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13.11.2015

13:59 Uhr

Medienmacher

Blome kommt, Anda geht

VonKai-Hinrich Renner

Ein verlorener Sohn kehrt zur „Bild“ zurück. Dicke Luft beim „Hamburger Abendblatt“. Bertelsmann streitet mit Ex-Partner weiter um die Zukunft der Buchklubs. Und die „Welt am Sonntag“ wird umgebaut.

Der Journalist kehrt zur „Bild“-Zeitung zurück. dpa

Nikolaus Blome

Der Journalist kehrt zur „Bild“-Zeitung zurück.

HamburgEtwas ruhig ist es um Nikolaus Blome geworden. Der Journalist, der einst Mitglied der Chefredaktionen von „Bild“ und „Spiegel“ war, tritt nach wie vor wöchentlich in der Talkshow „Augstein und Blome“ beim Nischensender Phoenix auf, in der er sich mit dem Verleger Jakob Augstein kabbelt. Außerdem schreibt er ab und an für die Europa-Ausgabe des Polit-Portals „Politico“, das die amerikanische Politico LLC gemeinsam mit dem Berliner Medienhaus Axel Springer betreibt. Das war es dann aber auch schon. Vorbei sind die Zeiten, da Blome Stammgast auf der ganz großen TV-Bühne war etwa bei Günther Jauch oder bei Sandra Maischberger.

Diese eher beschauliche Phase in der Karriere des 52-Jährigen nähert sich jedoch ihrem Ende. Blome kehrt zur „Bild“-Zeitung zurück, wo er bis Oktober 2013 stellvertretender Chefredakteur, Leiter des Hauptstadtbüros und Wirtschaftsressortleiter war. Danach holte ihn der damalige „Spiegel“-Chef Wolfgang Büchner zum Hamburger Nachrichtenmagazin, wo er ebenfalls Leiter des Hauptstadtbüros und eigentlich auch stellvertretender Chefredakteur werden sollte.

Der Handelsblatt-Medienexperte mit Sitz in Hamburg berichtet in seiner Kolumne über die neuesten Rochaden im Mediengeschäft.

Kai-Hinrich Renner

Der Handelsblatt-Medienexperte mit Sitz in Hamburg berichtet in seiner Kolumne über die neuesten Rochaden im Mediengeschäft.

Letztere Position hat Blome beim „Spiegel“ aber nie bekleidet. Seine Berufung zum „Spiegel“-Vizechef scheiterte am Widerstand der Spiegel Mitarbeiter KG, dem Hauptgesellschafter des Blattes. So durfte sich Blome nur mit dem Titel „Mitglied der Chefredaktion“ schmücken. Der konservative Journalist blieb in der Redaktion hoch umstritten. Kein halbes Jahr nachdem sein Förderer Büchner den „Spiegel“ verlassen hatte, ging im Mai auch Blome.

Nun kehrt er an seine ehemalige Wirkungsstätte zurück. In Verlagskreisen heißt es, er solle bei „Bild“ Politikchef und stellvertretender Chefredakteur werden. Geholt haben soll Blome der scheidende „Bild“-Chef Kai Diekmann. Der bisherige „Bild“-Politikchef, Gerhard Schröders früherer Regierungssprecher Bela Anda, verlässt offenbar das Blatt. Ihn soll es in die Wirtschaft ziehen. Anda war bereits von 2006 bis 2012 Chef der Unternehmenskommunikation des Finanzdienstleisters AWD.
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Zwischen dem Betriebsrat des „Hamburger Abendblatts“ und der Funke Mediengruppe, der die Zeitung gehört, hängt der Haussegen schief. Die Arbeitnehmervertretung fühlt sich vom Essener Medienhaus schlecht bis gar nicht über das derzeit laufende Harmonisierungsprojekt informiert, von dem im Juli an dieser Stelle zu lesen war. Dabei geht es darum, Unternehmensbereiche der verschiedenen Konzerntöchter zu zentralisieren, wo immer dies sinnvoll und möglich ist. 

„Der Umbau der Funke-Medien-Gruppe ist in vollem Gange und wir Mitarbeiter stehen staunend daneben, ohne zu wissen, was da passiert“, heißt es nun in einem Schreiben des Betriebsrats an die „lieben Kollegen“. Die Befürchtungen der Betriebsräte sind vielfältig: Es geht um die Arbeitsplätze und die Einkommen der Mitarbeiter: „Die juristische Organisation der Standorte in diversen GmbHs“ erleichtere „den Personalabbau bei den "Indianern"“ und vermeide „Tariflöhne“, heißt es in dem Schreiben.

Die Zerschlagung bewährter Strukturen wird ebenso befürchtet („Es drängt sich der Eindruck auf, dass die "Abendblatt-Familie" für die Chefs ausgedient hat“) wie der Wegfall jeglicher Planungssicherheit für die Mitarbeiter („Unklar ist, ob das, was in den freiwilligen Leistungen gerade für das "Hamburger Abendblatt" ausgehandelt wurde, auch morgen noch gilt, wenn die Kollegen plötzlich für neue GmbHs arbeiten. Ob die Kollegen garantiert am Standort bleiben können oder damit rechnen müssen, irgendwann nach Essen zum Stammsitz ihrer GmbH gerufen zu werden. Unklar ist auch, wann das alles mal ein Ende hat.)

Zudem bezweifelt der Betriebsrat, dass die Redaktionen, wie von der Unternehmensspitze zugesagt, von dem Konzernabbau verschont werden, der sich lediglich auf die Geschäftsfelder Vertrieb, Vermarktung, Herstellung und Services erstrecken soll. Laut Arbeitnehmervertretung ist auch das Geschäftsfeld Content betroffen, womit die Redaktionen gemeint sind. Das wird von einem Funke-Sprecher bestritten. Er sagt auch, dass es im Sommer und im Herbst Informationsrunden der Projektleitung mit dem Betriebsrat gegeben habe. Zudem laufe derzeit der „betriebsverfassungsrechtliche Informationsprozess“.
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