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29.04.2015

09:15 Uhr

Microsoft-Entwicklerkonferenz

Nadellas Reifeprüfung

VonAxel Postinett

Microsoft wird 40. Ist die Zeit über die einstige Ikone der Softwarewelt hinweggegangen? Wenn es eine Zukunft für Windows in der IT-Welt gibt, dann wird Microsoft-Chef Satya Nadella es ab Mittwoch beweisen müssen.

Die Entwicklerkonferenz „Build“ wird für den Microsoft-Chef zur Bewähurngsprobe. ap

Satya Nadella

Die Entwicklerkonferenz „Build“ wird für den Microsoft-Chef zur Bewähurngsprobe.

San Francisco„Developers, Developers, Developers“. Der Auftritt ist Legende: 2006, mit durchgeschwitztem Hemd, die Faust geballt, aus voller Kehle heiser skandierend, tanzt der damalige Microsoft-Chef Steve Ballmer wie ein Derwisch über die Bühne. Immer wieder heizt der bullige Ballmer den Saal an, bis seine Stimme versagt. Die Botschaft an die tausenden Zuhörer auf der Partner-Konferenz des Konzerns: Nichts ist so wichtig für Microsoft wie ihr, die Software-Entwickler. Windows ist nur so gut wie die Programme, die es dafür gibt.

Das galt damals und heute erst recht. Ab Mittwoch kommen tausende Software-Entwickler in San Francisco zusammen, um zu erfahren, ob Windows ihre Zukunft ist. Mit einem Beschwörungstanz und markigen Sprüchen wird Satya Nadella diesmal allerdings nicht davonkommen. Im Sommer wird Windows 10 erwartet, das genaue Startdatum wird heute am Abend deutscher Zeit bekanntgegeben werden. Hat es genug neue Funktionen um die Kunden zu begeistern? Ist es vielversprechend genug für Software-Entwickler noch einmal in den Riesen aus Redmond zu investieren?

Laut eMarketer werden bis 2016 rund zwei Milliarden Menschen ein Smartphone besitzen. Und praktisch keines davon wird Windows als Betriebssystem haben. Das ist fatal in einer Zeit, in dem Arbeitsplätze mobil werden. Google und Apple haben 97 Prozent des Marktes erobert. Wer Windows hört, der denkt an PC und sinkende Absatzzahlen. Noch immer laufen fast 60 Prozent aller PCs und Laptops der Welt zudem auf dem sechs Jahre alten Windows 7, weil Windows 8 nie überzeugen konnte.

Windows 10 ist der Versuch das zu ändern und ein einheitliches Betriebssystem über alle Plattformen von PC über Smartphones und Tablets bis zur Spielekonsole zu schaffen. Das ist das Ende der Ableger Windows RT und Windows Phone, "One Windows" verspricht Nadella den zweifelnden Software-Herstellern. Wer einmal programmiert, der kann auf allen Geräten verkaufen. Gibt es viele Apps, läuft auch der Smartphone-Verkauf besser, ist seine Hoffnung.

Nadella, seit 2014 an der Spitze geht mit Rückenwind in diese Woche. Mit einen Jahresumsatz von 86 Milliarden Dollar in 2014 steht das Unternehmen gut da. Starken Quartalszahlen für Anfang 2015 erfreuten die Anleger. Sie zeugen von Anfangserfolgen seiner „Mobile First, Cloud First“-Strategie. Der Aktienkurs ist zuletzt so stark gestiegen, dass Mitgründer Bill Gates wieder reichster Mann der Welt ist.

Wie Windows wurde, was es ist

Windows 1.0

Der Urahn des inzwischen meistgenutzten PC-Betriebssystems kam im November 1985 auf den Markt. Damals war Microsoft noch ein Außenseiter, während der Platzhirsch IBM und der Aufsteiger Apple den Kampf um den PC-Markt auszufechten schienen. Anfangs arbeitete sich Windows nur mühsam ins Geschäft – denn Microsoft verzichtete zunächst angesichts eines jahrelangen Patentstreits mit Apple auf grafische Bedienungselemente.

Windows 3.1

Mit dieser Version lernte Windows 1992, Videos abzuspielen, bekam die ersten integrierten Spiele und neue Schriften. Die Grundansicht mit den überlappenden Fenstern und einem Desktop für Programm-Symbole blieb – mit einigen Design-Änderungen – lange erhalten.

Windows NT

Parallel zu den Consumer-Versionen von Windows entwickelte Microsoft nach dem Scheitern des OS/2-Projektes mit IBM eine Windows-Version mit einem neuen Programm-Kern („Windows New Technology“). NT wurde mit Windows 2000 fortgeführt und ging später in Windows XP auf.

Windows 95

Die radikale Erneuerung von 1995 brachte in Grundzügen das Windows, das heute praktisch jeder kennt. Unter anderem wurde der „Start“-Knopf mit dem Balken am unteren Bildschirmrand eingeführt. Nachdem nachträglich der Web-Browser Internet Explorer zum Windows-Grundpaket hinzugefügt wurde, setzte sich Microsoft zum Ärger der Wettbewerbshüter in diesem Bereich gegen den Pionier Netscape durch. Auf die Version folgten die kleineren Aktualisierungen Windows 98 und ME.

Windows XP

2001 brachte Microsoft die bisher langlebigste Version seines Betriebssystems auf den Markt, die immer noch auf vielen Rechnern läuft. Mit Windows XP wurden viele visuelle Effekte hinzugefügt, ebenso wie wichtige Funktionen wie etwa schneller Benutzerwechsel, eine integrierte Firewall für mehr Sicherheit und verbesserter Medienwiedergabe.

Windows 7

Das Betriebssystem Windows Vista sollte XP verdrängen, wurde von den Nutzern aber weitgehend ignoriert. Die 2007 veröffentlichte Version bot zwar neue Bildschirmansichten, aber eine für viele Nutzer verwirrende Rechteverwaltung für Benutzerkonten. Erst mit der Vorstellung von Windows 7 im Oktober 2009 konnte Microsoft die Anwender wieder überzeugen.

Windows 8

Mit Windows 8 wollte sich Microsoft für den Wandel der Computer-Welt rüsten: Die neue Kacheloberfläche ist für Touchscreens ausgelegt und eignet sich damit auch für Tablet-Computer – äußerlich ähnelt das System damit dem Smartphone-Betriebssystem Windows Phone. Microsoft stellte Windows 8 im Oktober 2012 vor. Gerade an der neuen Bedienung wurde jedoch schnell viel Kritik laut.

Windows 8.1

Ein Update für Windows 8 kam im Oktober 2013 auf den Markt. Das kostenlose Windows 8.1 soll die größten Kritikpunkte an dem Vorgänger ausräumen. So können Nutzer direkt auf den Desktop starten und so die Kacheloberfläche umgehen. Zudem kehrt der Startknopf zurück, wenn auch nicht das klassische Startmenü.

Windows 10

Im Sommer 2015 hat Microsoft Windows 10 auf den Markt gebracht. Der Konzern verspricht so viele Neuerungen, dass die Produktbezeichnung „9“ mit Absicht übersprungen wurde. Das neue System soll auf allen Geräten laufen, vom Desktop-PC bis zum Smartphone. Der Konzern will die Version mit regelmäßigen Updates auf dem Stand der Technik halten. Eine optische Änderung: Das Startmenü kehrt zurück.

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