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16.11.2012

15:40 Uhr

Mehr als eine Abrechnung

Dienstreise durch die Welt der Öffentlich-Rechtlichen

VonThomas Lückerath

Schon lange wurden ARD und ZDF nicht so detailliert durchleuchtet wie in „Die Nimmersatten“, dem heute erscheinenden Buch von Handelsblatt-Redakteur Hans-Peter Siebenhaar. Ein unterhaltsames und aufreibendes Werk.

Thomas Lückerath ist Chefredakteur des Mediendienstes DWDL.de. DWDL/Tönne

Thomas Lückerath ist Chefredakteur des Mediendienstes DWDL.de.

„Bei dieser Reise geht es nicht um Vollständigkeit“, schreibt Hans-Peter Siebenhaar gleich zu Beginn seiner Abrechnung mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Deutschland. Dabei ist „Die Nimmersatten - Die Wahrheit über das System ARD und ZDF“ durchaus umfassend. Was der leidenschaftliche Experte beim Thema Medien-Wirtschaft hier auf 240 Seiten zusammengetragen hat, ist mal informativ, mal amüsant. Es kombiniert Recherche mit Anekdoten eines Insiders. So sind es eigentlich zwei Bücher in einem. Zunächst einmal eine schonungslose persönliche Abrechnung mit den Öffentlich-Rechtlichen, aber darüber hinaus auch eine Bestandsaufnahme der gesamten deutschen Fernsehbranche.

Nein, unvollständig ist das Buch also ganz gewiss nicht. Siebenhaar trägt ausführlich alle Fakten zusammen und benennt die aktuellen sowie künftigen Herausforderungen des öffentlich-rechtlichen Systems klar und deutlich. Undurchsichtige Geschäfte, unzählige Tochterfirmen, Geldverschwendung, Expansionsdrang und gefährliche Nähe zur Politik – lange schon wurden ARD und ZDF nicht so detailliert durchleuchtet. Das wird in den öffentlich-rechtlichen Anstalten nicht jedem gefallen, wie Siebenhaar selbst sehr wohl bewusst ist.

Deswegen setzt er gleich auch noch einen oben drauf: Die zusammengetragenen Fakten und Eindrücke bilden die Grundlage für Schlussfolgerungen, die man nicht unbedingt teilen muss. Auch das jedoch ist Siebenhaar klar, denn er will vor allem eins: Eine Diskussion. Mit diesem nicht gerade leisen Buch kann das gelingen. Die Aufmerksamkeit für einen öffentlich-rechtlichen Rundfunk, der in der Tat reformiert werden muss, kommt rechtzeitig zur Einführung der neuen Haushaltsgebühr am 1. Januar, die Siebenhaar ganz offensichtlich nicht gefällt, wie ein radikaler Reformvorschlag am Ende des Buches offenbart.

Gastbeitrag: Die Nimmersatten

Gastbeitrag

Die Nimmersatten

Das öffentlich-rechtliche System hat zu viele Fehler: Vor allem keine Legitimation. Hauptversammlungen, auf denen Gebührenzahler zu Wort kommen können, wären ein Anfang – meint unser Gastautor.

Doch „Die Nimmersatten“ ist weit mehr als eine Analyse des öffentlich-rechtlichen Systems, was es für jeden kritischen Medienkonsumenten zur lesenswerten Lektüre macht. Siebenhaar gelingt eine höchst spannende Schilderung der Fernsehwelt im Jahr 2012 - über die Öffentlich-Rechtlichen hinaus. Vom Selbstverständnis der Macher über die durchaus luxuriösen Branchentreffs in Los Angeles oder Cannes bis hin zu Verhandlungsmethoden hinter verschlossenen Türen. Hier merkt man die Leidenschaft eines geschätzten Kollegen.

„Die Nimmersatten“ ist eine Bestandsaufnahme der TV-Wirtschaft 2012, die den Spagat zwischen Ansprache des Fachpublikums und interessierter Mediennutzer schafft. Es ist mehr als nur eine persönliche Abrechnung mit ARD und ZDF und sollte trotz diesem Buchtitel nicht darauf reduziert werden. Es ist das wichtigste Buch über eine im dramatischen Wandel befindliche TV-Branche, das in den letzten Jahren erschienen ist. Hans-Peter Siebenhaar nimmt die Leser mit auf eine lesenswerte Dienstreise durch die Fernsehwelt - und das ist großartig!

Thomas Lückerath ist Chefredakteur des Mediendienstes DWDL.de.

„Die Nimmersatten – Die Wahrheit über das System von ARD und ZDF“ von Hans-Peter Siebenhaar erscheint heute im Verlag Eichborn.

ISBN 978-3-8387-2027-2. 240 Seiten.

Kommentare (3)

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maximilian@baehring.at

16.11.2012, 18:18 Uhr

... "erscheint heute im Verlag Eichborn."

Verlag Eichborn == Pleite.

http://wirtschaft.t-online.de/der-eichborn-verlag-ist-insolvent/id_47246630/index

Account gelöscht!

17.11.2012, 18:54 Uhr

Wiso liebes HB gibts zu dem brisanten Thema keine Kommentare - kann ich mir beim besten Willen nicht vostellen! Schon eher, daß die Flut zu diesem Thema euch überfordert?

BartSimpsen

19.11.2012, 14:51 Uhr

Wie Deutschen sind doch einfach nur noch jämmerlich.

Der Buchautor Hans-Peter Siebenhaar hat natürlich völlig Recht, wenn er der ARD und ZDF dosiert vorwirft - mit den GEZ-Gebühren zu aasen, wie ein Oligarch mit Kaviar und Champagner. In jedem andern Land der Erde würde man sich angemessen wehren. Aber wieder einmal wird bei den GEZ-Zwangsgebühren- bzw. Steuern parteiübergreifend zugestimmt. Wer glaubt, dass man jetzt bei den Öffentlich-rechtlichen den Buchautor in eine Talkshow einlädt, der glaubt auch noch, dass die Erde eine Scheibe ist.

Die GEZ tauft sich mit dem Wohlfühlname "Beitragsservice" um und verspricht den 40 Millionen Haushalte in Deutschland, dass sie demnächst 218 Euro im Jahr für Rundfunkgebühren bezahlen müssen. Nun gibt es in den Medien heftige Diskussionen darüber, ob die Datenbeschaffung der GEZ gegen das Grundgesetz verstößt und nebenbei eine Kontrolle stattfindet wie sie es damals bei der Stasi gab.

7,5 Milliarden (7.500.000.000 Euro) für was? Ach ja: 67 Radiostationen und 22 öffentlich-rechtliche Fernsehkanäle. Wenn sich die ARD und das ZDF der sozialen Marktwirtschaft stellen müssten, dann blieben 10 Radiostation und 5 Fernsehkanäle übrig. Und nebenbei würde der eine oder andere Kanal wegfallen, der ausschließlich politische Agitation, im Sinne der Stasi betreibt. Auf geht's!

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