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14.07.2015

12:44 Uhr

Micron im Visier

Chinesen wollen sich US-Chiphersteller schnappen

Ein staatlicher chinesischer Konzern will offenbar den US-Chiphersteller Micron für mehr als 20 Milliarden Dollar kaufen. Für China wäre das die bisher größte Firmenübernahme in den USA – und ein Technologiesprung.

Laut „Wall Street Journal“ bietet Tsinghua Unigroup 21 Dollar je Micron-Aktie. Reuters

Finanzinvestor Tsinghua Unigroup

Laut „Wall Street Journal“ bietet Tsinghua Unigroup 21 Dollar je Micron-Aktie.

Peking/San FranciscoIn der Chip-Branche bahnt sich Insidern zufolge die bisher größte Übernahme eines US-Konzerns durch ein chinesisches Unternehmen an. Die von der Regierung in Peking gestützte Tsinghua Unigroup wolle Micron Technology 23 Milliarden Dollar anbieten, sagten mit der Angelegenheit vertraute Personen. Das Vorhaben könne schon am Mittwoch bekanntgegeben werden.

Ein Micron-Sprecher erklärte allerdings am Dienstag, es sei kein Gebot eingegangen. Micron mit Sitz in Idaho ist in den USA der letzte große Hersteller sogenannter DRAM-Chips, die in PCs laufen. In China würde die Übernahme die Position von Tsinghua als Vorreiter der Technologie-Branche stärken. In der Welt-Liga der Chip-Hersteller spielt China bisher nicht mit.

Die größten Chiphersteller

Ein Milliardenmarkt

Chips stecken in immer mehr Geräten – vom Auto bis zur Smartwatch. Deswegen wächst die Nachfrage. Nach Einschätzung der Marktforschungsfirma Gartner erreichte der weltweite Umsatz mit Halbleitern 2013 rund 315 Milliarden Dollar, ein Plus von 5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Dominator Intel

Intel ist und bleibt die Nummer 1. Der US-Konzern hielt 2013 nach Angaben von Gartner 15,4 Prozent Marktanteil. Der Umsatz sank allerdings um 1 Prozent auf 48,6 Milliarden Dollar, vor allem wegen des schrumpfenden PC-Marktes.

Samsung macht auch in Chips

Samsung ist für seine Smartphones und Fernseher bekannt, doch der südkoreanische Konzern ist auch der zweitgrößte Chiphersteller mit einem Marktanteil von 9,7 Prozent. In den letzten Jahren wuchs Samsung rasant, nicht zuletzt dank des steigenden Bedarfs an Speicherbausteinen (DRAM und NAND). Der Umsatz: 30,6 Milliarden Dollar, ein Plus von 7 Prozent.

Qualcomm wächst dank Smartphones

Der US-Hersteller Qualcomm profitiert vom Smartphone-Boom, mit seinen Prozessoren für die mobilen Geräte sowie mit Komponenten für den Datenturbo LTE steigerte er seinen Marktanteil auf 5,5 Prozent. Umsatz: 17,2 Milliarden Dollar.

Sonstige Anbieter

Mehrere andere Unternehmen machen mit Halbleitern zweistellige Milliardenumsätze: SK Hynix aus Südkorea, Toshiba aus Japan sowie Micron und Texas Instruments aus den USA.

Doch die Volksrepublik strebt nicht zuletzt aus Furcht vor Cyber-Spionage eine eigenständige Chip-Produktion an. Dabei kommt Tsinghua Unigroup eine zentrale Rolle zu. Das Unternehmen ist aus einer Beteiligungsgesellschaft hervorgegangen und wird von der angesehenen Tsinghua Universität in Peking kontrolliert. Im vergangenen Jahr mauserte es sich durch den Kauf zweier chinesischer Halbleiter-Firmen zum Chip-Konzern und ging seitdem milliardenschwere Partnerschaften mit Intel und HP ein, um Chinas Kompetenz auf dem Gebiet auszubauen.

Weltmarktführer Samsung Electronics sowie Rivale SK Hyinx – beide aus Südkorea – produzieren zwar in der Volksrepublik. Keiner der Branchengrößen der Chip-Industrie hat aber seinen Sitz in China. Micron produziert neben PC-Chips auch sogenannte NAND-Halbleiter, die in zukunftsträchtigeren Mobilgeräten wie Smartphones zum Einsatz kommen.

Firmenübernahmen

Chinesische Investoren auf Einkaufstour in Deutschland

Firmenübernahmen : Chinesische Investoren auf Einkaufstour in Deutschland

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Unternehmen aus dem aufstrebenden Schwellenland sind in der Vergangenheit wiederholt auf Einkaufstour in den USA gegangen. So erwarb der weltgrößte Computer-Hersteller Lenovo unlängst von Google den Handy-Hersteller Motorola und von IBM die Server-Sparte. Über die Pläne von Tsinghua berichtete am Dienstag zunächst das „Wall Street Journal“.

Sollte es tatsächlich zu einer Offerte kommen, dürften sowohl die Behörden in den USA als auch in China den Deal genau unter die Lupe nehmen. In den USA wird es um Fragen der nationalen Sicherheit gehen, in China um die Genehmigung für milliardenschwere Investitionen im Ausland.

Micron-Aktien notierten in den USA vorbörslich fast 13 Prozent im Plus. Die Tsinghua-Offerte würde einem Aufschlag von gut 19 Prozent auf den Schlusskurs von Montag entsprechen.

Von

rtr

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