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30.09.2016

17:36 Uhr

Medienmacher

Szenarien für eine unvermeidliche Trennung

VonKai-Hinrich Renner

Wie die Zukunft von Constantin Medien wohl aussieht. Wen Ströer mit der Umstrukturierung der T-Online-Redaktion beauftragt hat. Und wieso DuMonts Pläne für den Standort Berlin das gesamte Zeitungshaus betreffen könnten.

Der Handelsblatt-Medienexperte mit Sitz in Hamburg berichtet in seiner Kolumne über die neuesten Rochaden im Mediengeschäft.

Kai-Hinrich Renner

Der Handelsblatt-Medienexperte mit Sitz in Hamburg berichtet in seiner Kolumne über die neuesten Rochaden im Mediengeschäft.

HamburgIst nach dem Eklat vor dem Eklat? Als am 7. Juli diesen Jahres die Hauptversammlung der Münchener Constantin Medien AG im Tumult endete, wusste niemand so recht, wie es nun weitergehen soll. Großaktionär Dieter Hahn wollte, dass Constantin sich aus dem Filmgeschäft („Fack ju Göhte“, „Das Parfüm“) zurückzieht, um sich künftig ganz auf das Geschäftsfeld Sport (Sport 1) zu konzentrieren. Sein Gegenspieler Bernhard Burgener, ebenfalls Anteilseigner des Unternehmens und zudem Chef der Constantin-Tochter Highlight Communications, zu der wiederum der Film-Ableger Constantin Film gehört, lehnt das strikt ab. Hahn verfügt ebenso wie Burgener und dessen Mitstreiter über knapp 30 Prozent der Firmenanteile.

Eine Mehrheit für sein Vorhaben konnte Hahn im Juli nicht hinter sich bringen. Nun versucht er am 9. und 10. November auf einer gleich für zwei Tage anberaumten Hauptversammlung erneut sein Glück. Selbst wenn es auch dieses Mal nicht klappen sollte, dürfte Constantin Medien über kurz oder lang an einer Aufspaltung nicht vorbeikommen.

Den Status Quo beizubehalten ergibt schlicht keinen Sinn: Zwischen Film- und Sportgeschäft gibt es keinerlei Synergien. Das mit einem Umsatz von knapp 500 Millionen Euro keineswegs riesige Unternehmen leistet sich bisher teure Doppelstrukturen, da nicht nur die Konzernmutter Constantin Medien börsennotiert ist, sondern auch die Tochter Highlight Communications. Und schließlich scheint das Verhältnis zwischen Hahn und Burgener zerrüttet.

Da die Trennung wohl nicht aufzuhalten ist, kursieren in Münchener Medienkreisen bereits diverse Szenarien, wie es künftig weitergehen könnte. Als wahrscheinlich gilt, dass der Cineast Burgener alles tun würde, um das Filmgeschäft nach einer Aufspaltung in Eigenregie fortzuführen.

Die Frage ist nur, ob er dafür das notwendige Kapital hat. Im Umfeld Hahns taxiert man den Wert der Constantin Film auf 250 bis 300 Millionen Euro. In Branchenkreisen geht man von einem Firmenwert von noch gut 200 Millionen Euro aus. In Unternehmenskreisen wird kolportiert, der Schweizer Burgener könnte im Falle eines Falles sich mit der Milliardärsgattin Gisela „Gigi“ Oeri zusammentun. Beide lieben den Film und sind Fans des FC Basel, dessen Präsidentin die deutschstämmige Oeri von 2006 bis 2012 war. Sie ist verheiratet mit Andreas Oeri, einem Erben des Pharma-Konzerns Hoffmann-La Roche. Die Verfilmung des Bestsellers „Das Parfüm“ soll sie ebenso mit einem namhaften Betrag unterstützt haben wie das Film-Projekt „Cloud Atlas“ der Geschwister Lana und Lilly Wachowski („Matrix“). Was an diesen Spekulationen dran ist, lässt sich schwer beurteilen. Gisela Oeri war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Einen Partner könnte aber auch das Sportgeschäft der Constantin Medien gut vertragen. Vor zwei Jahren hatte Hahn noch im Handelsblatt-Interview angekündigt, Übertragungsrechte für Live-Spiele der ersten Fußball-Bundesliga erwerben zu wollen. Tatsächlich gingen Sport 1 wichtige Rechte verloren. Der Live-Übertragung des Montagsspiels der zweiten Bundesliga ging man ebenso verlustig wie den Internet-Radiorechten der Liga, die man noch für Sport 1 FM nutzt. Zudem verlor die Produktionstochter Plazamedia mit dem Pay-TV-Sender Sky ihren wichtigsten Kunden, für den sie bisher Bundesliga-Spiele überträgt.

In Medienkreisen kursiert das Gerücht Constantin könnte mit der Perform Group des amerikanisch-russischen Milliardärs Leo Blavatnik kooperieren, die über attraktive Sportrechte verfügt – etwa über das Recht der zeitnahen Zusammenfassung von Bundeligaspielen im Internet –, der aber in Deutschland ein TV-Standbein fehlt.

In Hahns Umfeld verweist man diese Spekulation jedoch ins Reich der Fabel. Schließlich gehört zum Sportgeschäft von Constantin neben Sport 1 und Plazamedia auch die Agentur Team, die im Auftrag der UEFA die europäischen Clubwettbewerbe Champions League und die Europa League vermarktet. Wer ein so wertvolles Asset in seinem Portfolio habe, benötige keinen Partner.

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