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07.11.2012

14:22 Uhr

Medienkonzern

Print-Krise drückt Gewinn von Axel Springer

Der Axel-Springer-Konzern hat im dritten Quartal weniger Gewinn und Umsatz erwirtschaftet. Während das Printgeschäft schwächelt, wächst das Digitalgeschäft stark – es soll auch in Zukunft für Wachstum sorgen.

Ein Unternehmen im Wandel: Axel Springer verdient immer mehr Geld mit dem digitalen Geschäft. dapd

Ein Unternehmen im Wandel: Axel Springer verdient immer mehr Geld mit dem digitalen Geschäft.

Berlin/FrankfurtAngesichts rapide wegbrechender Einnahmen aus Printwerbung wird der Axel-Springer-Verlag bei seiner Digital-Offensive experimentierfreudig. Nach der „Welt“, für die bald auch im Internet bezahlt werden muss, solle nächstes Jahr auch für den Online-Auftritt der „Bild“ ein Obolus fällig werden, bekräftigte Konzernchef Mathias Döpfner am Mittwoch. Neu daran: Bei beiden Publikationen wird Springer unterschiedliche Modelle erproben, um aus den an kostenlose Inhalte gewöhnten Internetnutzern zahlende Kunden zu machen.

„Wir wollen verschiedene Wege testen“, sagte Döpfner. Vorbild für die „Welt“ sei das Online-Angebot der „New York Times“, bei der zunächst einige Artikel kostenlos sind und erst später gezahlt werden muss. „Das Modell der 'Bild' wird ein anderes“, betonte er, ohne Details verraten zu wollen. Klar ist aber, dass der Verlagsriese auf der „Bild“-Seite dabei auf König Fußball setzt. Springer ersteigerte im Frühjahr die Rechte für Internet-Zusammenfassungen der Matches der Fußball-Bundesliga. Die Lizenz gilt ab der Saison 2013/14.

Die Geschichte der Bild-Zeitung

Der Vater der Bild-Zeitung

Axel Springer hatte ein großes Ziel: Er wollte "das größte Zeitungshaus Europas" schaffen - und es gelang ihm. Streitbar war der Verleger der Bild-Zeitung immer, aber besonders Ende der 60er-Jahre. Der Historiker Tim von Armin hat Springers Leben in seiner Biografie "Und dann werde ich das größte Zeitungshaus Europas bauen" (Campus Verlag) festgehalten. Es folgt der spannende Teil über die Einführung der Bild-Zeitung.

Die Vorbilder

Inspiriert wurde Axel Springer von der Hamburger Morgenpost und dem britischen Daily Mirror. Beide zielten auf die Psyche des Ins-Büro-Fahrenden, wie Springer es ausdrückte. Damals war es ungewöhnlich, dass Tageszeitungen auf dem Weg zur ARbeit erworben wurden.

Die Idee

Axel Springer persönlich war die treibende Kraft der Bild-Zeitung. Viele Details der Gründungsphase sind nur spärlich überliefert. Die Idee war von Beginn an eine am Morgen erscheinende, niedrigpreisige Boulevardzeitung. Vorbilder gab es nicht nur im Ausland ...

Die Preis-Strategie

Die Bild-Zeitung sollte der Preisführer unter den deutschen Zeitungen und schon für zehn Pfennig zuhaben sein. Das entspricht dem Bestreben, die Bedürfnisse der breiten Bevölkerung zu erfüllen. Hier sah Springer ein enormes Absatzpotenzial.

Wie es zu nackten Frauen kam

Natürlich gab es das Seite-1-Mädchen (übrigens jüngst in den Innenteil verbannt) damals noch nicht. Aber klar war von Beginn an, dass der Name "Bild"-Zeitung kein Zufall war. Springer war fasziniert von der fortschrittlichen anglo-amerikanischen Presse und der konsequenten Betonung visueller Effekte.

Das Logo

Die vier dicken Buchstaben gibt es noch heute. Entworfen hat das Logo der Werbegrafiker Günther T. Schultz, ein langjähriger Freund Springers. Über den vier Lettern stand "10 Pfg" und darunter Zeitung".

Die Seite Eins

Die erste Seite 1 der Bild-Zeitung sah völlig anders aus als heute. Sie bestand ausschließlich aus Fotos und Unterzeilen. Plus natürlich die dicke Überschrift. Die Fotos waren schwarz-weiß und entsprechend groß. So sollte die Wirkung der Bilder voll zur Geltung kommen.

Kritik daran gab es im Verlagshaus durchaus. Doch Springer setzte sich durch gegenüber der Meinung, dass eine Seite 1 nicht nur aus Bildern bestehen könne.

Die Einführung der Bild-Zeitung

Die Druckkosten-Kalkulation gab es im Oktober 1951. Es folgten viele Gespräche mit führenden Verlagsvertretern. Die erste Ausgabe hielten Leser am 24. Juni 1952. Die erste Auflage lag bei 500.000 Exemplaren. Sie wurden kostenlos in Hamburg verteilt.

