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24.01.2015

14:04 Uhr

Medienmacher

Degeto verklagt den einstigen Chef

VonKai-Hinrich Renner

In seiner Kolumne „Medienmacher“ verrät unser Korrespondent Kai-Hinrich Renner, was die Branche bewegt. Diese Woche: Eine Personalie, die im WDR für Unruhe sorgt – und die Chefrochade beim Spiegel.

Der Handelsblatt-Medienexperte mit Sitz in Hamburg berichtet in seiner Kolumne über die neuesten Rochaden im Mediengeschäft.

Kai-Hinrich Renner

Der Handelsblatt-Medienexperte mit Sitz in Hamburg berichtet in seiner Kolumne über die neuesten Rochaden im Mediengeschäft.

Mit Schrecken erinnert man sich im Ersten an Hans-Wolfgang Jurgan. Der TV-Manager war bis 2012 Chef der ARD-Filmeinkaufstochter Degeto. In dieser Eigenschaft war er nicht nur für die berüchtigte „Süßstoffoffensive“ verantwortlich, die dem Sender jede Menge belanglose Herz-Schmerz-Ware à la „Das Traumhotel“ bescherte. Jurgan führte seinen Laden auch nach Gutsherrenart. Kurz vor seiner Absetzung kam heraus, dass er den Degeto-Etat für zwei Jahre im Voraus ausgereizt hatte. Zudem nahm er es mit der Rechnungsstellung nicht so genau. Weil in seiner Amtszeit Degeto-Rechnungen steuerlich nicht korrekt ausgestellt waren, unter anderem wurde schon mal die Umsatzsteuer nicht ausgewiesen, musste die Firma dem Finanzamt nach Jurgans Abgang etwa drei Millionen Euro nachzahlen.

Zu Beginn des Jahres flatterte dem in Frankfurt ansässigen Unternehmen auch noch ein Bußgeldbescheid in Höhe von 80.000 Euro ins Haus. Das Geld will sich die Degeto nun von ihrem früheren Geschäftsführer zurückholen. Unter dem Aktenzeichen 3-09 O 39/13 ist beim Landgericht Frankfurt eine Schadensersatzklage der Hessen gegen ihren einstigen Chef anhängig. Sollte Jurgan den Rechtsstreit verlieren, muss er aber kaum fürchten, als armer Mann zu enden. Er dürfte, wie bei Managern seines Kalibers üblich, eine Versicherung abgeschlossen haben, die für Schäden wie seinen Steuer-Fauxpas aufkommt.

Eine von seinem Intendanten veranlasste Personalie sorgt im WDR für Aufsehen. Tom Buhrow möchte, dass der Leiter seiner Intendanz Rüdiger Paulert – ein enger Buddy des Senderchefs -voraussichtlich zum 1. April auch die Verantwortung der Hauptabteilung Kommunikation, Forschung und Service übernimmt. Das Vorhaben dürfte auf der Verwaltungsratssitzung des Senders am 6. Februar durchgewinkt werden. Allerdings gibt es da ein Problem: Für die bisherige Leiterin der Hauptabteilung Claudia Schmidt hat Buhrow keine Anschlussverwendung.

Das Angebot des Intendanten sich bei gleichem Gehalt künftig ausschließlich auf die Medienforschung zu konzentrieren, soll sie abgelehnt haben. Angeblich hat Buhrow daraufhin erwogen, die Dame unter Zahlung ihrer Bezüge in den vorzeitigen Ruhestand zu schicken. Diese nicht eben gebührenschonende Variante soll der Senderchef, der ansonsten einen beinharten Sparkurs fährt, aber wieder verworfen haben.

Nun soll, wie es in Senderkreisen heißt, Schmidt Paulert bis Ende des Jahres einarbeiten und danach im Rahmen einer Vorruhestandsregelung den Sender verlassen. Was diese für außertariflich bezahlte Führungskräfte eher unübliche Lösung den WDR kostet, ist unklar. Der Sender hüllt sich zu der gesamten Causa in Schweigen. Es handele sich um „unternehmensinterne Fragen“, zu denen man sich „nicht äußern“ wolle, sagt ein Sendersprecher.

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