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25.04.2014

15:32 Uhr

Microsoft kauft Handysparte

Der langsame Abschied von Nokia

VonChristof Kerkmann

Nokia und Handys, das war einmal: Der Verkauf der Gerätesparte an Microsoft ist offiziell. Der Name Nokia wird aber nicht so schnell verschwinden – zu viele Menschen verbinden damit etwas, zu wertvoll ist die Marke.

Traditionsreicher Name: Künftig werden Verbraucher allerdings kaum noch von Nokia hören. Reuters

Traditionsreicher Name: Künftig werden Verbraucher allerdings kaum noch von Nokia hören.

DüsseldorfEs ist ein historischer Schritt: Nokia, einst größter Handyhersteller der Welt, verkauft seine defizitäre Gerätesparte an Microsoft. Der im September 2013 angekündigte Deal sei formal abgeschlossen, teilten die Unternehmen am heutigen Freitag mit. Die Sparte wird zu einer Tochterfirma des US-Konzerns und heißt ab jetzt Microsoft Mobile, rund 25.000 Nokia-Mitarbeiter wechseln dorthin. Damit ist der Abschied einer global bekannten Marke eingeläutet – allerdings auf Raten.

Das Unternehmen Nokia verschwindet nicht. Der Konzern, der erst ganz Finnland stolz machte und dann in die Verzweiflung stürzte, konzentriert sich nun indes auf Geschäfte, von denen Verbraucher kaum etwas mitbekommen. Da ist zum einen die Netzwerktechnik unter dem Namen Nokia Solutions and Networks, die der Konzern nach einem glücklosen Joint Venture mit Siemens seit dem vergangenen Jahr wieder eigenständig betreibt. Nur das Kürzel NSN bleibt.

Zum anderen investiert das Unternehmen kräftig in sein Geschäft mit Landkarten. Das läuft jedoch nicht unter dem eigenen Namen, sondern der Marke Here – die wurde nicht zuletzt auch deswegen gewählt, damit Gerätehersteller nicht den Namen eines Konkurrenten verwenden müssen. Millionen Menschen nutzen den Dienst auf ihren Smartphones und Navis, ohne dass etwas an Nokia erinnert.

So sieht das neue Nokia aus

Konzern im Wandel

Es ist eine Zeitenwende für Nokia: Der finnische Konzern hat sein Kerngeschäft mit Handys an Microsoft verkauft. In den letzten Jahren hatte er an Marktanteilen verloren und rote Zahlen geschrieben. Das neue Nokia ruht auf drei Säulen.

Netzwerktechnik

Die wichtigste Säule des Konzerns ist jetzt die Netzwerktechnik. Im Juli 2013 kaufte Nokia den Partner Siemens für 1,7 Milliarden Dollar aus dem Joint Venture heraus, um das Geschäft wieder allein zu betreiben. Angesichts des Smartphone-Booms wirkt der Aufbau von Netzen der Mobilfunk-Anbieter auf den ersten Blick als sicheres Geschäft, doch in der Branche herrscht ein harter Wettbewerb. NSN konkurriert mit Ericsson, Alcatel-Lucent und den chinesischen Rivalen Huawei und ZTE. Der Preiskampf wird weiter anhalten, zumindest muss sich Nokia nicht mehr mit einem Partner über die Strategie streiten.

Landkarten

Das zweite große Nokia-Standbein sind die Kartendienste unter dem Markennamen Here. Hier kauften die Finnen bereits 2007 für gut acht Milliarden Dollar den Karten-Spezialisten Navteq und investierten seitdem massiv in den Aufbau eines vollwertigen Online-Angebots sowie Navigationsdiensten. Allerdings ist das Geschäft teuer und die Konkurrenz groß – gerade Google gibt viel Geld aus. Nokia will seine Kartendienste auf andere Betriebssysteme bringen, die Daten werden bereits in vielen Auto-Navigationssystemen genutzt. Zu einem großen Teil werden die Nokia-Kartendienste in Berlin entwickelt.

Patente

Nokia hält ein umfangreiches Patentportfolio – das Geschäft mit Lizenzen soll künftig die dritte Säule des neu ausgerichteten Konzerns werden.

Rückkehr möglich

Nokia hat sich gegenüber Microsoft verpflichtet, vorerst keine Mobiltelefone zu verkaufen. Nach Ablauf einer Frist wäre das allerdings durchaus erlaubt, andere Geräte wie Smartwatches dürfte das Unternehmen bereits jetzt auf den Markt bringen. Konkrete Pläne sind nicht bekannt, aber eine Rückkehr in das Geschäft mit Elektronik ist nicht ausgeschlossen.

Wie genau Microsoft mit dem neuen Geschäftszweig verfährt, ist derzeit unklar. Eine Markenänderung werde heute nicht angekündigt, teilte das Unternehmen mit. Dass es den Namen von jetzt auf gleich tilgt, ist aber unwahrscheinlich. Der Windows-Konzern hat die Lizenz, ihn zehn Jahre zu nutzen. Die Nokia-Marken Lumia und Asha, nach denen die Gerätereihen für hochwertige und einfache Smartphones benannt sind, übernimmt er komplett. Das ermöglicht einen Übergang.

Die Marke Lumia steht inzwischen für sich, auch ohne den Namen des Herstellers – ähnlich wie bei den Galaxy-Geräten von Samsung. Aber: „Der Name Nokia ist immer noch stärker als Asha – es wäre nicht klug, sofort darauf zu verzichten“, sagt Annette Zimmermann, Analystin beim Marktforscher Gartner. Das gelte vor allem in den Schwellenländern, wo nur wenige Menschen einen PC, aber fast alle ein Handy ihr Eigen nennen.

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