Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

08.04.2016

15:13 Uhr

Medienmacher

Redaktion statt Algorithmus

VonKai-Hinrich Renner

Maxdome geht in die Offensive. Mit einer neu aufgebauten Redaktion will der Streamingdienst weiter vorankommen. Die Funke Mediengruppe hat für ihre Nachrichtenportale eine neue Online-Strategie entwickelt.

Der Handelsblatt-Medienexperte mit Sitz in Hamburg berichtet in seiner Kolumne über die neuesten Rochaden im Mediengeschäft.

Kai-Hinrich Renner

Der Handelsblatt-Medienexperte mit Sitz in Hamburg berichtet in seiner Kolumne über die neuesten Rochaden im Mediengeschäft.

HamburgThomas Weiß ist ein klassischer Programmzeitschriftenjournalist. Der 45-Jährige, der einst bei „Cinema“ volontierte, ging 2004 zu „TV Digital“, zunächst als Textchef. Ein Jahr später wurde er nicht nur zum stellvertretenden Chefredakteur des Titels sondern auch zum Vizechef von dessen Schwesterblatt „Hörzu“ befördert. Zehn Jahre wirkte er in dieser Position.

Nun ist Weiß bei der Online-Videoplattform Maxdome des TV-Konzerns Pro Sieben Sat 1 aufgeschlagen. Er hat dort eine Redaktion mit sechs festangestellten Redakteuren aufgebaut. Sie soll künftig das Angebot des Streamingdienstes für dessen Nutzer strukturieren. In der Pilotphase wurde mit einem „Blockbuster Mittwoch“ und einem „Art House Dienstag“ experimentiert. Auch ein Programmangebot namens „Mädels-Abend“ gab es. Programm-Empfehlungen von Prominenten wurden ebenso in Erwägung gezogen wie eine Nachbesprechung, die sich Nutzer anschauen können, nachdem sie einen Film oder eine Serienfolge gesehen haben.

Welches dieser Angebote Maxdome umsetzen wird, dürfte das Portal auf einer Pressekonferenz am kommenden Mittwoch in München bekanntgeben. Klar ist jedoch, dass die neue Redaktion, die sich Pro Sieben Sat 1 dem Vernehmen nach einen siebenstelligen Betrag kosten lässt, Kernstück einer Offensive ist, mit der das TV-Unternehmen seinen Streamingdienst nach vorn bringen will. In der Konzernzentrale in Unterföhring ist man davon überzeugt davon, dass von einer Redaktion kuratierte Inhalte den Nutzern besser helfen, sich im Programm zurecht zu finden als ein Algorithmus wie der, auf den Wettbewerber Netflix schwört.

Zur Offensive von Maxdome gehören auch mehrere Kooperationen mit Unternehmen anderer Branchen. So ist eine Zusammenarbeit mit Lebensmittel- und Drogerieketten geplant, die Prepaid-Karten zur Maxdome-Nutzung anbieten werden. An den Kassen der Ketten sollen Kunden des Streamingdienstes ihre Karten künftig auch aufladen können. Begleitet wird die Maxdome-Offensive von einer Werbekampagne über fast alle Mediengattungen.

Maxdome gibt es schon seit gut zehn Jahren. Die Plattform ist das älteste deutsche Videoportal. Sie hat mit mehr als 50.000 Filmen und Serien – viele davon allerdings aus der Produktion der Pro-Sieben-Sat-1-Sender – ein quantitativ reichhaltigeres Angebot als ihre Wettbewerber zu bieten Dennoch liegt sie hinter Amazon Video und Netflix im deutschen Markt nur auf Platz drei.

Profitabel ist – zumindest in Deutschland – keine der drei Plattformen. Mit der wohl noch im April anlaufenden Offensive soll die Zahl der Maxdome-Abonnenten von derzeit gut 700.000 bis Jahresende auf eine Million gesteigert werden. Bei Pro Sieben Sat 1 sieht man noch viel Potenzial im Markt der Streamingdienste, der derzeit auf etwa 4,2 Millionen Kunden in Deutschland kommt. In Unterföhring glaubt man, dass sich deren Zahl bis 2018 auf zehn Millionen steigern lässt.

Offiziell wollte sich bei Pro Sieben Sat 1 niemand zur Maxdome-Offensive äußern. Ein Unternehmenssprecher verwies auf das Pressegespräch am kommenden Mittwoch.

*

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×