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02.12.2016

16:58 Uhr

Medienmacher

Dieter Hahn expandiert in die Schweiz

VonKai-Hinrich Renner

Die KF15 GmbH hat einen Ableger in Luzern. Journalisten der „Süddeutschen Zeitung“ werben für eine PR-Firma. Und der CEO der DuMont Mediengruppe will einen Termin festlegen, an dem sein Haus ohne Print überleben kann.

Der Handelsblatt-Medienexperte mit Sitz in Hamburg berichtet in seiner Kolumne über die neuesten Rochaden im Mediengeschäft.

Kai-Hinrich Renner

Der Handelsblatt-Medienexperte mit Sitz in Hamburg berichtet in seiner Kolumne über die neuesten Rochaden im Mediengeschäft.

HamburgIn der in München ansässigen KF 15 GmbH haben die Manager Dieter und Wolfgang Hahn sowie der Rechtsanwalt Bernd Kuhn ihre unternehmerischen Aktivitäten gebündelt. Das Trio stand einst in Diensten des verstorbenen Medienunternehmers Leo Kirch. Als dessen Adlatus galt Dieter Hahn, der nach der Pleite der Kirch-Gruppe zusammen mit Kirch die Vorgängerfirma KF 15 Management GmbH & Co. KG gründete. Dieter Hahn ist mit 85 Prozent der Anteile auch der Hauptgesellschafter der heutigen KF 15 GmbH. Sie ist investiert in die Wittener Bitop AG, ein Unternehmen der Kosmetik- und Pharmaindustrie, sowie in ein Golfresort in Mexiko. Vor allem aber zählt die KF 15 GmbH zu den Hauptgesellschaftern der Constantin Medien AG (Constantin Film, Sport1).

Von der Öffentlichkeit gänzlich unbemerkt hat die Münchener Firma bereits im April 2015 eine Dependance in der Schweiz eröffnet, die KF 15 Suisse AG mit Sitz in Luzern. Es handele sich bei der Firma um eine Vorratsgesellschaft, sagt ein KF-15-Sprecher. Sie sei ursprünglichen im Zusammenhang mit Dieter Hahns Interesse am Einstieg in die Formel 1 gegründet worden. Tatsächlich wurde im Juni 2015 gemeldet, Hahn wolle gemeinsam mit dem Emirat Katar und dem US-Investor Stephen Ross den internationalen Rennzirkus übernehmen.

Die Gründung der KF 15 Suisse steht aber auch im zeitlichen Zusammenhang mit einem anderen Ereignis, das für ihre Gesellschafter nicht ganz unwichtig ist: Im November 2015 wurde erstmals schriftlich festgehalten, wie eine Neuordnung der Constantin Medien aussehen könnte. Bekanntlich verfolgt Dieter Hahn den Plan, die Constantin Film abzuspalten. Constantin Medien soll sich ganz auf das Sport-Geschäft konzentrieren. Während die Sendergruppe Sport1 und der Sportproduzent Plazamedia keine großen Profite abwerfen, gilt der Sportrechtevermarkter Team als die Cashcow des Unternehmens. Die Team sitzt, zufälligerweise, ebenso wie die KF 15 Suisse in Luzern. Auf sie hat Hahn ein Auge geworfen. Allerdings ist im verschachtelten Reich der Constantin Medien der Sportrechtevermarkter der Zwischenholding Highlight Communications zugeordnet. Deren CEO ist Hahns Gegenspieler Bernhard Burgener, der zweite Hauptaktionär des Medienkonzerns. Er lehnt eine Aufspaltung strikt ab und dürfte die Team kaum herausrücken. Oder geht da vielleicht doch etwas? Auf der Hauptversammlung der Constantin Medien wurde gemutmaßt, die Raison d’Être der KF 15 Suisse sei ein Einstieg bei Team. Das weist der KF-15-Sprecher als unzutreffend zurück.

Aber warum braucht das Unternehmen überhaupt eine Schweizer Vorratsgesellschaft? Die Sache mit dem Kauf der Formel 1 hat sich längst erledigt. Sie geht an das US-Unternehmen Liberty Media. Hahn und seine Mitstreiter gingen leer aus. Liquidiert wurde die KF 15 Suisse deswegen aber nicht: Im September diesen Jahres meldete sie dem Schweizer Handelsregister Veränderungen in der Zusammensetzung ihres Verwaltungsrats sowie einen Umzug. Statt wie bisher in der Zentralstraße 44 residiert sie nun am Kapellplatz 1.

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Anfang Augst gab der Süddeutsche Verlag, in dem die „Süddeutsche Zeitung (SZ)“ erscheint, die Gründung der Verlagstochter SZ Scala bekannt. Die Firma bietet Unternehmen Corporate Publishing ebenso an wie PR, Seminare sowie Beratung. Sie startete mit dem vollmundigen Versprechen, ihren Kunden die Kompetenz aller Verlagsabteilungen zugänglich zu machen.

Auf den neuen Wettbewerber reagierte die Konkurrenz leicht verschnupft. Die „SZ“ habe „in der Vergangenheit stets Redaktionelles und Kommerzielles getrennt“, gab etwa Andreas Fischer-Appelt, Vorstand der PR-Agentur Fischer Appelt, zu bedenken. „Gerade die Trennung der Geschäftsmodelle ist für Verlage besonders sensibel und wichtig. PR sollten sie den PR-Agenturen überlassen.“ Und Thorsten Hebs von Serviceplan PR warf die Frage auf, „ob hier nicht der Bock zum Gärtner gemacht wird“. Der Spagat zwischen Dienstleistung und verlagsunabhängigen Services berge „zwangsläufig Konflikte. Auch wenn die Redaktion Stein auf Bein schwören wird, dass Agentur-Kunden keine Vorteile genießen.“

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