeboten im Netz.

Blog für Gründerszene

Im Juni 2014 übernahm Springer die Firma Vertical Media, die vor allem für das Blog Gründerszene.de bekannt ist. Zu ihr gehören auch die englischsprachige Webseite Venture Village, eine Jobbörse und mehrere Veranstaltungsreihen.

Vergleichs- und Rubrikenportale

Springer verfügt über zahlreiche Serviceportale zu unterschiedlichen Themen – etwa den Preisvergleich Idealo oder den Online-Prospektedienst Kaufda, der die Angebote regionaler Geschäfte zusammenfasst. Auch Autokäufer hat das Berliner Verlagshaus mit seiner 50-prozentigen Beteiligung an autohaus24.de auf dem Radar.

Schwerpunkt Immobilien und Karriere

Springers digitales Geschäft beschränkt sich nicht nur auf Deutschland. Mit Seloger besitzen die Berliner Frankreichs führendes Immobilienportal, in Deutschland betreibt Springer das Immobilienportal Immonet. Im vergangenen Jahr übernahm Recruiting-Portal und Springer-Tochter Stepstone den britischen Konkurrenten Totaljobs.

Marketing-Unternehmen im Portfolio

Das Verlagshaus ist mehrheitlich an Zanox beteiligt. Das Unternehmen ist auf erfolgsbasiertes Online-Marketing spezialisiert. Der Werbekunde zahlt hierbei nur, wenn der Verbraucher tatsächlich etwas kauft. 2012 setzte Zanox 457 Millionen Euro um.

Möglich seien dabei sowohl eine eigene Gründung als auch eine Übernahme von Zeitungen oder Zeitschriften, sagte Döpfner. Allerdings nur, wenn die Digitalisierung dort bereits laufe oder das Potenzial dafür deutlich vorhanden sein. „Wir werden keine Zeitungen übernehmen, die sich als reine Print-Produkte sehen“, betonte er. Möglich seien auch „große Akquisitionen“. Den Spielraum für Investitionen bezifferte der Konzern auf rund eine Milliarde Euro, ein Teil davon stammt aus den Verkäufen der deutschen Print-Titel.

Der Konzernüberschuss stieg in ersten Jahreshälfte bereinigt um 13 Prozent auf 138,2 Millionen Euro. Die Zahlen und Prognosen sind um den vor etwas mehr als einem Jahr angekündigten und inzwischen vollzogenen Verkauf zahlreicher Zeitungen und Zeitschriften an die Funke-Gruppe bereinigt.

An seinen verbliebenen deutschen Zeitungen „Bild“ und „Welt“ will Axel Springer festhalten - auch mit digitalen Abos. „Leser sind zunehmend bereit, für journalistische Angebote im Internet zu zahlen„, sagte Döpfner. Bei der „Bild“-Zeitung seien es inzwischen rund 209.000 digitale Abos, bei der „Welt“ rund 53.000. Das sei eine „solide Entwicklung“, wenn auch nicht mehr so sprunghaft wie mit dem Start des Angebots vor mehr als einem Jahr. Diese Entwicklung sei aber zu erwarten gewesen.

Von

dpa

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