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12.11.2015

13:57 Uhr

Medienkonzern mit Gewinnplus

RTL hat für Bertelsmann Wachstum im Programm

Bertelsmann hat jetzt schon so viel verdient, wie im gesamten letzten Jahr. Das liegt vor allem an RTL. Die Fernsehtochter wächst in Deutschland und den Niederlanden – und schiebt Europas größten Medienkonzern an.

Europas größter Medienkonzern verdient dank dem Fernsehunternehmen wieder deutlich mehr. dpa

Bertelsmann-Tochter RTL

Europas größter Medienkonzern verdient dank dem Fernsehunternehmen wieder deutlich mehr.

MünchenMit Rückenwind durch den starken Dollar und das florierende Fernsehgeschäft in Deutschland beschleunigt der RTL-Konzern sein Wachstum. Ebenso wie der Erzrivale Pro Sieben Sat 1 profitierte RTL im Sommerquartal von der robusten Konjunktur in Deutschland, wo die Wirtschaft ihre Budgets für Fernsehreklame aufstockt. Schleppend lief das Geschäft nach Konzernangaben vom Donnerstag allerdings erneut in Frankreich, wo Werbetreibende ihr Geld zusammenhalten.

Die Bertelsmann-Tochter RTL schraubte ihre Umsatzerwartungen für das laufende Jahr nach oben. „Wir erwarten im Gesamtjahr nun einen Umsatzanstieg zwischen 2,5 und fünf Prozent“, sagte Finanzvorstand Elmar Heggen im Reuters-Interview. Bisher hatte sich der TV-Konzern maximal 2,5 Prozent Wachstum bei den Jahreserlösen von zuletzt 5,8 Milliarden Euro zugetraut. 4,1 Milliarden Euro hat RTL nach neun Monaten bereits in der Tasche.

Im dritten Quartal wuchs die Gruppe stärker als im ersten Halbjahr, was Heggen unter anderem auf das gute Werbegeschäft zurückführte. „In Deutschland erwarten wir über das gesamte Jahr ein Marktwachstum von drei bis vier Prozent. In Frankreich dürften es nur ein bis zwei Prozent werden“, sagte der Manager. Die Erlöse der deutschen Sender stiegen im dritten Quartal um 6,8 Prozent auf 471 Millionen Euro. Im gleichen Zeitraum war das TV-Geschäft der Pro-Sieben-Sat-1-Gruppe um 6,3 Prozent auf 465 Millionen Euro gewachsen.

Die Geschäftsfelder von Bertelsmann

Bücher

Das Buchgeschäft ist die Keimzelle von Bertelsmann: Gründer Carl Bertelsmann erhielt 1835 die Konzession der preußischen Regierung zur Einrichtung einer Buchdruckerei. Unter dem Dach des Konzerns ist inzwischen die größte Publikumsverlagsgruppe der Welt entstanden: Zunächst unter dem Namen der US-Tochterfirma Random House, seit 2012 in einem Joint Venture mit Pearson, an dem die Gütersloher 53 Prozent halten. Penguin Random House heißt der Gigant mit seinen 11.800 Mitarbeitern.

Fernsehen

Die RTL Group betreibt 53 TV- und 28 Radiosender in neun Ländern Europas sowie Indien. Gerade in Deutschland ist das Unternehmen stark – mit den Stationen RTL, Vox, RTL II, Super RTL, RTL Nitro und n-tv. Bertelsmann hält 92,3 Prozent an der Sendergruppe.

Zeitschriften

Ob „Stern“, „Geo“ oder „Brigitte“: An europäischen Kiosken sind die Zeitschriften von Gruner + Jahr nicht zu übersehen. Bertelsmann hält seit den 70er Jahren die Mehrheit an den Verlag, Ende 2014 will der Medienkonzern die verbliebenen Anteile von der Jahr-Familie kaufen.

Dienstleistungen

Arvato ist die wohl vielseitigste Tochter von Bertelsmann: Die Dienstleistungssparte erstellt digitale Medien, ist im E-Commerce tätig, bietet aber auch zahlreiche Unternehmenslösungen für Kundenpflege, Produktionsplanung und Datenmanagement, außerdem IT-Services. Die Sparte hat mehr als 66.000 Mitarbeiter.

Druck

Bertelsmann gliederte die Druckaktivitäten 2012 in die Sparte Be Printers aus. Diese fertigt Zeitschriften, Kataloge, Prospekte, Bücher und Kalender. Zudem bietet sie Dienstleistungen an. Die Bertelsmann-Tochter betreibt Druckereien in Deutschland, Großbritannien, Italien und Spanien sowie den USA und Kolumbien und hat 6200 Mitarbeiter.

Musik

Musik gehörte lange zum Kerngeschäft von Bertelsmann. Allerdings verkaufte der Konzern 2006 seinen Musikverlag BMG, 2008 gab er auch seinen Anteil am Gemeinschaftsunternehmen Sony BMG ab und verabschiedete sich so aus dem Tonträgergeschäft. 2013 holten die Gütersloher die Musik vom Finanzinvestor KKR zurück in den Konzern. Das Geschäft gehört zum Bereich Corporate Investments, der alle übrigen operativen Aktivitäten von Bertelsmann umfasst.

Weil die TV-Produktionstochter von RTL einen großen Teil ihres Geschäfts in den USA macht, profitierte der Konzern beim Umtausch der Erlöse in Euro vom Dollar-Kurs. Das sei ein Grund, warum der Gewinn dem Umsatzplus im Gesamtjahr nicht folgen dürfte, sagte Heggen. „Das verschafft uns beim Ergebnis keinen Rückenwind.“ Er bleibe deshalb dabei bei der Erwartung, dass der Betriebsgewinn auf dem Vorjahresniveau von 1,15 Milliarden Euro verharren werde. Bis Ende September waren es 716 Millionen Euro, ein Plus von knapp sechs Prozent.

DZ-Bank-Analyst Harald Heider bewertete Heggens Einschätzung als „ein bisschen konservativ vor dem Hintergrund einer sehr soliden Wirtschaftsentwicklung in Deutschland“. Investoren griffen zur RTL-Aktie, die mit einem Plus von 2,6 Prozent einer der größten Gewinner im Nebenwerteindex MDax war. Ein Grund zur Freude auch für Europas größten Medienkonzern Bertelsmann: Ihm gehören gut 75 Prozent der RTL-Aktien.

Bertelsmann steigerte den Umsatz dank seiner wichtigsten Tochter in den ersten neun Monaten um knapp drei Prozent auf 12,2 Milliarden Euro. Das Betriebsergebnis kletterte um gut sieben Prozent auf 1,6 Milliarden Euro. Unter dem Strich verdoppelte sich der Überschuss nahezu und erreichte mit 573 Millionen Euro bereits jetzt dieselbe Höhe wie im gesamten Vorjahr.

Dazu habe der Wegfall einmaliger Belastungen aus dem vergangenen Jahr ebenso beigetragen wie auch gute Geschäfte in den übrigen Sparten, teilte der Konzern mit. Zahlen zu Firmentöchtern wie dem weltgrößten Buchverlag Penguin Random House oder dem Dienstleister Arvato will Bertelsmann erst wieder mit der Jahresbilanz veröffentlichen

Von

rtr

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