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05.02.2016

15:40 Uhr

Medienmacher

Entertainer Gottschalk macht in Journalismus

VonKai-Hinrich Renner

Spiegel TV entwickelt einen Quartalsrückblick für den blondgelockten Showmaster, der bei RTL laufen soll. Und „Welt Online“ lässt Nutzerkommentare neuerdings nicht mehr von Redakteuren, sondern von einer Software prüfen.

Der Handelsblatt-Medienexperte mit Sitz in Hamburg berichtet in seiner Kolumne über die neuesten Rochaden im Mediengeschäft.

Kai-Hinrich Renner

Der Handelsblatt-Medienexperte mit Sitz in Hamburg berichtet in seiner Kolumne über die neuesten Rochaden im Mediengeschäft.

HamburgEs gab Zeiten, da stand Spiegel TV nicht nur für Journalismus, sondern auch für Unterhaltung. Besonders eng verbunden war der Fernsehableger des Hamburger Nachrichtenmagazins mit dem Moderator Johannes B. Kerner, dessen gleichnamige Show Spiegel TV knapp 14 Jahre – von Anfang 1998 bis Ende 2011 – zunächst für das ZDF und zuletzt für Sat. 1 produzierte. Auch mit Markus Lanz, gewissermaßen Kerners Nachfolger beim ZDF, war Spiegel TV eng verbandelt. Dessen Show „Lanz kocht“, die von 2008 bis 2012 im Zweiten lief, gehörte zum Portfolio der Produktionsfirma.

Als innerhalb nur eines Jahres sowohl „Johannes B. Kerner“ als auch „Lanz kocht“ eingestellt wurden, geriet die zuständige Spiegel-TV-Tochter Spiegel TV Entertainment in eine tiefe Krise. Allein nach dem Aus von „Johannes B. Kerner“ mussten etwa 40 Mitarbeiter gehen.

Nun allerdings arbeitet wieder ein ganz Großer der Unterhaltungsbranche mit Spiegel TV zusammen. Wie es in Unternehmenskreisen heißt, entwickelt die Firma ein neues Format für Thomas Gottschalk, dessen Pilotsendung noch vor der Sommerpause bei RTL gezeigt werden könnte. Dem Vernehmen nach bat der Kölner Privatsender, bei dem bereits die Gottschalk-Shows „Back to School – Gottschalks großes Klassentreffen“ und „Die 2 – Gottschalk und Jauch gegen alle“ laufen, Spiegel TV an einem Pitch für das neue Format teilzunehmen. Den gewannen die Hamburger. Grünes Licht gibt es für das Projekt von Senderseite indes noch nicht.

Wie es in Senderkreisen heißt, handelt es sich bei dem Vorhaben um ein „Gottschalk-untypisches Format“. Konkret soll der Showmaster eine Sendung moderieren, die so etwas wie ein Quartalsrückblick ist und journalistische Magazinbeiträge ebenso enthält wie Gespräche mit Studiogästen. Dementsprechend soll das Format wohl viermal im Jahr laufen. Im Gespräch ist ein Primetime-Sendeplatz am Wochenende. Gut möglich, dass die neue Gottschalk-Sendung sonntags um 20:15 Uhr laufen wird. Sie soll live aus Berlin gesendet werden. Derzeit sucht Spiegel TV in der Hauptstadt nach einer geeigneten Location.

Thomas Gottschalk: Die wichtigsten Stationen seiner Karriere

Ab 1971

Gottschalk ist freier Mitarbeiter des Jugendfunks beim Bayerischen Rundfunk (BR), ab 1973 ist er Sprecher der „Abendschau“-Nachrichten.

1976

Gottschalk bekommt eine Festanstellung beim BR und heiratet seine Freundin Thea. Seine witzigen Ansagen in der Hörfunksendung „Pop nach acht“ kommen bei den Zuhörern gut an.

1977

Er moderiert die Sendung „Telespiele“, die zunächst in einigen Dritten Programmen und ab 1980 bundesweit in der ARD zu sehen ist.

1982 Teil 1

Mit Mike Krüger ist Gottschalk im Kinofilm „Piratensender Powerplay“ zu sehen. Weitere Filmrollen folgen.