Springer nutzt die kurz darauf beginnenden Olympischen Spiele in Helsinki, da gerade zu dieser Zeit das Informationsbedürfnis der Leser besonders hoch war.

Erhebliche Startschwierigkeiten

Ein Erfolgsmodell von Beginn an war die Bild nun wahrlich nicht. Trotz der vielen Bilder auf der Seite 1 und den boulevardesken Inhalten inklusive der Sinnsprüche und der berühmten Kolumne "Hans im Glück" war das Interesse am ersten Verkaufstag (25. Juni 1952) gering. Bis Ende 1952 lag die durchschnittliche verkaufte Auflage bei 165.000 Exemplaren und es war keine Besserung in Sicht.

Die Wende

Axel Springer hielt aber an seinem Vorhaben fest - ließ aber mit sich reden. Umfang und Bedeutung der Textelemente wurden erhöht. Im Januar 1953 sagte Springer: "Wir müssen mehr Text machen." Es folgte ein experimenteller Prozess. (Wenig) Sex und (viel) Crime machten den wesentlichen Teil aus. Bis 1958 wuchs die Zahl der Redakteure von einer Handvoll auf über 100.

Der Durchbruch

Der Erfolg setzte nach rund einem Jahr ein. Neben der redaktionellen Umgestaltung halfen auch Verbesserungen beim Vertrieb. Im September 1953 wurden erstmals über eine Million Exemplare verkauft. Ein Jahr später war die Bild Europas größte Tageszeitung.

Springers Rückzug

Nach dem Durchbruch der Bild zog sich Axel Springer aus dem redaktionellen Tagesgeschäft zurück. Prägende Chefredakteure werden in den kommenden Jahren Rudolf Michael, Peter Boenisch und Günter Prinz.

Der Konzern gibt auf der Suche nach neuen Geschäftsfeldern Gas, da das angestammte Printgeschäft immer schneller schwindet. Die gesamte Branche kämpft zwar seit Jahren mit schrumpfenden Einnahmen aus Anzeigen in Zeitungen und Zeitschriften. Die trüben Wirtschaftsaussichten sorgten jüngst jedoch dafür, dass Werbekunden noch zögerlicher buchen. In Deutschland brachen im dritten Quartal die Reklameeinahmen der Springer-Zeitungen beispielsweise um 12,2 Prozent ein.

„Die Print-Werbeerlöse im dritten Quartal lagen am unteren Ende unserer Erwartungen“, sagte Döpfner. Das zog die Quartalsbilanz nach unten. Im Zeitraum Juli bis Ende September sank das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) um 4,4 Prozent auf 150,6 Millionen Euro, wie das Berliner Verlagshaus mitteilte. Der Umsatz ging um 0,7 Prozent auf 787 Millionen Euro zurück.

Mit den Kennzahlen liegt Springer unter den Markterwartungen: Analysten hatten im Schnitt mit Erlösen von 804 Millionen Euro und einem Ebitda von 154 Millionen Euro gerechnet.

Die Einnahmen aus Anzeigen in Zeitungen und Zeitschriften schrumpfen seit Jahren in der ganzen Branche. Die trüben Wirtschaftsaussichten sorgen nun aber dafür, dass Werbekunden noch zögerlicher buchen. In Deutschland brachen im dritten Quartal die Reklameeinahmen der Springer-Zeitungen beispielsweise um 15 Prozent ein.

Im Gesamtjahr sollten jedoch die Zuwächse bei den digitalen Medien die Rückgänge wettmachen. In den ersten neun Monaten nahm der Konzern bereits mehr mit Online- als mit Print-Reklame ein. Döpfner bekräftigte die Prognose für 2012: Die Konzernerlöse sollen im einstelligen Prozentbereich steigen und das Ebitda leicht höher ausfallen als im Vorjahr. Im vergangenen Jahr fuhr das Unternehmen bei 3,2 Milliarden Euro Umsatz ein Ebitda von 593 Millionen Euro ein. Bei Anlegern kam die Bestätigung des Ausblicks gut an: Die im MDax notierten Aktien stiegen um drei Prozent.

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Um das Digital-Geschäft noch schneller auszubauen, ist Springer seit Jahren auf Einkaufstour. Jüngster Zugang ist die belgische Immobilienseite Immoweb, die der Konzern für 128 Millionen Euro übernahm. Im Internet-Kleinanzeigengeschäft betreibt das Berliner Verlagshaus zusammen mit dem US-Finanzinvestor General Atlantic ein Joint-Venture. Springer brachte seine Online-Töchter Seloger.com, Immonet und Stepstone in die Gemeinschaftsfirma ein.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

07.11.2012, 09:31 Uhr

Wenn das Springer-Blatt die "Welt" zukünftig nur noch kostenpflichtigen Content anbietet, dann geht auch digital nicht viel.

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