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28.10.2014

11:53 Uhr

Microsoft gegen Dropbox & Co.

Preiskrieg in den Datenwolken

VonChristof Kerkmann

Microsoft heizt den Preiskrieg an: Der Software-Konzern bietet Kunden seiner Office-Software unbegrenzt Speicherplatz in der Datenwolke. Das ist eine Kampfansage an Google und Amazon – und noch viel mehr an Dropbox.

Alles verbunden: Cloud-Dienste helfen, Daten zu synchronisieren. Die Anbieter liefern sich derzeit einen Preiskampf. Reuters

Alles verbunden: Cloud-Dienste helfen, Daten zu synchronisieren. Die Anbieter liefern sich derzeit einen Preiskampf.

DüsseldorfEs war eine Kriegserklärung per Pressemitteilung. Microsoft hat Montagabend angekündigt, den Abonnenten seines Online-Dienstes Office 365 unbegrenzt Speicherplatz auf seinen Servern zur Verfügung zu stellen. Es sei das „Ende aller Speicherprobleme“, erklärte der Software-Konzern vollmundig. Damit heizt er den Preiskrieg um die Datenwolke weiter an, in dem Start-ups wie Dropbox und Box zu den großen Verlierern gehören.

Wer Office 365 abonniert, erhält künftig unbegrenzt Speicherplatz bei Onedrive – bisher war ein Terabyte inklusive. Damit wird die Ablage in der Cloud zu einem Extra für Word, Excel & Co, das in der Abogebühr von zehn Euro monatlich enthalten ist. Zum Vergleich: So viel verlangt Dropbox derzeit für einen Terabyte Speicher ohne irgendwelche Zusatzfunktionen. „Der Wettbewerb um den größten Cloud-Speicher zum günstigsten Preis ist beendet“, erklärt Thorsten Hübschen, verantwortlich für das Office Geschäft bei Microsoft Deutschland.

In den vergangenen Monaten hatten mehrere Anbieter die Preise für Onlinespeicher massiv gesenkt. Unbegrenzte Kapazität bietet Google bereits Firmenkunden, die für zehn Dollar im Monat die Anwendungen „Apps for Business“ nutzen. Auch Apple mischt sich mit seinem Dienst iCloud Drive in den Kampf ein, 200 Gigabyte kosten vier Dollar pro Monat. Darauf mussten die Start-ups reagieren: Dropbox verzehnfachte den Platz für Abonnenten des Pro-Paketes auf einen Terabyte, Box bietet Firmenkunden unbegrenzt Speicher.

Der jüngste Schritt des Windows-Konzerns stellt die Frage, wie viel Online-Speicher überhaupt wert ist. Die IT-Riesen sehen Cloud-Dienste als eine Möglichkeit, Kunden an sich zu binden. Geld verdienen sie mit anderen Dingen – Apple mit Geräten, Microsoft mit Software, Google mit Werbung. Die Kosten für die Cloud sind für die Konzerne letztlich Marketingausgabe, die dank der sinkenden Hardware-Preise immer weniger ins Gewicht fallen.

Dropbox, Box und die Konkurrenz

Gegen den Speicherfrust

Die Idee für Dropbox kam Gründer Drew Houston, als er Probleme hatte, seine Daten auf mehreren Computern zu synchronisieren. 2007 gründete er das Start-up. Auf die Idee kamen indes auch andere – es gibt zahlreiche Anbieter, darunter auch Box.com.

Zugriffe von allen Geräten

Speicher-Dienste wie Dropbox und Box wollen es den Nutzern ermöglichen, von möglichst allen Geräten auf die Daten zuzugreifen. Daher gibt es Programme für den PCs und Apps für Smartphones. Über Schnittstellen können zudem die Entwickler von Online-Diensten den Speicherplatz nutzen.

Üppige Finanzierung

Dropbox hat seit der Gründung 2007 bereits 1,1 Milliarden Dollar Risikokapital erhalten, zu den Geldgebern zählen renommierte Investoren wie Sequoia Capital und Accel Partners. Medienberichten zufolge taxierten sie den Wert des Start-ups auf bis zu zehn Milliarden Dollar. Box ist mit rund 560 Millionen Dollar Risikokapital ebenfalls üppig ausgestattet – unter anderem gab Adreessen Horowitz dem Team um Gründer Aaron Levie Geld.

Unterschiedliche Schwerpunkte

Droxpbox und Box haben unterschiedliche Schwerpunkte: Dropbox ist vor allem bei Verbrauchern beliebt, auch wenn das Unternehmen sich seit einiger Zeit verstärkt um lukrative Geschäftskunden bemüht. Box ist von vornherein mehr auf Firmen ausgerichtet gewesen.

Konkurrenz von den Großen

Die beiden Start-ups geraten allerdings immer mehr unter Druck, weil IT-Konzerne wie Google, Microsoft und Amazon ebenfalls Speicherdienste anbieten, teils zu Kampfpreisen. Die Unternehmen haben daher ihre Preise massiv senken müssen.

Schwieriges Geschäft

Wie schwierig das Geschäft ist, zeigen die Bilanzen von Box, die das Start-up im Zuge des verschobenen Börsengangs veröffentlicht hat. Im Geschäftsjahr 2013 betrug der Verlust 169 Millionen Dollar, bei 124 Millionen Dollar Umsatz. Dropbox veröffentlicht keine Zahlen, nach Informationen des „Wall Street Journal“ lag der Umsatz im vergangenen Jahr bei rund 200 Millionen Dollar.

Für Dropbox und Box wird es indes immer schwieriger, Geld zu verdienen. Beide Start-ups wollen sich damit abheben, dass ihre Dienste auf möglichst vielen Geräten und in möglichst vielen Programmen verfügbar sind – sie sollen die Daten auf allen Bildschirmen vom Smartphone bis zum Fernseher synchronisieren und sie als Infrastruktur des Cloud-Zeitalters dienen. Gerade Dropbox steht unter Druck: Der Dienst von Gründer Drew Houston ist vor allem bei Verbrauchern beliebt, die stärker auf die Preise schielen als Unternehmen. Box zielt stärker auf Firmenkunden ab.

„Die reiferen Firmen haben viel Geld, mit dem sie diese Preiskriege entfesseln können“, sagte der Software-Experte Mark McCaffrey von der Beratungsfirma Pricewaterhouse Coopers (PWC) der US-Zeitung „San Jose Mercury News“. Das bedeute, dass nicht unbedingt die bessere Technologie gewinne – die hätten nämlich oft die Start-ups.

Beide Start-ups haben riesige Summen Risikokapital eingesammelt (siehe Infokasten) und stehen somit unter Druck, den Geldgebern ihr Investment zurückzuzahlen, etwa über einen Börsengang. Doch der Preiskampf durchkreuzt diese Pläne: Box hat zwar im März den Gang aufs Parkett angekündigt, ihn aber immer noch nicht angetreten. Auch der Börsengang von Dropbox steht in den Sternen. Womöglich könnte am Ende doch ein Verkauf an einen der Konzernen stehen.

Vielleicht hatte Steve Jobs doch recht: Der inzwischen verstorbene Apple-Gründer wollte 2009 Dropbox übernehmen und beschied die Gründer damit, das Start-up biete ein Feature, kein Produkt.

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