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06.02.2015

12:50 Uhr

Medienmacher

Eine bemerkenswerte Ausschreibung

VonKai-Hinrich Renner

In seiner Kolumne „Medienmacher“ geht Kai-Hinrich Renner der Frage nach, warum Pro Sieben Sat.1 die Tochter Sat.1 Norddeutschland verkaufen wollte. Außerdem: Stellenabbau beim „Hamburger Abendblatt“.

Der Handelsblatt-Medienexperte mit Sitz in Hamburg berichtet in seiner Kolumne über die neuesten Rochaden im Mediengeschäft.

Kai-Hinrich Renner

Der Handelsblatt-Medienexperte mit Sitz in Hamburg berichtet in seiner Kolumne über die neuesten Rochaden im Mediengeschäft.

So viel steht jetzt bereits fest: Die Vergabe der Lokalfenster für Hamburg und Schleswig-Holstein beim Privatsender Sat.1, über die der Medienrat der Medienanstalt Hamburg Schleswig-Holstein (MAHSH) kommenden Mittwoch beraten wird, verläuft ein wenig anders als vorangegangene Ausschreibungen. Vermutlich wird die Lizenz wie bisher an die Sat.1  Norddeutschland GmbH gehen. Dafür hatte sich der Medienrat der MAHSH bereits in seiner Sitzung vom 17. September 2014 ausgesprochen. Die Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich KEK hat dem zugestimmt. Die noch folgenden Beratungen sind mehr oder weniger Formsache. Die Vergabe wird voraussichtlich im Mai in trockenen Tüchern sein.

Ungewöhnlich ist, dass zwei der unterlegenen Mitbewerber – die Werft Studio GmbH des ehemaligen Spiegel TV-Chefredakteurs Cassian von Salomon und des TV-Produzenten Eiko Wachholz sowie die Video-Media GmbH des Kieler Medienunternehmers Detlev Freiherr von der Goltz – vermutlich gegen die Entscheidung klagen werden. Da Sat.1 Norddeutschland eine hundertprozentige Sat.1-Tochter ist könnte man argumentieren, die wiederholte Vergabe an diese Firma sei aus Gründen der Meinungsvielfalt zumindest bedenklich.

Noch ungewöhnlicher ist aber, dass die Pro Sieben Sat.1 Media AG während des Vergabeprozesses versucht hat, Sat.1 Norddeutschland zu verkaufen. Das geht aus Verkaufsunterlagen auf Briefpapier der Senderfamilie hervor, die dem Handelsblatt vorliegen. Sie sind auf den 20. November 2014 datiert. In ihnen werden potenzielle Interessenten gebeten, Angebote abzugeben.  Im Vorfeld der Transaktion, die bei Pro Sieben Sat.1 unter dem Codenamen „Projekt Seattle“ lief, war ein „virtueller Datenraum“ eingerichtet worden. „Verbindliche Angebote“ sollten ab dem 12. Januar abgegeben werden.

Offenbar gab es drei Interessenten: den Ballungsraumsender Hamburg 1, den zu Axel Springer gehörenden Nachrichtensender N24 sowie Michael Grahl, Geschäftsführer von Sat.1 Norddeutschland, der ein Management-Buyout plante. Keiner der drei mag sich zu der Causa äußern. Auch Pro Sieben Sat.1 hält sich bedeckt und teilt lediglich mit, das derzeit kein Verkauf geplant sei.

Vermutlich stoppte die Senderfamilie den Verkaufsprozess, weil anderenfalls die Lizenzvergabe an Sat.1 Norddeutschland ernsthaft gefährdet gewesen wäre. Schließlich hatte sich der MAHSH-Medienrat unter gänzlich anderen Voraussetzungen für eine neue Lizenz  der  Sat.1-Tochter ausgesprochen. Denn hätte etwa Hamburg 1 sie erworben, wäre der Ballungsraumsender  auf Umwegen an eine Lizenz geraten, für die er sich zuvor vergeblich beworben hatte. Der Medienrat hatte sich gegen den die Hamburger entschieden. Wenige Tage später zogen sie sich aus dem Vergabeverfahren zurück. N24 hatte sich gar nicht erst um eine Lizenz bemüht.

Über die Gründe, weshalb Pro Sieben Sat.1 den norddeutschen Ableger verkaufen wollte, kann nur spekuliert werden. Sat.1 Norddeutschland erhält für die Produktion der Lokalfenster in Hamburg, Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Bremen aus der Münchner Zentrale jährlich rund zehn Millionen Euro. Womöglich glaubte man bei der Muttergesellschaft jemanden finden zu können, der zu günstigeren Konditionen produziert.

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