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08.08.2012

13:16 Uhr

Medienkonzern WWE

Millionengeschäft mit Muskelmännern

VonAlexander Möthe

Mit Wrestling lässt sich Geld verdienen. Branchenprimus WWE ist seit Jahren börsennotiert und dehnt sein Tätigkeitsfeld kontinuierlich aus. Lebendes Kapital sind Menschen, die im Ring auch ihre Gesundheit riskieren.

Superstars unter sich: Die Publikumslieblinge CM Punk (am Boden) und John Cena kämpften um den Titel. Punk behielt seinen Titel, jedoch nicht sonderlich sauber – und wird fortan wieder als Bösewicht inszeniert. © 2012 WWE, Inc. All Rights Reserved. WWE

Superstars unter sich: Die Publikumslieblinge CM Punk (am Boden) und John Cena kämpften um den Titel. Punk behielt seinen Titel, jedoch nicht sonderlich sauber – und wird fortan wieder als Bösewicht inszeniert. © 2012 WWE, Inc. All Rights Reserved.

Düsseldorf/StuttgartWrestling. Im englischen Sprachgebrauch heißt das prinzipiell „Ringen“. Freistil, griechisch-römisch, olympisch. In den USA werden diesem Begriff aber gerne die Worte „Amateur“ oder „Professional“ vorangestellt. Die Amateure, das sind Männer mit Blumenkohlohren, die sich vor Wettkämpfen durch Flüssigkeitsentzug und Fasten in niedrigere Gewichtsklassen quälen. Männer, die sich bei hammerharten Ausscheidungsturnieren um die einmalige Chance duellieren, ihr Land bei Olympischen Spielen zu repräsentieren.

Als Profis hingegen werden Entertainer bezeichnet, austrainierte Menschen in bunten Outfits, die jeden Abend im Ring ihren Hals riskieren – auch, wenn die Shows vorher bis ins Detail abgesprochen sind. Einschließlich Drehbuch. In Mexico heißt das „Lucha Libre“. In Deutschland wurde es als „Catchen“ bekannt. Die bevorzugte Umschreibung heutzutage lautet „Action-Seifenoper“. Und damit lässt sich durchaus Geld verdienen.

Vergangene Woche legte Branchenprimus WWE die Zahlen für das zweite Quartal 2012 vor. Der Unterhaltungskonzern ist seit 1999 an der Börse New York notiert und legt daher Bilanzen vor. Der Umsatz lag bei 141,6 Millionen Dollar, wovon letztlich ein Nettogewinn von 11,9 Millionen Dollar übrig blieb. So spektakulär die Shows oft sind, so nüchtern sieht WWE das Geschäft: „Wir haben wichtige Fortschritte bezüglich unserer Schlüsselstrategien gemacht“, kommentierte WWE-Chef Vincent McMahon die Ergebnisse.

Kleine Wrestling-Kunde

Abgesprochen?

Die Matches im modernen Wrestling sind ganz klar abgesprochen. Gerade die WWE macht daraus auch kein Geheimnis. Die Gegner improvisieren im Matchverlauf viel, was ein Qualitätsmerkmal des Einzelnen darstellt. Der Match-Ausgang kann jederzeit noch geändert werden, z.B. wenn sich einer der Wrestler verletzt.

Mitspracherecht

Das immer der „Gute“ gewinnt, stimmt übrigens nicht. Superstars mit entsprechendem Standing haben ein Mitspracherecht, grundsätzlich entscheidet das Kreativteam über Handlungsverläufe.

Gut und ...

In der Fachsprache „Face“ und „Heel“. Klassische Beispiele waren Wrestler, die als US-Patrioten gegen angeblich sowjetische Sportler antreten mussten. Heute funktioniert das etwas subtiler: Face-Wrestler müssen keine Saubermänner oder Helden sein, es entscheidet die Publikumsgunst.

...Böse

Heel-Wrestler zeichnen sich aber meist durch unfaire Aktionen und Beschimpfungen aus. Die meisten Stars nehmen in ihrer Karriere mal die eine, mal die andere Rolle ein.

