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12.11.2013

13:31 Uhr

Medienkonzern

RTL schiebt Bertelsmann zu großem Gewinnplus

Die bisherigen drei Quartale des Medienriesen Bertelsmann lassen auf ein dickes Gewinnplus für das Gesamtjahr hoffen. Dabei profitiert Bertelsmann vor allem von der Fernsehtochter RTL.

Die Zentrale von Bertelsmann in Gütersloh: Dem Medienkonzern geht es prächtig. ap

Die Zentrale von Bertelsmann in Gütersloh: Dem Medienkonzern geht es prächtig.

Gütersloh/LuxemburgNach Rekordzahlen in den ersten neun Monaten rechnet Europas größter Medienkonzern Bertelsmann für das Gesamtjahr mit einem Ergebnisplus von 20 Prozent. Das kündigte Vorstandschef Thomas Rabe am Dienstag an. 2012 erzielte Bertelsmann (RTL Group, Gruner + Jahr, Random House, Arvato, BMG) einen Umsatz von 16,1 Milliarden Euro und ein Ergebnis in Höhe von 619 Millionen Euro.

Schon in den ersten drei Quartalen 2013 stieg das Konzernergebnis um 19 Prozent auf 622 Millionen Euro. Damit wurde die Gesamtsumme des ganzen Vorjahres bereits übertroffen. Der Umsatz erhöhte sich leicht auf 11,45 Milliarden Euro. Zu der Entwicklung trug wie bisher vor allem die RTL Group bei, an der Bertelsmann 75,1 Prozent hält.

Europas größte werbungsfinanzierte Sendergruppe, die RTL Group, konnte trotz schwacher Werbemärkte den Gewinn steigern. Besonders durch RTL Deutschland sei das operative Ergebnis in den ersten neun Monaten um 6,4 Prozent auf 714 Millionen Euro gestiegen, sagte Geschäftsführerin Anke Schäferkordt. Es sei bislang ein „sehr solides Geschäftsjahr“ gewesen.

Der Nettogewinn der im MDax notierten Sendergruppe kletterte um 41,2 Prozent auf 535 Millionen Euro. Der Umsatz sank allerdings wegen schwächelnder Werbemärkte um 1,5 Prozent auf 4,048 Milliarden Euro. Das 3. Quartal sei traditionell das schwächste der Unternehmens. Hier sank der Umsatz um 2,1 Prozent auf 1,269 Milliarden Euro.

Die Geschäftsfelder von Bertelsmann

Bücher

Das Buchgeschäft ist die Keimzelle von Bertelsmann: Gründer Carl Bertelsmann erhielt 1835 die Konzession der preußischen Regierung zur Einrichtung einer Buchdruckerei. Unter dem Dach des Konzerns ist inzwischen die größte Publikumsverlagsgruppe der Welt entstanden: Zunächst unter dem Namen der US-Tochterfirma Random House, seit 2012 in einem Joint Venture mit Pearson, an dem die Gütersloher 53 Prozent halten. Penguin Random House heißt der Gigant mit seinen 11.800 Mitarbeitern.

Fernsehen

Die RTL Group betreibt 53 TV- und 28 Radiosender in neun Ländern Europas sowie Indien. Gerade in Deutschland ist das Unternehmen stark – mit den Stationen RTL, Vox, RTL II, Super RTL, RTL Nitro und n-tv. Bertelsmann hält 92,3 Prozent an der Sendergruppe.

Zeitschriften

Ob „Stern“, „Geo“ oder „Brigitte“: An europäischen Kiosken sind die Zeitschriften von Gruner + Jahr nicht zu übersehen. Bertelsmann hält seit den 70er Jahren die Mehrheit an den Verlag, Ende 2014 will der Medienkonzern die verbliebenen Anteile von der Jahr-Familie kaufen.

Dienstleistungen

Arvato ist die wohl vielseitigste Tochter von Bertelsmann: Die Dienstleistungssparte erstellt digitale Medien, ist im E-Commerce tätig, bietet aber auch zahlreiche Unternehmenslösungen für Kundenpflege, Produktionsplanung und Datenmanagement, außerdem IT-Services. Die Sparte hat mehr als 66.000 Mitarbeiter.

Druck

Bertelsmann gliederte die Druckaktivitäten 2012 in die Sparte Be Printers aus. Diese fertigt Zeitschriften, Kataloge, Prospekte, Bücher und Kalender. Zudem bietet sie Dienstleistungen an. Die Bertelsmann-Tochter betreibt Druckereien in Deutschland, Großbritannien, Italien und Spanien sowie den USA und Kolumbien und hat 6200 Mitarbeiter.

Musik

Musik gehörte lange zum Kerngeschäft von Bertelsmann. Allerdings verkaufte der Konzern 2006 seinen Musikverlag BMG, 2008 gab er auch seinen Anteil am Gemeinschaftsunternehmen Sony BMG ab und verabschiedete sich so aus dem Tonträgergeschäft. 2013 holten die Gütersloher die Musik vom Finanzinvestor KKR zurück in den Konzern. Das Geschäft gehört zum Bereich Corporate Investments, der alle übrigen operativen Aktivitäten von Bertelsmann umfasst.

Nach einem positiven Start ins besonders wichtige 4. Quartal rechnet Schäferkordt für das Gesamtjahr mit einem Geschäftsergebnis (EBITA) der RTL Group von mehr als einer Milliarde Euro (2012: 1,078 Milliarden Euro). Im 4. Quartal erwirtschaftet die RTL Group über 35 Prozent des operativen Jahresergebnisses.

Im Oktober hatte Rabe angekündigt, den Umsatz in den nächsten Jahren auf 20 Milliarden Euro zu steigern. Bertelsmann-Finanzvorstand Judith Hartmann sagte jetzt: „Wir sind finanziell in einer sehr guten Verfassung und können zur Umsetzung der Konzernstrategie in den nächsten Jahren mehrere Milliarden Euro investieren.“

Die Nettofinanzschulden stiegen um 208 Millionen auf 1,42 Milliarden Euro. Der Konzern investierte knapp 1,2 Milliarden Euro plus übernommene Finanzschulden von knapp 600 Millionen Euro (Vorjahreszeitraum: insgesamt 447 Millionen Euro). Dabei schlugen vor allem die Übernahme des Finanzdienstleisters Gothia sowie des Anteils des Investors KKR am Musikrechteunternehmen BMG zu Buche.

Getrübt wurde das Ergebnis der RTL Group vor allem durch Einbußen bei der Produktionstochter Freemantlemedia mit einen Umsatzrückgang von 13,7 Prozent im 3. Quartal (Januar bis September: minus 9,4 Prozent). Grund seien vor allem Wechselkurseffekte, sagte Schäferkordt. Im ersten Halbjahr habe es aber auch Produktionsrückgänge gegeben. So seien etwa die Telenovela „Wege zum Glück“ und die Vorabendshow von Thomas Gottschalk nicht verlängert worden. Der Anteil der Werbung am Gesamtumsatz lag bei 58 Prozent.

Von

dpa

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