Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

02.08.2013

18:05 Uhr

Michael Dell

Dell-Aktionäre bekommen bei Übernahme mehr

Ist das der Durchbruch für Michael Dell bei seinem Bemühen, sein Unternehmen zurückzukaufen? Der Verwaltungsrat hat Ja gesagt zu einem etwas höheren Angebot. Doch stimmen auch die Aktionäre zu? Es gibt weiter Widerstand.

Das von ihm gegründete Unternehmen ist bald wieder seins: Michael Dell kauft Dell von den Aktionären zurück. ap

Das von ihm gegründete Unternehmen ist bald wieder seins: Michael Dell kauft Dell von den Aktionären zurück.

Round RockMichael Dell greift für den Rückkauf des von ihm gegründeten Computerkonzerns etwas tiefer in die Tasche. Er will mit ein paar Cent mehr je Aktie die anderen Anteilseigner überzeugen, an ihn zu verkaufen. Die Aufseher von Dell haben die neue Offerte am Freitag abgenickt.

Dell und der mit ihm verbündete Finanzinvestor Silver Lake einigten sich mit einem extra eingesetzten Gremium des Verwaltungsrats auf einen Preis je Aktie von 13,75 Dollar plus einer Sonderdividende von 0,13 Dollar. Damit steigt das Gesamtangebot auf 13,88 Dollar nach ursprünglich 13,65 Dollar je Anteilsschein.

„Das Komitee ist zufrieden, diese Transaktion ausgehandelt zu haben“, sagte der Vorsitzende Alex Mandl. Allerdings musste sein Komitee Zugeständnisse machen, die die Abstimmung der Aktionäre über das Angebot betreffen: Zum einen zählen nur noch abgegebene Stimmen, nachdem bislang nicht abgegebene Stimmen als Nein gewertet worden wären. Zum anderen dürfen nun auch später eingestiegene Aktionäre mitwählen.

Die Geschichte von Dell

Firmengründung

Michael Dell gründet seine erste Firma 1984 – da ist er gerade 19 Jahre alt und bereitet sich auf ein Medizinstudium in Austin im US-Bundesstaat Texas vor. PC's Limited baut Computer zusammen, die die Kunden – Firmen und Bastler – selbst konfigurieren können. Nach einem Jahr bricht der Jungunternehmer die Uni ab und macht sich mit einem Zuschuss der Familie selbständig.

Erster Computer

1985 gestaltet die Firma ihren ersten eigenen Computer, den Turbo PC. Er hat einen acht Megahertz schnellen Intel-Prozessor und eine Zehn-Megabyte-Festplatte an Bord, außerdem ein Floppy-Laufwerk für 5,25-Zoll-Disketten. Michael Dell verkauft die Geräte direkt an die Nutzer – in Fachmagazinen wirbt er mit niedrigen Preisen. Bestellt wird per Telefon.

Börsengang

Der Direktverkauf zieht dank niedriger Preise viele Kunden an – die Firma wächst rasant und geht bereits 1988 unter dem Namen Dell Computer an die Börse. Sie sammelt 30 Millionen Dollar ein und wird mit 85 Millionen Dollar bewertet.

Erstes Laptop

Das erste Laptop der Firma Dell kommt 1989 auf den Markt: Das 316LT wiegt rund 6,8 Kilogramm. Bei den bald sehr populären mobilen Rechnern setzen allerdings zunächst andere Hersteller die Trends.

Vertrieb übers Internet

Als eines der ersten Unternehmen nutzt Dell die Möglichkeiten des World Wide Web, bereits 1996 geht die Website dell.com online. Schon bald macht die Firma damit ordentliche Umsätze.

Die Nummer 1

Anfang des Jahrtausends macht Dell alles richtig: Die Lieferkette ist schlank, der Vertrieb effizient. Im Jahr 2000 ist Dell der größte PC-Hersteller der Welt. Allerdings zeichnet sich bereits ab, dass die Konkurrenz dazulernt.

Der Gründer tritt ab und kehrt zurück

2004 zieht sich Michael Dell aus dem operativen Geschäft der Firma zurück. Den Chefposten übernimmt Kevin Rollins. Er hat allerdings wenig Glück: Die Resultate enttäuschen. 2007 muss er gehen – und Gründer Michael Dell kehrt an die Spitze zurück.

Der Konsument im Fokus

Der neue alte Chef versucht, attraktive Geräte für Verbraucher zu entwickeln. Zudem verkauft Dell seine Rechner nun auch im Einzelhandel – allerdings zulasten der Marge. Im Wettbewerb mit Hewlett-Packard, Apple und etlichen asiatischen Anbietern verliert Dell allerdings immer mehr an Boden. Den Trend zu Smartphones und Tablets verschläft Dell fast komplett.

Vorstoß ins Service-Geschäft

Um sich breiter aufzustellen, kauft Dell mehrere Anbieter von IT-Dienstleistungen. So übernimmt der Konzern 2009 Perot Systems für 3,9 Milliarden Dollar.

Die Änderungen spielen Michael Dell in die Hände. Er will zusammen mit den Finanzinvestor Silver Lake den Computerkonzern aufkaufen, von der Börse nehmen und angesichts der rückläufigen PC-Verkäufe radikal umbauen. Doch Großaktionäre sperrten sich dagegen, weil sie der Auffassung sind, unter Wert zu verkaufen.

Größter Kritiker ist Milliardär Carl Icahn. Er äußerte sich auf dem Kurznachrichtendienst Twitter zu dem erhöhten Angebot: „Wir sind glücklich darüber, eine weitere Schlacht in dem Dell-Krieg gewonnen zu haben. Aber der Krieg selbst ist weit entfernt davon, vorüber zu sein. Es kommt noch mehr.“

Icahn hatte einen Gegenvorschlag eingereicht. Er will zusammen mit seinem Verbündeten Southeastern Asset Management im Kern durchsetzen, dass der Konzern einen Teil der Aktien für 14 Dollar pro Stück zurückkauft. Wegen diverser Nebenarrangements und Unwägbarkeiten sind die Angebote aber schwer zu vergleichen.

Der Showdown soll nun am 12. September stattfinden. Auf diesen Termin hat Dell zum erneuten Male die Versammlung verschoben, auf der die Aktionäre über das Angebot abstimmen sollen. Eigentlich hätten sie dies bereits an diesem Freitag tun sollen. Die gesamte Übernahme ist nach den alten Bedingungen 24,4 Milliarden Dollar schwer. Der Aufschlag bringt den Aktionären 350 Millionen Dollar zusätzlich.

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×