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14.08.2015

14:32 Uhr

Medienmacher

Angriff auf die „Millennials“

VonKai-Hinrich Renner

Bild.de umgarnt junge Zielgruppen. „Tempo“ kommt nochmal an den Kiosk. Ein Bundesrichter schlichtet bei Funke. Und ein klecksförmiges Maskottchen wird Pate einer Kinderzeitung.

Der Handelsblatt-Medienexperte mit Sitz in Hamburg berichtet in seiner Kolumne über die neuesten Rochaden im Mediengeschäft.

Kai-Hinrich Renner

Der Handelsblatt-Medienexperte mit Sitz in Hamburg berichtet in seiner Kolumne über die neuesten Rochaden im Mediengeschäft.

HamburgBild.de will jüngere Zielgruppen an sich binden und arbeitet deshalb seit etwa vier Wochen an einem neuen Angebot für 17- bis 25-Jährige. Verantwortet wird das Vorhaben von dem bei „Bild“ für digitale Entwicklungsprojekte zuständigen Chefredakteur Manfred Hart. Er entwickelt es gemeinsam mit Schülern der Axel-Springer-Journalistenschule. Wie Bild.de-Chefredakteur Julian Reichelt auf Anfrage sagt, könnte das Angebot, dessen Zielgruppe er „Millennials“ nennt, bereits Anfang September freigeschaltet werden. Es handele dabei nicht um ein eigenes Portal, sondern um ein neues Ressort von Bild.de.

Klassische Ressortstrukturen soll es aber nicht geben. Der Umgang miteinander sei bei dem Projekt ähnlich zwanglos wie in einer Kommune. Hart sei eher Mentor als Ressortleiter. Einen Titel gebe es noch nicht. Derzeit seien drei verschiedene Begriffe in der Diskussion.

Für Reichelt ist an dem Projekt besonders wichtig, dass es gezielt für mobile Medien entwickelt wird. Die „Millennials“ würden sich nämlich so gut wie gar nicht mehr über das stationäre Internet informieren. Das mache sich auch schon jetzt bei Bild.de bemerkbar. Mehr als 50 Prozent der Klicks kämen bereits heute von mobilen Geräten. Zudem wolle man in dem neuen Ressort Geschichten anders erzählen als sonst auf Bild.de. Beispielsweise könne man bei einer Story über Bastian Schweinsteiger intensiver auf dessen Kopfhörer und Schuhe eingehen. Generell gelte, dass man Nachrichten so präsentieren wolle, dass die junge Zielgruppe Lust bekomme, sie auf sozialen Netzwerken wie Facebook zu teilen. Zunächst sollen die Inhalte des neuen Angebots gratis sein. Mittelfristig strebt Reichelt an, dass – wie jetzt schon generell bei Bild.de – 25 bis 30 Prozent der Stücke kostenpflichtig sind.

Wie wichtig Springer das Projekt ist, zeigt auch, dass dafür der Lehrplan der hauseigenen Journalistenschule geändert wurde. Bisher sieht er vor, dass die Schüler vier Monate bei „Welt Kompakt“ und zwei Monate bei „Bild“ verbringen, wo sie bislang auf alle möglichen Ressorts verteilt wurden. Ab sofort bleiben die Journalistenschüler nur noch drei Monate bei „Welt Kompakt“. Die Ausbildungszeit bei „Bild“ wurde dagegen um einen Monat verlängert. In der Regel sollen die Schüler sie ausschließlich in dem neuen Bild.de-Ressort von Hart verbringen.
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Das Magazin war ein echter Hingucker: 2006 erschien auf Hochglanzpapier und in Katalogstärke für eine Ausgabe noch einmal das Zeitgeist-Blatt „Tempo“. Der Zeitpunkt war mit Bedacht gewählt. 20 Jahre nach Erscheinen der ersten Ausgabe des Titels 1986 und zehn Jahre nach dessen Einstellung 1996 lag die Zeitschrift am Kiosk. Für den zur Hamburger Ganske Gruppe gehörenden Jahreszeiten Verlag war zudem noch ein anderer Aspekt wichtig: Zeitschriftentitel lassen sich nur dann schützen, wenn mindestens alle zehn Jahre ein Magazin unter ihrem Namen erscheint.

Im kommenden Jahr würde, sollte nicht abermals eine „Tempo“-Ausgabe herauskommen, der Titelschutz auslaufen. Das wird aber nicht geschehen. Wie ein Verlagssprecher auf Anfrage mitteilt, ist geplant, dass „Tempo“ auch 2016 erscheint. In welcher Form sei aber vollkommen offen. Hinter vorgehaltener Hand heißt es in der Ganske Gruppe jedoch, dass einige Eckdaten sehr wohl schon feststehen. So werde die neue Jubiläumsausgabe voraussichtlich im Herbst 2016 herauskommen. Produzieren soll sie „Tempo“-Gründungschefredakteur Markus Peichl, der bereits für die Jubiläumsausgabe von 2006 verantwortlich war. Die Produktion soll ähnlich aufwendig wie damals sein. „Alles andere würde der Marke ,Tempo‘ schaden“, sagt ein Manager der Ganske-Gruppe.
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