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17.07.2015

14:43 Uhr

Medienmacher

Auf der Suche nach neuer Harmonie

VonKai-Hinrich Renner

Die Funke Mediengruppe will zentralisieren. Zeitungen, die im Berliner Format erscheinen, haben es in Berlin schwer. Das deutsche „L’Officiel“ wird eine Familienangelegenheit. Und Olaf Scholz ehrt Gruner + Jahr.

Der Handelsblatt-Medienexperte mit Sitz in Hamburg berichtet in seiner Kolumne über die neuesten Rochaden im Mediengeschäft.

Kai-Hinrich Renner

Der Handelsblatt-Medienexperte mit Sitz in Hamburg berichtet in seiner Kolumne über die neuesten Rochaden im Mediengeschäft.

HamburgDas Streben nach Harmonie wird bei der Essener Funke Mediengruppe („WAZ“, „Hamburger Abendblatt“) neuerdings mit allergrößter Systematik betrieben. Etwa seit Frühjahr gibt es dort ein sogenanntes Harmonisierungsprojekt. Ziel des Vorhabens ist es, Unternehmensbereiche der verschiedenen Konzerntöchter zu zentralisieren, wo immer dies sinnvoll und möglich ist. Ausdrücklich ausgenommen davon sind die Redaktionen. In Verlagskreisen ist vielmehr von Einheiten wie dem nationalen Anzeigenverkauf, der Lohnbuchhaltung oder der Personalabteilung die Rede, die an den unterschiedlichen Konzernstandorten mitunter ein recht munteres Eigenleben führen.

Anlass, das Projekt aufzusetzen, war offenbar die Übernahme des „Hamburger Abendblatts“, der „Berliner Morgenpost“ sowie mehrerer Zeitschriften des Medienhauses Axel Springer im vergangenen Jahr. Allerdings geht der nun gestartete Prozess weit über die Integration der Springer-Blätter hinaus. „Funke ist in den letzten Jahrzehnten mehr gewuchert als gewachsen“, sagt eine Funke-Führungskraft. Nach Übernahmen – seien es die Zeitschriften der Gong-Gruppe, die thüringischen Zeitungen oder die „Braunschweiger Zeitung“ – habe man es versäumt die Strukturen anzupassen.

Das soll nun nachgeholt werden. Dabei geht den Westdeutschen der Hamburger Berater Fred Hogrefe zur Hand. Bevor er sich 2006 selbständig machte, stand Hogrefe fast 20 Jahre in Diensten des Bauer Verlags („Bravo“, „TV Movie“), zuletzt als Leiter des Bereichs Marketingservices & Systems der Vermarktungstochter Bauer Media. In dieser Eigenschaft dürfte er auch mit dem damaligen Bauer-Geschäftsleiter Manfred Braun zu tun gehabt haben, der heute Funke-Geschäftsführer ist. Die Vermutung liegt nahe, dass Braun Hogrefe für das Harmonisierungsprojekt angeheuert hat.

Wann das Projekt beendet sein wird, ist offen. Es handele sich um einen Open-End-Prozess, heißt es in Verlagskreisen. Allerdings werde schon damit gerechnet, dass erste Ergebnisse im kommenden Jahr vorliegen. Jedem bei Funke ist bewusst, dass am Ende des Harmonisierungsprojekts der Abbau von Arbeitsplätzen stehen wird. Derzeit hat Funke gut 6000 Mitarbeiter. Wie viele Stellen der geplanten Zentralisierung zum Opfer fallen werden, ist unklar. Angeblich gibt es keine Vorgaben über die Summe, die durch das Projekt eingespart werden soll. Offiziell mag man sich bei Funke nicht zu der Causa äußern.
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Das Fußballfachblatt „Kicker“ und die links-alternative „Taz“ stehen in Berlin vor ein- dem denselben Problem: Zum Jahresende schließt die Druckerei Henke Pressedruck, in der Teilauflagen beider Blätter gedruckt werden für immer ihre Pforten. Wie es in Berliner Medienkreisen heißt, hat die Druckerei den Verlust der Anzeigenblätter der Berliner Wochenblatt Verlag GmbH, die bis Mai vergangenen Jahres Axel Springer gehörten und nun im Besitz der Funke Mediengruppe sind, nie verkraftet. Die Blätter werden jetzt von Springers Druckerei in Spandau gedruckt.

Bisher lässt der „Kicker“ 12 bis 13 Prozent seiner Gesamtauflage bei Henke drucken. Bei der „Taz“ ist es gar ein Viertel der Gesamtauflage. Beide Titel erscheinen im Berliner Format und tun sich deshalb ausgesprochen schwer damit, Ersatz für ihre bisherige Druckerei zu finden. Offenbar ist Henke die letzte Druckerei in der Hauptstadt, die Blätter dieses Formats druckt. Theoretisch möglich wäre es, „Kicker“ und „Taz“ künftig im Rheinischen Format zu drucken und anschließend beschneiden zu lassen. Ein solches Verfahren wäre in der Druckerei der „Berliner Zeitung“ möglich, die dem Kölner Zeitungshaus M. DuMont Schauberg gehört. Doch „Taz“-Geschäftsführer Karl-Heinz Ruch schließt eine solche Lösung aus. Auch für den „Kicker“ käme dies nicht in Frage.

So läuft nun alles auf Druckereien im weiteren Umland von Berlin hinaus. Ruch spricht von drei Optionen, die man habe. Konkreter will er nicht werden. Beim „Kicker“ hält man sich bezüglich des neuen Druckstandortes gänzlich bedeckt.
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