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27.11.2015

15:26 Uhr

Medienmacher

„Bild“ in neuem Gewand

VonKai-Hinrich Renner

Bei Axel Springer erhält die Cashcow „Bild“ einen neuen Look. Bei Funke zieht ein Betriebsrat vor den Kadi. Bei Sky sucht man eine neue Bleibe. Und beim „Spiegel“ warten alle gespannt auf Montag.

Der Handelsblatt-Medienexperte mit Sitz in Hamburg berichtet in seiner Kolumne über die neuesten Rochaden im Mediengeschäft.

Kai-Hinrich Renner

Der Handelsblatt-Medienexperte mit Sitz in Hamburg berichtet in seiner Kolumne über die neuesten Rochaden im Mediengeschäft.

HamburgSeit Mitte des Monats hat Bild.de einen optisch runderneuerten Auftritt. Mit der Überarbeitung des Online-Angebots des Boulevardblatts sind die Modernisierungsmaßnahmen in Axel Springers roter Gruppe allerdings noch längst nicht abgeschlossen. Wie es in Verlagskreisen heißt, soll die gedruckte „Bild“ ebenfalls einem Relaunch unterzogen werden. Bereits bei der Vorstellung der neuen Optik von Bild.de hatte die Artdirectorin des Boulevardblatts Veronika Illmer angekündigt, die neue Schrift des Online-Portals auch in der Printausgabe verwenden zu wollen: „Die Gotham werden wir in naher Zukunft auch in der Zeitung einsetzen“, sagte sie.

Mit einer typografischen Veränderung wird es aber nicht getan sein. Insider berichten, die unter hohen Auflagenverlusten leidende Boulevardzeitung bekomme eine komplett neue Optik. Eine Unternehmenssprecherin dementiert das nicht. Im Gegenteil: „Nach den Weiterentwicklungen bei Bild.de ist es im Sinne eines einheitlichen Markenauftritts nur konsequent, auch die Gestaltung in Print anzupassen“, sagt sie. „Konkrete Details sind aktuell nicht spruchreif.“ Der Nachsatz lässt aufhorchen. Wenn bis zur Präsentation des neuen Looks noch etwas Zeit vergeht, könnte es gut sein, dass die neu gestaltete „Bild“ ist in der Amtszeit von Tanit Koch erscheint. Sie löst am 1. Januar „Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann ab. Womöglich ist der Relaunch des Blattes die erste wegweisende Maßnahme, die Koch in der neuen Position zu verantworten hat.

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Der Harmonisierungsprozess der Essener Funke Mediengruppe („WAZ“, „Berliner Morgenpost“), mit dem Abläufe innerhalb des Konzerns besser koordiniert werden sollen, der aber auch mit einem Personalabbau verbunden ist, sorgt in der Belegschaft des Medienhauses nach wie vor für Unruhe. Erst kürzlich hatte sich der Betriebsrat des „Hamburger Abendblatts“ in einem Schreiben an die Mitarbeiter über mangelnde Mitsprachemöglichkeiten beklagt. Der Betriebsrat der ebenfalls zu Funke gehörenden „Braunschweiger Zeitung“ geht nun noch einen Schritt weiter: Er will eine einstweilige Verfügung gegen die Westdeutschen erwirken, weil sie die Mitbestimmungsrechte der Arbeitnehmervertretung im Zusammenhang mit dem Harmonisierungsprozess missachtet hätten.

Im Funke-Reich nimmt die von dem sehr selbstbewussten Geschäftsführer Harald Wahls verantwortete „Braunschweiger Zeitung“ eine Ausnahmestellung ein. Der Zeitungsmanager führt das Blatt weitgehend unabhängig von der Essener Konzernzentrale. Allerdings wechselt Wahls zum Jahresende an die Spitze von Media Impact, dem Vermarktungs-Joint-Venture von Funke und Axel Springer. Dass sein Abgang mit dem Harmonisierungsprozess zusammenfällt, der letztendlich mehr Zentralisierung bedeutet, mag Zufall sein. Allerdings fürchtet nun mancher in Braunschweig um seine Unabhängigkeit. Dabei gilt Wahls keineswegs als großer Arbeitnehmerfreund, sondern eher als Gewerkschaftsfresser. Bei Funke mochte sich offiziell niemand zu dem Vorgang äußern. Der Betriebsrat der „Braunschweiger Zeitung“ war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

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Kommentare (4)

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Lothar dM

27.11.2015, 15:47 Uhr

Die Medienbranche in Deutschland: verkrustet, wenig innovativ, zu unkritisch und undistanziert zur Regierungspolitik, zusammenfassend: verzichtbar!

Denn es gibt ja noch reichlich andere Medien und Informationsquellen, zB im Ausland, in Blogs, und es werden täglich mehr.

Aber vor allem stellt sich die Frage nach der Sinnhaftigkeit und Höhe der GEZ, der Zwangsfinanzierung des Staatsfunks!

Herr Ingo Tietz

27.11.2015, 16:05 Uhr

Das Internet dient viellerorts nur noch zum Konsumaufruf und zur Werbeübermittlung.
So wie bei Orwell „kauft und konsumiert“, nur subtiler über den PC-Monitor.
Ich selbst überlege, den digitalen Hype und diesen ganzen zeitvernichtenden digitalen Medienmüll endgültig zu beenden und meinen privaten Internetanschluss zu kündigen.
Zwei Wochen ohne die täglich negativen und tendenziös einseitig dargestellten Nachrichten hat mir richtig gut getan. Freue mich auch in jedem neuen Quartal über weiter rückläufige Druckerzeugnisse und sinkende Abonnementtzahlen der großen Medienverlage. Somit wird auch in den Redaktionen die Krise von Arbeitsplatzabbau, sozialem Abstieg und Arbeitslosigkeit selbst bald real erlebbar.
Vielleicht sollte ich dies zu einem Dauerzustand machen, diesem ganzen Dreck zukünftig den Rücken zu kehren und mich von dieser Pest der Negativität fernhalten.
Meine Psyche wird es mir sicher danken.

Herr Ingo Tietz

27.11.2015, 16:34 Uhr

Gerade die BILD hat extreme Verluste zu beklagen.
3. Quartal 2015 (nur Abo+EV)
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Aber nicht nur dem Springer Konzern geht es so, sondern viele andere große Verlage verlieren dauerhaft immer mehr Leser und Abonnementen.
(Quelle: http://meedia.de/2015/10/20/ivw-blitz-analyse-auflagen-verluste-der-magazine-dramatischer-denn-je-nur-sieben-gewinner-in-der-top-50/)
Ich bin gespannt, wann die ersten großen Verlage bei ihren Ausgaben in Schwierigkeiten kommen werden. Das Handelsblatt hat gerade mal 120.000 Leser, die das Printprodukt nachfragen und einen leichten Zuwachs von 3 %, Alle anderen tiefrote Verluste. Vielleicjht auch ein Grund dafür, dass hier in den Kommentarfunktionen nicht gesperrt wird. Spiegel & Co. halten dies ja gerade bei Flüchtlingsthemen anders.

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