Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

27.10.2016

03:35 Uhr

Microsoft attackiert Apple und Amazon

Die Kriegserklärung

VonAxel Postinett

Die alten Rivalen sind zurück. Sie tragen ihre Fehde aus wie nie zuvor. Microsoft greift Apple frontal im ureigensten Premium-Markt an. Und ein neuer Gegner bekommt ebenfalls die Kriegserklärung zugestellt: Amazon.

Wie der Wall Street-Handel lief

Microsoft kann mehr als Windows

Wie der Wall Street-Handel lief: Microsoft kann mehr als Windows

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

New YorkEs ist ein Angriff, der mitten ins Herz zielt. Der superschlanke 28-Zoll-Bildschirm des neuen „Surface Studio“-PC von Microsoft lässt sich dank eines speziellen Gewichtsausgleichs in der Bodenstation mit einem Finger sanft von der Senkrechten bis fast in die Horizontale bewegen. Die Auflösung mit 4500 x 3000 Bildpunkten ist höher als bei einem 4K-Fernseher und kommt nach den Papierwerten bis auf einen Wimpernschlag an Apples Flaggschiff-PC, den 27-Zoll-iMac mit einer Bildschirm-Auflösung von 5000 Pixeln, heran. Wie der Vergleich der Farbechtheit aussieht, wird die Zukunft zeigen, wenn die „Surface Studio“-PCs Ende 2016 im Markt sind.

Microsoft umgarnt mit dem 3000 Dollar teuren „Surface Studio“ die Apple-Kernzielgruppe. Reuters

Microsoft Surface Studio

Microsoft umgarnt mit dem 3000 Dollar teuren „Surface Studio“ die Apple-Kernzielgruppe.

Neue Designsoftware wie Adobe CC oder Bluebeam sieht nicht mehr aus wie bisher. Vergessen sind tausende verschachtelte Photoshop-Untermenüs zum Anklicken. Ein Steuergerät, in Form eines Eishockey-Pucks auf dem Bildschirm oder auf dem Schreibtisch platziert, öffnet je nach Arbeitsanspruch einen passenden digitalen Kreis von Steuerbefehlen. Ein Strich mit dem hochpräzisen Stift (Pen) über den Berührungsbildschirm und gleichzeitiges Drehen am „Surface Dial“ produziert eine Linie mit kontinuierlich wechselnder Farbe.

Microsoft umgarnt mit dem 3000 Dollar teuren „Surface Studio“ die Designer in New York und Shanghai, die Animatoren in Hollywood und Tokio, die Ingenieure in Detroit oder Ingolstadt. Mit anderen Worten: Die Kernzielgruppe, die Apple noch verblieben ist.

Journalisten testen in New York die Features des neuen Microsoft-Geräts. Reuters

Microsoft Surface Studio

Journalisten testen in New York die Features des neuen Microsoft-Geräts.

Der Angriff kommt natürlich nicht zufällig gerade jetzt. Am Dienstag hatte Apple Quartalszahlen vorgelegt, die von der Börse mit gemischten Gefühlen aufgenommen wurden. Die Aktie brach am Mittwoch um 2,25 Prozent ein. Wo sind die Innovationen, lautete die Frage an Tim Cook.

Für den Donnerstag hat Apple eine Veranstaltung angesetzt, bei der es um Updates für die MacBook-Laptops gehen wird. Laut KGI-Analyst Ming-Chi Kuo sind aber keine Updates für die 21- und 27-Zoll-iMacs vorgesehen. Der Analyst erwartet sie erst im März oder April 2017.

Das ist die Lücke, in die Microsoft-Chef Satya Nadella hineinstößt. PCs stellten im abgelaufenen Quartal die problematischste Produktgruppe für Apple dar, mit Absätzen weit unter den Erwartungen. Doch Apples Computer liefern immer noch zehn Prozent des Jahresumsatzes und brauchen deshalb dringend eine Auffrischung.

Nadella hat nun die Messlatte für Tim Cook extrem hoch gelegt. Ein schnellerer Prozessor und ein paar kleine Features wird der Apple-Chef jetzt nicht mehr mit dem üblichen „Ist das nicht unglaublich?“ ankündigen können.

Auch das bei Kritikern hoch gelobte „Surface Book“ von Microsoft erhält ein Upgrade. Der Business-Laptop mit abnehmbarem Bildschirm, laut Hardware-Chef Panos Panay das Gerät mit der besten Kundenbewertung aller Windows-Geräte und besserer als Apples MacBook, bekommt einen stärkeren Intel i7-Prozesser, 16 statt zwölf Stunden Batterielaufzeit und verdoppelter Grafikleistung. Dafür kosten das Gerät jetzt 2400 Dollar aufwärts.

Microsoft hat einen guten Lauf. Erst vergangene Woche hat die Aktie zum ersten Mal seit 1999 ein neues Rekordhoch erreicht. Die Diversifizierung der einstigen Windows-Firma beschleunigt sich zusehends. Das Abenteuer Nokia ist abgeschrieben. Cloud-Computing und Software aus der Cloud, so wie das „Office 365“, gewinnen an Bedeutung. Künstliche Intelligenz und das lernende Maschinen sind Wachstumsfelder.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×