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22.01.2016

17:39 Uhr

Medienmacher

Ein Chefredakteurswechsel wirft Fragen auf

VonKai-Hinrich Renner

Unruhe bei Burda: Wie lange bleibt Helmut Markwort noch Herausgeber des „Focus“? Und was tut sich in der Chefredaktion der „Bunten“? Außerdem: Verliert Sky das Monopol an den Übertragungsrechten der Fußball-Bundesliga?

Der Handelsblatt-Medienexperte mit Sitz in Hamburg berichtet in seiner Kolumne über die neuesten Rochaden im Mediengeschäft.

Kai-Hinrich Renner

Der Handelsblatt-Medienexperte mit Sitz in Hamburg berichtet in seiner Kolumne über die neuesten Rochaden im Mediengeschäft.

HamburgDie Ablösung von „Focus“-Chefredakteur Ulrich Reitz durch den bisherigen Chef der ostdeutschen Illustrierten „Super Illu“ Robert Schneider war das Medienthema der Woche. Bereits seit Herbst wurde über die Personalrochade im Medienhaus Hubert Burda Media gesprochen, in dem beide Blätter erscheinen. Insofern kann ausgeschlossen werden, dass Reitz ein höchst umstrittenes Titelbild von Anfang des Monats zum Verhängnis wurde.

Anlässlich der sexuellen Übergriffe vor dem Kölner Hauptbahnhof in der Silvesternacht war auf dem „Focus“-Cover eine nackte weiße Frau zu sehen, deren Körper mit schwarzen Handabdrücken bedeckt ist. Auch die schlechte Auflagenentwicklung des Münchener Nachrichtenmagazins dürfte Reitz kaum den Job gekostet haben. Die Auflagenbilanz seines Nachfolgers Schneider bei der „Super Illu“ ist nicht besser. Einige im Verlag wollen wissen, mit der Berufung Schneiders solle ein Generationswechsel eingeleitet werden. Aber Reitz ist erst 55 und folglich noch längst nicht im Rentenalter.

Weshalb also riskiert man bei Burda, dass durch den bereits fünften (!) Chefredakteurswechsel seit 2010 – damals zog sich Magazingründer Helmut Markwort aus der Chefredaktion zurück – der „Focus“ weiter beschädigt wird? In Verlagskreisen heißt es, dem ebenso machtbewussten wie ehrgeizigen Print-Vorstand Philipp Welte habe es von Anfang an missfallen, dass sich „Focus“-Herausgeber Markwort mit seinem Kandidat Reitz für die Nachfolge von Jörg Quoos durchsetzte, der das Nachrichtenmagazin Ende August 2014 verließ.

Tatsächlich gilt Schneider als Gefolgsmann Weltes. Reitz wiederum, der Anfang der 90-er Jahre zum Gründungsteam des Magazins gehörte, kann bestens mit Markwort. Der 79-Jährige soll dafür gesorgt haben, dass der scheidende Chefredakteur den „Focus“ weiterhin nach außen repräsentieren und als Editor at Large für die Themengebiete Politik und Debatte verantwortlich sein wird.

Gleichwohl stärkt der Chefredakteurswechsel die Position Weltes im Verlag. Kann es sein, dass Markwort von den Machtkämpfen im Hause Burda genug hat? In seinem Umfeld heißt es, er wolle zum 8. Dezember 2016 sein Amt als „Focus“-Herausgeber niederlegen. An diesem Tag wird der verdiente Journalist 80 Jahre alt. Mit dem neuerlichen Chefredakteurswechsel beim „Focus“ habe der Rückzug aber nichts zu tun. Den Entschluss, das Nachrichtenmagazin zu verlassen, habe er schon vor längerer Zeit gefällt. Bei Burda möchte man sich dazu nicht äußern. Markwort selbst ließ eine an ihn gerichtete Anfrage zunächst unbeantwortet. Nachdem diese Kolumne veröffentlicht wurde, ließ er mitteilen, Spekulationen über seinen Rücktritt als Herausgeber seien unzutreffend.

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Eine andere Top-Personalie im Hause Burda gilt dagegen als fix: Der Vertrag von „Bunte“-Chefredakteurin Patricia Riekel läuft Mitte des Jahres aus. Die Lebensgefährtin Markworts, die dann 67 Jahre alt sein wird, will ihn nicht verlängern. In Verlagskreisen heißt es jedoch, dass sie auch nach Auslaufen ihres Arbeitspapiers noch ein paar Monate in der „Bunte“-Chefredaktion bleiben könnte, um für eine reibungslose Amtsübergabe zu sorgen.

Als aussichtsreiche Kandidatin für die Nachfolge Riekels gilt die stellvertretende „Bild“-Chefredakteurin Ulrike Zeitlinger. Ihr ist das Medienhaus Burda wohlbekannt: Sie diente ihm von 1997 bis 2001, unter anderem als Ressortleiterin der „Bunten“, und nochmals von 2005 bis 2014, als sie zuerst Chefredakteurin der „Freundin“ und anschließend Chefin von „Freundin Donna“ war. Bei Burda mag man sich zu der Personalie nicht äußern.

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