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05.06.2015

16:12 Uhr

Medienmacher

Der „Kultur Spiegel“ soll ins Netz

VonKai-Hinrich Renner

Der geplante Umbau des Supplements „Kultur Spiegel“ ist dem Nachrichtenmagazin und seinem Chefredakteur Klaus Brinkbäumer offenbar noch viel wichtiger als bisher bekannt. Vor seinem Tod hat Verleger Alfred Neven DuMont seine Anteile an seinem Verlag erhöht. Und die dpa mag nicht mehr mit den Gewerkschaften reden.

Der Handelsblatt-Medienexperte mit Sitz in Hamburg berichtet in seiner Kolumne über die neuesten Rochaden im Mediengeschäft.

Kai-Hinrich Renner

Der Handelsblatt-Medienexperte mit Sitz in Hamburg berichtet in seiner Kolumne über die neuesten Rochaden im Mediengeschäft.

HamburgDie Neupositionierung „Kultur Spiegel“ gilt intern als „Zukunftsprojekt“. So ist geplant, das Supplement als „digitalen Kulturkalender“ ins Netz zu verlängern. Wohl auch deshalb wird der bisherige stellvertretende Spiegel Online-Kulturchef Sebastian Hammelehle voraussichtlich zum 15. Juni als Vizeressortleiter ins Kulturressort des gedruckten „Spiegel“ wechseln.

Hammelehle soll sich in seiner neuen Funktion auch intensiv mit dem „Kultur Spiegel“ beschäftigen. Das wird auch Volker Wiedermann tun. Der Reporter im „Spiegel“-Kulturressort kam erst kürzlich von der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“, deren Feuilletonchef er war. Er und Hammlehle könnten – eventuell zusammen mit einem weiteren Kollegen – die Ausgaben des neuen „Kultur Spiegel“ abwechselnd verantworten. Entschieden ist allerdings  noch nichts.

Literaturexperte Weidermann, der auch Gastgeber des vom ZDF neu aufgelegten „Literarischen Quartetts“ werden soll, gilt auch deshalb als Idealbesetzung für den neuen „Kultur Spiegel“, da die Beilage in ersten Überlegungen als reines Literatursupplement angedacht war.

Diese Überlegungen stehen zwar nach wie vor im Raum. Wahrscheinlicher ist aber, dass sich der neue „Kultur Spiegel“ – auch aus Rücksicht auf Anzeigenkunden, die nicht aus der Buchbranche kommen – als Rezensionsmagazin ebenso mit Film, Kunst und Musik beschäftigen wird. Literatur soll aber in jedem Fall das zentrale Thema der Beilage sein. Spätestens im September soll der neue „Kultur Spiegel“ als Special zur Frankfurter Buchmesse erscheinen. Noch wurde das Projekt nicht von den Gesellschaftern verabschiedet. Deren Zustimmung gilt aber entgegen anderslautenden Meldungen als sicher.

Seit seiner Gründung vor 20 Jahren durch den damaligen „Spiegel“-Ressortleiter Hans-Dieter Degler ist der „Kultur Spiegel“ intern umstritten. Er führt ein Eigenleben neben dem ganz normalen Kulturteil des Nachrichtenmagazins. Zudem ist er defizitär. Zunächst erhielten nur „Spiegel“-Abonnenten das Supplement. Seine Verluste galten als Ausgaben für Abo-Werbung. Seit 2008 liegt es der gesamten Inlandsauflage des Nachrichtenmagazins bei. Dank der erhöhten Reichweite stieg das Anzeigenaufkommen, was den „Kultur Spiegel“ für kurze Zeit aus der Verlustzone brachte. Längst schreibt er aber wieder rote Zahlen.

Dennoch scheiterten in der Vergangenheit Reformbemühungen bereits im Ansatz. Das soll, wie es in Verlagskreisen heißt, vor allem an der Redaktionsleiterin des „Kultur Spiegel“ Marianne Wellershoff gelegen haben, die auch in der Geschäftsführung der Spiegel Mitarbeiter KG sitzt, die Hauptgesellschafterin des Nachrichtenmagazins ist. In diesem Gremium gilt Wellershoff mittlerweile aber als isoliert. Was aus ihr wird, ist unklar. Denkbar ist, dass sie künftig als Autorin für den „Spiegel“ arbeitet.

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