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01.10.2013

11:56 Uhr

Medienkonzern

Springer übernimmt Fitness-App Runtastic

VonChristof Kerkmann

Der Axel-Springer-Verlag trimmt sich fürs Internet-Zeitalter: Er übernimmt das Start-up Runtastic, das sich mit Apps für Sportler einen Namen gemacht hat. Damit gewinnt das Digitalgeschäft des Konzerns weiter an Gewicht.

Jogger vor der Skyline von Frankfurt: Die Fitness-App Runtastic wurde millionenfach heruntergeladen. dpa

Jogger vor der Skyline von Frankfurt: Die Fitness-App Runtastic wurde millionenfach heruntergeladen.

DüsseldorfDer Medienkonzern Axel Springer AG investiert in Fitness-Apps: Das Unternehmen hinter „Bild“ und „Welt“ übernimmt die Mehrheit des österreichischen Start-ups Runtastic. Die vier Gründer des Unternehmens behalten eine Minderheitsbeteiligung und bleiben als Geschäftsführer an Bord. „Axel Springer sichert sich mit der Beteiligung eine strategisch gute Position im dynamisch wachsenden Markt der Smartphone-Apps“, erklärte Jens Müffelmann, der bei dem Medienkonzern den Geschäftsbereich Elektronische Medien leitet. Zur Kaufsumme äußerte sich Springer am Dienstag nicht.

Runtastic bietet Apps an, mit denen Nutzer ihre sportlichen Leistungen messen können – von Programmen, die Laufstrecke, Tempo und Puls überwachen, über einen Liegestütze-Trainer bis hin zu einem Ernährungsquiz. Mehr als 46 Millionen Anwendungen sind nach Unternehmensangaben bislang heruntergeladen worden, mehr als 19 Millionen Nutzer registriert. Außerdem verkauft das Unternehmen Sport- und Gesundheitsprodukte, beispielsweise Fitness-Uhren, Herzfrequenzmesser und Fahrradzubehör.

Das Digitalgeschäft von Springer

Alles aufs Internet

Die Wurzeln der Axel Springer AG liegen im Zeitungsgeschäft, doch Konzernchef Mathias Döpfner setzt voll auf das Internet. Er verkaufte die traditionsreichen Regionalzeitungen „Berliner Morgenpost“ und „Hamburger Abendblatt“ wie auch die TV-Zeitschrift „Hörzu“ an die Funke-Gruppe. Die Einnahmen will Döpfner ins Digitalgeschäft investieren. Schon jetzt ist der Konzern hier sehr aktiv – nicht nur mit seinen Medienmarken.

Digitaler Journalismus

„Bild“ und „Welt“ sind im deutschsprachigen Internet wichtige Adressen. Die Axel Springer AG bietet einen Teil der Inhalte kostenlos an, hofft aber, den Umsatz mit Bezahlschranken zu steigern. Bei der „Welt“ können Nutzer nur 20 Artikel im Monat kostenlos lesen – ab dem 21. Text müssen sie ein Abo abschließen. Die Online-„Bild“ setzt auf das Freemium-Modell: Ein großer Teil der Inhalte ist kostenlos, für bestimmte Geschichten müssen die Leser zahlen.

Rubrikenanzeigen

Rubrikenanzeigen wandern mehr und mehr ins Internet ab. Die Axel Springer AG will mit Portalen für Immobilien, Jobs und Autoverkäufe von diesem Trend profitieren. Zu den Tochterfirmen gehören beispielsweise Immonet, das Stellenportal Stepstone und das Städteportal meinestadt.de.

Digitale Werbeprospekte

Der Zeitung liegen oft gedruckte Werbeprospekte bei – mit der Tochterfirma Kaufda übertragt Springer das Konzept ins digitale Zeitalter. Nutzer können die Broschüren der Einzelhändler aus ihrer Stadt gebündelt aufrufen und durchsuchen.

Online-Werbung

Mit der Mehrheitsbeteiligung Zanox ist Springer im Online-Marketing aktiv. Der Dienstleister vermittelt über seine Plattform Werbung – Provisionen bekommt er, wenn ein Geschäft zustande kommt. Deswegen ist auch vom erfolgsbasierten Online-Marketing die Rede. Zanox ist nicht nur in Europa, sondern auch in den USA aktiv.

Preisvergleiche

Das Portal idealo.de vergleicht Preise und bündelt Testberichte und Nutzermeinungen zu Produkten. Aktiv ist es in etlichen europäischen Ländern sowie in den USA. Springer gehören 74,9 Prozent des Unternehmens.

Konkurrenz setzt auf Handel und Spiele

Auch andere Medienhäuser suchen nach neuen Einnahmequellen – und entfernen sich dabei noch weiter vom Stammgeschäft. Burda etwa setzt auf den Online-Handel, unter anderem mit Tierfutter. Die TV-Kette Prosieben Sat.1 investiert in Online-Spiele.

„Sportler zahlen gern für ihr Hobby“, sagte Mitgründer Florian Gschwandtner 2010 in einem Gespräch mit dem Handelsblatt. Diese Hoffnung hat sich erfüllt: Das Unternehmen ist nach Springer-Angaben profitabel und neben Runkeeper einer der international bekanntesten Anbieter von Sport-Apps. 2009 gegründet, hat es inzwischen 90 Mitarbeiter. Mit dem neuen Partner könne Runtastic die Vision umsetzen, „eine der international anerkanntesten und erfolgreichsten Fitnessmarken aufzubauen“, erklärte Mitgründer Florian Gschwandtner. Gemeinsam könne man Produktportfolio und Kundenbasis schneller ausbauen.

Der Axel-Springer-Verlag setzt massiv auf das Digitalgeschäft – nicht nur mit seinen Medienmarken. 2008 hatte er bereits die Mehrheit am Fußballportal Transfermarkt.de übernommen. Seit Anfang der Saison zeigt er über die digitalen Kanäle von „Bild“ die Highlights der 1. und 2. Bundesliga. Der Einstieg bei Runtastic ermögliche „Verbundeffekte“, erklärte Springer-Manager Müffelmann. Die App könne von der Reichweite und der inhaltlichen Kompetenz des Verlags profitieren.

Kommentare (1)

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01.10.2013, 13:16 Uhr

"Runtastic bietet Apps an, mit denen Nutzer ihre sportlichen Leistungen messen können – von Programmen, die Laufstrecke, Tempo und Puls überwachen, über einen Liegestütze-Trainer bis hin zu einem Ernährungsquiz."
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Heilig's Blechle! braucht man jetzt schon irgend welche Apps, um Sport treiben zu können? Früher hat man sich ein paar Sportschuhe und einen Trainingsanzug angezogen, mal kurz auf die Uhr geschaut und ist losgelaufen. Da nannte man das auch nicht Jogging, Power Walking oder Nordic Walking, sondern einfach Dauerlauf oder Waldlauf.
Auch die Zahl der Liegestütze kann ich durchaus noch mitzählen, auch dafür braucht's keine App, und Puls und Atmung hat jemand, der Sport treibt ohnehin im Gefühl.
Wie auch immer, manchmal ist weniger mehr und ich tapere ganz bestimmt nicht mit Smartphone und App durch die Gegend.

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