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20.11.2015

14:43 Uhr

Medienmacher

Der Mann mit den schrägen Brillen ist wieder da

VonKai-Hinrich Renner

Weshalb „Focus“ Manfred Schmidt ein Comeback ermöglicht. Warum Thomas Roth in der Nacht der Anschläge von Paris nicht auf Sendung war. Und wieso Burda mal wieder umstrukturiert.

Manfred Schmidt soll bald wieder Partys organisieren. dpa - picture-alliance

Manfred Schmidt

Manfred Schmidt soll bald wieder Partys organisieren.

HamburgWas ist eigentlich aus Manfred Schmidt geworden, dem spendablen Partymacher mit Hang zu auffälligen Brillen und unglaublich guten Kontakten in die Politik? Zuletzt geriet der 66-Jährige in den Sog der Affäre um den ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff. Bei dem von Schmidt zwischen 2007 und 2009 veranstalteten Nord-Süd-Dialog – seinerzeit war das spätere Staatsoberhaupt noch niedersächsischer Ministerpräsident – soll ihm Wulffs damaliger Regierungssprecher Olaf Glaeseker bei der Sponsorensuche geholfen haben, obwohl es sich um eine rein privatwirtschaftliche Veranstaltung handelte.

Angeblich im Gegenzug erhielt Glaeseker Freiflüge sowie Urlaubsaufenthalte in den Ferienresidenzen des Eventmanagers. Ein Verfahren gegen Schmidt wegen Bestechung vor dem Landgericht Hannover wurde 2014 gegen Zahlung von 25.000 Euro eingestellt. Weitere 5000 Euro musste er an gemeinnützige Einrichtungen zahlen.

Der Handelsblatt-Medienexperte mit Sitz in Hamburg berichtet in seiner Kolumne über die neuesten Rochaden im Mediengeschäft.

Kai-Hinrich Renner

Der Handelsblatt-Medienexperte mit Sitz in Hamburg berichtet in seiner Kolumne über die neuesten Rochaden im Mediengeschäft.

Beim Nachrichtenmagazin „Focus“, das im Burda Verlag erscheint, hält man nun offenbar die Zeit gekommen, um Schmidt zu rehabilitieren. Hintergrund: Im Zuge des nahezu kompletten Umzugs der „Focus“-Redaktion nach Berlin will Geschäftsführer Burkhard Graßmann das Blatt wieder näher an politische Entscheider heranrücken, wie es in Verlagskreisen heißt. Dabei sollen offenbar auch spezielle Events für das politische Berlin helfen, für die der nach wie vor bestens vernetzte Schmidt als Organisator vorgesehen ist. Damit würde Graßmann eine alte Tradition wiederbeleben. Unter „Focus“-Gründungschefredakteur Helmut Markwort waren die „Focus“-Sommerfeste in der Hauptstadt eine Institution.

Die erste Schmidt-Sause im Auftrag des Nachrichtenmagazins wird dem Vernehmen nach am 13. März 2016 steigen. An diesem Tag werden in Baden-Württemberg, Sachsen-Anhalt und Rheinland-Pfalz neue Landtage gewählt. Weitere Veranstaltungen sollen folgen. Offiziell mag man sich bei Burda zu den geplanten Polit-Partys nicht äußern.

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Bekanntlich ist die Pro Sieben Sat 1 Media AG längst mehr als nur eine Senderfamilie. Der TV-Konzern beteiligt sich auch an Start-ups, die mit Fernsehen nichts zu tun haben. Häufig bezahlt er seinen Einstieg bei den Unternehmen mit Werbezeiten auf seinen Kanälen. „Media for Equity“ heißt dieses Programm. Zudem gibt es das Modell, sich von jungen Unternehmen die Werbung durch einen bestimmten Anteil an deren Umsatz bezahlen zu lassen, was im Konzern „Media for Revenue“ heißt.

Nun hat Pro Sieben Sat 1 beide Programme auf Sport 1 ausgeweitet, einen Sender der gar nicht zur Gruppe gehört, sondern sich im Besitz der Constantin Medien befindet. Nach Angaben eines Konzernsprechers geschieht dies jedoch nicht, weil bei Pro Sieben Sat.1 die Werbeplätze knapp würden. Vielmehr biete die Kooperation mit Sport 1 „die Möglichkeit, beispielsweise bei besonders sport-affinen Themen eine Kampagne noch etwas auszusteuern und damit zusätzliche Reichweite in einer sehr spitzen Zielgruppe zu erzielen".

Als Beispiele führt der Sprecher den US-Anbieter von Fitnessarmbändern Jawbone an, mit dem die Konzerntochter Seven Ventures eine „Media-for-Revenue“-Vereinbarung habe. Ein weiteres Beispiel ist das deutsche Fitness-Start-up Gymondo, wo Pro Sieben Sat 1 die Anteilsmehrheit hält. Sport 1 ist selbst weder in das „Media-for-Equity“- noch in das „Media-for-Revenue-Programm“ direkt involviert, wie ein Sprecher des Sportkanals betont. Offenbar tritt Pro Sieben Sat 1 bei Sport 1 mehr oder weniger als ganz normaler Werbekunde in Erscheinung.
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