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08.01.2009

20:55 Uhr

Medienstandort Köln

Krise trifft Medienstandort Köln

VonKatharina Sekereva

Eine neue Medienkrise steht vor der Tür - und verstärkt die Unsicherheit der Medienmacher. Hält die Wirtschaftskrise an, sinken auch die Werbeeinnahmen der Medienkonzerne. Etliche Verlage haben schon mit Entlassungen und Einsparmaßnahmen reagiert.

Auch bei Deutschlands größtem Privatsender RTL weiß keiner, was das neue Jahr bringt. Foto: AP ap

Auch bei Deutschlands größtem Privatsender RTL weiß keiner, was das neue Jahr bringt. Foto: AP

DÜSSELDORF. Zumindest die örtliche Lage könnte kaum besser sein: am Kölner Rheinufer, gegenüber vom Dom, auf dem alten Messegelände. Das Zugpferd des Medienstandortes Köln zieht in das Herz der Stadt. Der Umbau des Backsteingebäudes ist fast abgeschlossen. Hier entsteht die neue Sendezentrale der RTL-Gruppe. Bagger schaufeln den Bauschutt weg, Arbeiter pflanzen Bambusbäumchen vor dem Eingang; der Sendebetrieb soll noch in der ersten Jahreshälfte 2009 starten.

Das vergangenen Jahr ging mit Hiobsbotschaften für die Medienbranche zu Ende – vor allem für das Printgeschäft: Die WAZ-Gruppe will in Nordrhein-Westfalen fast 300 Stellen abbauen, überregionale Zeitungen wie „Süddeutsche“ und „FAZ“ bringen Sparprogramme auf den Weg. Das macht sich auch in Köln bemerkbar, wo Gruner+Jahr die Redaktion des Magazins Impulse schließen will, um die Wirtschaftstitel in Hamburg zu bündeln.

Umso wichtiger werden die anderen Medien – aber auch hier stehen die Zeichen schlecht. Der Fernsehkonzern RTL ist der europäische Branchenprimus unter den Privatsendern. Zusammen mit dem WDR, Deutschlands Nummer Eins im öffentlich-rechtlichen Rundfunk, hat er unzählige Produktionsfirmen in die Domstadt gelockt und sie zum größten Medienstandort in Deutschland gemacht. Genau das kann jetzt zu einem Riesenproblem werden. Denn wegen der Finanzkrise kürzen die Unternehmen ihre Werbeetats – und das schlägt direkt auf die Medienindustrie durch.

„Zumindest in den ersten Monaten 2009 müssen die Sender mit sinkenden Einnahmen rechnen“, sagt Andreas Krautscheid, Medienminister in Nordrhein-Westfalen (NRW). Norbert Schneider, Direktor der Landesanstalt für Medien in Nordrhein-Westfalen (LfM), geht noch weiter: „Es ist überhaupt nicht auszuschließen, dass die Werbekrise die Ausmaße annimmt wie nach dem Platzen der Internetblase am Anfang des Jahrhunderts“, sagt er. Andererseits gebe es auch Prognosen, wonach die Talsohle im nächsten September durchschritten sein wird.

15 000 Arbeitsplätze hängen nach Schätzungen der Kölner Stadtverwaltung an der Medienbranche – plus 35 000 Freiberufler. Insgesamt ist fast jeder zehnte Berufstätige in Köln in der Medien- und Kommunikationsbranche beschäftigt. Viele dieser Kreativen könnten bald auf der Straße stehen. Denn die Privatsender versuchen jetzt schon, die Produktionskosten zu drücken.

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