1982 Teil 2

Gottschalk wechselt zum ZDF. Bis 1987 präsentiert er dort „Na sowas“, eine Mischung aus Talk- und Musikshow.

26. September 1987

Er moderiert erstmals die ZDF-Sendung „Wetten, dass...?“ als Nachfolger von Frank Elstner. Knapp 21 Millionen Menschen sehen zu. Mit Ausnahme einer Pause in den Jahren 1992 und 1993 war er bis 2011 Showmaster der Sendung.

1990

Gottschalk arbeitet auch für RTL. Von 1992 bis 1995 moderiert er eine Late-Night-Show.

1995 bis 1997

Auf Sat.1 moderiert er „Gottschalks Hausparty“.

1999

Mit seinem Bruder Christoph gründet er die Vermarktungsfirma dolce media GmbH in München.

2004

„Thomas Gottschalk. Die Biografie“ von Gert Heidenreich erscheint.

September 2009

Mit Michelle Hunziker hat Gottschalk erstmals eine Co-Moderatorin bei „Wetten, dass..?“

4. Dezember 2010

Der Kandidat Samuel Koch verunglückt bei einer Wette schwer und bleibt gelähmt.

12. Februar 2011

Gottschalk kündigt seinen Rücktritt nach Ablauf der Staffel im Sommer an.

30. April 2011

Gottschalk moderiert seine letzte reguläre „Wetten, dass..?“-Sendung.

18. Juni 2011

Gottschalk moderiert die letzte Sommer-Ausgabe von „Wetten, dass..?“ auf Mallorca.

2012

Seit Januar 2012 moderierte er viermal wöchentlich Gottschalk Live, eine halbstündige Vorabend-Talkshow der ARD, in der Gottschalk überwiegend prominente Gäste aus den Bereichen Lifestyle, Entertainment und Kultur empfing. In der Sendung ging es neben Unterhaltung auch um die aktuellen Themen des Tages. Gottschalk Live wurde vor der Tagesschau ausgestrahlt und sendete anfangs live aus Berlin aus einem Studio nahe dem Gendarmenmarkt. Ab April 2012 wurde die Sendung aufgezeichnet. Mangels Zuschauerinteresse wurde die Show schon am 6. Juni 2012 eingestellt.

September 2012

Am 22. Juni 2012 wurde bekannt, dass Gottschalk zum Sender RTL wechseln und dort in der Sendung Das Supertalent mitwirken wird. Vom 15. September 2012 bis zum 15./16. Dezember 2012 saß er dort neben Dieter Bohlen und Michelle Hunziker in der Jury. Im März 2013 gab er jedoch bekannt, dass er 2013 keinen Platz mehr in der Jury einnehmen werde. Durch das Ende von Gottschalk Live hat er vertraglich die Möglichkeit, auch für einen anderen Sender zu arbeiten.

2013

Am 22. Mai 2013 teilte RTL in einer Pressemitteilung mit, dass Gottschalk dem Sender erhalten bleibe und in Zukunft weitere Show-Formate moderieren werde. Zudem sicherte sich RTL eine Exklusivität gegenüber den öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten.

In der erstmals am 9. September 2013 auf RTL ausgestrahlten Live-Show Die 2 – Gottschalk & Jauch gegen alle, tritt Thomas Gottschalk mit Günther Jauch gegen mehrere Studiokandidaten, das Studiopublikum und die Fernsehzuschauer an. Moderiert wird sie von Barbara Schöneberger.

Wo die Produktionsfirma das Gottschalk-Format genau aufhängen wird, ist noch offen. Der Unterhaltungsableger Spiegel TV Infotainment ist für das Projekt keineswegs gesetzt. Es sei zu journalistisch, um zu dem einstigen Kerner-Produzenten zu passen, heißt es in Unternehmenskreisen.

Offiziell hält sich die Spiegel-Gruppe bedeckt: „RTL und Spiegel TV sprechen über neue Ideen, die wir aber nicht kommentieren möchten, solange es noch keine feste Verabredung gibt“, sagt eine Unternehmenssprecherin auf Anfrage. Ein RTL-Sprecher äußert sich nahezu wortgleich.
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