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02.04.2015

13:26 Uhr

Medienmacher

Starthilfe vom Gottseibeiuns

VonKai-Hinrich Renner

Google sponsert „Politico“. Beim „Spiegel“ geht ein stellvertretender Chefredakteur zurück ins Glied. Und: Was die Familie eines „Tagesspiegel“-Herausgebers mit einer Wohnung von Axel Springer verbindet.

Der Handelsblatt-Medienexperte mit Sitz in Hamburg berichtet in seiner Kolumne über die neuesten Rochaden im Mediengeschäft.

Kai-Hinrich Renner

Der Handelsblatt-Medienexperte mit Sitz in Hamburg berichtet in seiner Kolumne über die neuesten Rochaden im Mediengeschäft.

HamburgEs ist noch kein Jahr her, da schrieb Axel Springers Vorstandsvorsitzender Mathias Döpfner in einem offenen Brief in der „FAZ“ an Google-Verwaltungsrat Eric Schmidt, der auch lange Zeit CEO des Unternehmens war, er habe „Angst“ vor dessen Firma. Die Furcht resultiere aus der nahezu kompletten Abhängigkeit der Medienbranche von Google. Nach der Lektüre des Schreibens hatte man den Eindruck, für Döpfner sei das Unternehmen aus dem kalifornischen Mountain View so etwas wie ein moderner Gottseibeiuns. Man kann nicht behaupten, die Philippika des Springer-Chefs habe das ohnehin schwierige Verhältnis seines Hauses zu dem Internet-Riesen entspannt.

Dennoch tritt Google nun als Unterstützer von Springers wohl derzeit ehrgeizigstem journalistischen Projekt auf. Zwar startet die europäische Ausgabe der politischen Plattform „Politico“, die das Berliner Medienhaus gemeinsam mit der amerikanischen Politico LLC betreiben wird, offiziell erst am 21. April. Doch auf Politico.eu ist schon jetzt nachzulesen, dass die Plattform zwei Sponsoren hat: das Unternehmen Eurid, das die Internet-Domain .eu verwaltet – und eben Google.

In den USA kooperiert die Suchmaschine schon seit längerem mit „Politico“. Sie präsentiert dort den Bereich „Women And Leadership“. Aus dieser Kooperation erwuchs der Gedanke, auch mit der europäischen Wochenzeitung „European Voice“ zusammenzuarbeiten. Hier präsentiert Google den Themenschwerpunkt „Internet Entrepreneurship“. Die in Brüssel erscheinende „European Voice“ ist Keimzelle der europäischen Redaktion von „Politico“. Das Joint Venture aus Springer und Politico LLC hat das Blatt gekauft, das sein Erscheinen einstellen wird, sobald das Portal offiziell freigeschaltet ist. Die Kooperation geht dann auf das europäische „Politico“ über. Daran ändert, so ein Google-Sprecher, auch nichts, dass Springer 50-Prozent-Gesellschafter der politischen Plattform ist. Ein bisschen Entspannung gibt es also doch.

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Beim „Spiegel“ werden derzeit letzte Hinterlassenschaften der Ära von Chefredakteur Wolfgang Büchner weitgehend geräuschlos beseitigt. Vor ziemlich genau einem Jahr hatte Büchner den damaligen Auslandsressortleiter Clemens Höges zum stellvertretenden Chefredakteur ernannt. Er löste damals Martin Doerry ab. Nun hat Höges diesen Posten wieder verloren. Er ist jetzt Autor im Auslandsressort. Seine Abberufung aus der Chefredaktion kommt nicht überraschend. Bereits im Februar hatte der neue „Spiegel“-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer mit Susanne Beyer, Dirk Kurbjuweit und Alfred Weinzierl drei neue Stellvertreter ernannt. Dass Büchner-Mann Höges als Nummer vier bleiben würde, galt schon damals als unwahrscheinlich.

Zuvor hatte Brinkbäumer bereits dem Berliner Büroleiter Nikolaus Blome seinen prominenten Platz im Impressum genommen. Der ehemalige „Bild“-Redakteur, den Büchner gegen den Widerstand der „Spiegel“-Redaktion holte, firmiert auch als „Mitglied der Chefredaktion“ und durfte deshalb bis vor kurzem im Impressum direkt hinter den stellvertretenden Chefredakteuren stehen. Dort ist sein Name nun nicht mehr zu finden.
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Bei Axel Springer ist man stolz darauf, die ehemalige Wohnung des gleichnamigen Gründers des Medienhauses am Berliner Kurfürstendamm 213 wieder einer adäquaten Nutzung zugeführt zu haben. Hier residiert die Redaktion von Springers neuem Kunstmagazin „Blau“, das ab dem 2. Mai erstmals als Supplement der Tageszeitung „Die Welt“ erscheinen wird. Zudem sollen die Räumlichkeiten als Salon für die Berliner Kulturszene genutzt werden.

Das alles wäre aber kaum möglich gewesen ohne die tätige Mithilfe der Familie des Herausgebers des in Berlin erscheinenden „TagesspiegelSebastian Turner. Axel Springer, dessen Berliner Hauptwohnsitz auf der Havelinsel Schwanenwerder lag und der noch über weitere Wohnungen in der Stadt verfügte, gehörte das Appartement am Kurfürstendamm nämlich nicht. Nach seinem Auszug wurde es neu vermietet. Zu Springers Nachmietern zählte der amerikanische Journalist, Diplomat und Gründer des Berliner Aspen-Instituts Shepard Stone. 1986 zogen die Turners in die Wohnung. George Turner, bis 1983 Präsident der Westdeutschen Rektorenkonferenz und Vater des heutigen „Tagesspiegel“-Herausgebers, war vom damaligen Berliner Bürgermeister Eberhard Diepgen zum Wissenschaftssenator ernannt worden. Obwohl seine Amtszeit bereits 1989 endete und er zurück ins heimatliche Stuttgart zog, hielt seine Familie die Wohnung am Kurfürstendamm.

Erst vor etwa vier Jahren gaben die Turners sie auf. Da sie von ihrer Vergangenheit wussten, traten sie an das Medienhaus in der Kreuzberger Axel-Springer-Straße heran und fragten, ob es Verwendung für die einstige Bleibe seines Gründers habe. Es hatte. Erfreut stellten Springer-mitarbeiter fest, dass die Nachmieter des Verlegers kaum etwas in der Wohnung verändert hatten. Zunächst wurde sie in unregelmäßigen Abständen für Veranstaltungen genutzt. Nun hat sie ihre vorerst endgültige Bestimmung gefunden.

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