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03.09.2013

07:35 Uhr

Megadeal

Microsoft übernimmt Nokias Handy-Sparte

Der Software-Riese Microsoft lässt sich Nokias Kerngeschäft insgesamt 5,4 Milliarden Euro kosten. Mit dem Deal halbiert sich der Umsatz der Finnen. Auch die Nachfolge von Microsoft-Chef Ballmer könnte nun geregelt sein.

Mega-Deal

Microsoft kauft Handy-Geschäft von Nokia

Mega-Deal: Microsoft kauft Handy-Geschäft von Nokia

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Redmond/Espoo Der Software-Riese Microsoft übernimmt das Kerngeschäft des Handy-Konzerns Nokia. Der Preis liegt bei insgesamt 5,44 Milliarden Euro, wie die Unternehmen am Dienstagmorgen mitteilten. Damit könnte auch ein Ersatz für den scheidenden Microsoft-Chef Steve Ballmer gefunden sein. Nokia-Chef Stephen Elop, der als Kandidat für die Ballmer-Nachfolge gilt, werde voraussichtlich nach dem Abschluss der Übernahme im ersten Quartal 2014 zu Microsoft wechseln, teilte Nokia am Dienstag mit. Zur künftigen Rolle von Elop bei Microsoft äußerten sich die beiden Unternehmen nicht.

Elop werde seinen Posten bei dem finnischen Handyunternehmen aber umgehend räumen, teilte Nokia mit. Übergangweise werde Aufsichtsratschef Risto Siilasmaa das Unternehmen führen.

Microsoft zahle 3,79 Milliarden Euro für das Geschäft mit Geräten und Diensten und gebe weitere 1,65 Milliarden Euro für Patentlizenzen aus, hieß es. Außerdem werde Microsoft auf Nokias Kartendienste zurückgreifen. Der Deal soll Anfang 2014 abgeschlossen werden. Rund 32.000 Mitarbeiter sollen zu Microsoft wechseln. Die Zustimmung der Aktionäre und der Wettbewerbsbehörden steht noch aus.

Mit dem Deal wird sich der Nokia-Umsatz in etwa halbieren. Der finnische Konzern will sich künftig vor allem auf das Netzwerk-Geschäft und die Entwicklung seiner Kartendienste unter der Marke Here fokussieren. Der Konzern hatte jüngst den ursprünglich gemeinsam mit Siemens betriebenen Netzausrüster NSN komplett übernommen.

Der globale Smartphone-Markt

Gesamtmarkt

Der Smartphone-Markt wuchs 2013 rasant: Die Hersteller setzten laut dem Marktforscher Gartner 968 Millionen Geräte ab, ein Plus von 42,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Insgesamt verkauften die Unternehmen 1,8 Milliarden Mobiltelefone, also erstmals mehr Smartphones als einfache Handys.

Samsung

Nach Stückzahlen ist inzwischen Samsung die unangefochtene Nummer eins unter den Smartphone-Herstellern. Die Südkoreaner verkauften im vergangenen Jahr nach Schätzungen der Marktforschungsfirma Gartner 300 Millionen Computer-Handys. Damit kam fast jedes dritte weltweit verkaufte Smartphone von Samsung, wobei der Marktanteil leicht sank. Insgesamt setzte der Konzern 444 Millionen Handys ab.

Apple

Apple war 2013 mit knapp 151 Millionen verkauften iPhones die Nummer zwei im Smartphone-Markt, der Marktanteil rutschte jedoch auf 15,6 Prozent ab.

LG

Fast gleichauf mit Huawei war LG Electronics. Der südkoreanische Hersteller verkaufte rund 46 Millionen Smartphones und verdoppelte fast damit den Absatz, der Markanteil liegt nun bei 4,8 Prozent. Einschließlich einfacher Mobiltelefone verkaufte LG 69 Millionen Geräte (3,8 Prozent Marktanteil).

Lenovo

Lenovo ist bislang vom chinesischen Heimatmarkt abhängig. Der Konzern verkaufte 2013 knapp 44 Millionen Smartphones (4,5 Prozent Marktanteil). Mit der Übernahme von Motorola dürfte der Konzern aber den Absatz künftig deutlich steigern.

ZTE

ZTE verkaufte im zweiten Quartal 10,1 Millionen Smartphones, ein deutliches Plus von 58 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Marktanteil liegt bei 4,2 Prozent. Insgesamt setzte der chinesische Hersteller 15,3 Millionen Handys ab.

Nokia

Nokia war 2013 mit 250 Millionen Geräten und 13,9 Prozent Marktanteil immer noch der zweitgrößte Handyhersteller, verlor aber weiter an Boden. Im lukrativen Smartphone-Markt läuft das Unternehmen unter „ferner liefen“. Die Gerätesparte übernimmt Microsoft.

Sonstige

Viele Unternehmen mit klangvollen Namen haben derzeit weniger als 4 Prozent Marktanteil, darunter Sony, HTC und Blackberry.

Über eine Nokia-Übernahme durch Microsoft war bereits seit einiger Zeit spekuliert worden. Die Unternehmen waren Anfang 2011 eine enge Partnerschaft eingegangen. Nokia ist der wichtigste Hersteller von Smartphones mit dem Microsoft-Betriebssystem Windows Phone.

Damit schließen sich zwei Giganten zusammen, denen massive Veränderungen in ihrem angestammten Geschäft zu schaffen machen. Der finnische Konzern war lange Zeit die dominierende Kraft im Handy-Markt, verlor aber mit dem Vormarsch der Smartphones wie des iPhone von Apple und Geräten mit dem Google-System Android massiv an Boden.

Kommentare (8)

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Account gelöscht!

03.09.2013, 08:18 Uhr

Mit großer Sorge betrachte ich die Entwicklung auf dem IT und Telekommunikationsmarkt.

Die USA kaufen in Europa mit billigem Geld aus der Druckerpresse alles auf, was für Europa eine Unabhängigkeit im IT/TK-Sektor bedeuten könnte.

Nach dem NSA-Skandal wird deutlich, dass die USA die IT als Werkzeug zur Beherrschung der Welt ansehen. Big Brother ist keine Phantasie mehr. Wer das glaubt, der phantasiert. Die Beherrschung des IT/TK-Marktes ist das oberste Ziel der US-Politik, sowohl in militärischer als auch in ökonomischer Hinsicht.

Nach SAP hat man auch schon beide arme ausgestreckt, die SAP-Zentrale halbwegs in die USA verlegt. Wir sind nur zwei Schritte von der endgültigen Entmündigung in diesem Sektor entfernt.

Wann wachen Europas Politiker auf und stoppen diesen Wahnsinn? Zum Schutze unserer Demokratie und Unabhängigkeit.

Account gelöscht!

03.09.2013, 08:20 Uhr

Jetzt fehlt nur noch der Kanadier BlackBerry (englisch Brombeere), dann sind die besten Looser endlich zusammen.

Account gelöscht!

03.09.2013, 09:20 Uhr

Dann war der Nokia-Chef Stephen Elop dann doch, wie von vielen bösen Verschwörungstheoretikern vermutet, das trojanische Pferd Microsofts.

Es ist wirklich traurig mitanzusehen, wie eine ehemalige europäische IT-Ikone wie Nokia, hier den Bach runter gewirtschaftet wurde. Siemens lässt grüßen.

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