Der Ring

In der WWE rechteckig, in anderen Ligen auch achteckig. Die Ringecken sind gepolstert, die drei Ringseile aus Stahl, aber nachfedernd. Der Ringboden federt ebenfalls bei jeder Aktion nach und ermöglicht das sichere Fallen, aber auch besseres Springen.

Match-Ende

Der Gegner wird mit den Schultern auf dem Boden gehalten, bis der Ringrichter bis drei gezählt hat, der sogenannte Pinfall. Damit ist das Match beendet. Alternativ endet ein Match durch Abklopfen in einem Aufgabegriff oder spezielle Bedingungen (z.B. Gegner über das oberste Ringseil werfen). Darüber hinaus gibt es die Disqualifikation, die auch gerne als kreatives Element genutzt wird.

Gimmick

Die Rolle, die ein Wrestler einnimmt, einschließlich Charaktereigenschaften, Outfits und Verhalten im Ring. Wird nicht immer vom Wrestler selbst entwickelt, die Produzenten und Kreativen passen die Rollen an ihre Geschichten an. Manchmal werden Gimmicks auch an andere Wrestler weitergereicht. Nicht selten scheitern Wrestler am falschen Gimmick.

Champions

Wie beim Boxen gibt es in Wrestling-Ligen in der Regel verschiedene Titel zu gewinnen. Der momentan stärkste Wrestler ist meist „World“ oder „Heavyweight“ Champion. Darunter gibt es meist weniger bedeutende Titel, die für unbekanntere Wrestler als Sprungbrett dienen.

Programme

Meist wird auch zwischen „Main Event“, „Upper Card“, Midcard“ und „Undercard“ unterschieden. Die Begriffe sind von der Position auf den Programmankündigungen abgeleitet. Die „Main Eventer“ bestreiten die Haupt-Matches am Ende der Show und kämpfen um die großen Titel.

Gemeint sind damit der Ausbau von angebotenen Inhalten und Vertrieb sowie die Stärkung der Marke WWE – ebenso nüchtern betrachtet. Tatsächlich spielt McMahon damit auf die Ausweitung des Internet-Angebots und die Verlängerung der Live-Sendung „Raw“ von zwei auf drei Stunden an. Gerade die Präsenz im Web darf nicht unterschätzt werden, da die Pay-TV-Angebote von mehr oder minder legalen Seiten als Stream angeboten werden. Von denen sieht die WWE nicht einen Cent.

Der Jahresumsatz 2011 betrug 483 Millionen Dollar, der Gesamtgewinn landete letztlich bei 37 Millionen Dollar. Für ein weltweit operierendes Unternehmen mit rund 580 Mitarbeitern sind die Zahlen zwar nicht imposant; manch deutscher Mittelständler hält da locker mit.

Das ist weder dramatisch schlecht noch außerordentlich gut, es ist solide. Mancher möchte vielleicht angesichts dessen, wie die WWE ihr Geld verdient sagen: langweilig. Doch die Art, wie das Einkommen zustande kommt, ist  spektakulär.

Das Kerngeschäft ist die eingangs erwähnte „Action-Seifenoper“. Das Prinzip ist einfach: Zwei Männer (oder Frauen) treten in einem einstudierten Show-Match gegeneinander an, meist Publikumsliebling gegen Bösewicht – grob vereinfacht ausgedrückt. Eingerahmt werden die Matches von Schauspielsegmenten, in der Handlungen vorangetrieben und die „Gimmicks“, die fiktiven Charaktere der „Superstars“ genannten Entertainer, ausgearbeitet werden.

Kommentare (2)

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black

08.08.2012, 16:16 Uhr

sich derartiges anzusehen ist mir genauso schleierhaft wie Vorabendserien und allgemeiner TV-Müll...

Ago

08.08.2012, 17:36 Uhr

Guter Artikel. Von dem Inhalt mag man halten was man will es bleibt ein interessantes Phänomen. Genauso wie die Tatsache, dass die WWE nicht nur in den USA einen YouTube Channel betreibt sondern auch eigene lokale Webseiten in den Kernmärkten. Die WWE ist auch im Bereich Social Media ein globaler Vorreiter. Hier ein paar weiterführende Links.

http://de.wwe.com
http://www.facebook.com/WWE.DE

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