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22.11.2013

10:57 Uhr

Microsoft-Manager Kaltner

„Wir müssen in Deutschland Gas geben“

VonChristof Kerkmann

Neues Spiel, neues Glück: Microsoft verkauft ab heute seine Konsole Xbox One. Der Konzern will damit in Deutschland Konkurrent Sony überholen. Dafür investiert er massiv in die Werbung – nicht nur im Weihnachtsgeschäft.

Rennspiel auf der Xbox One: Die Konsole bleibt acht bis zehn Jahre auf dem Markt. ap

Rennspiel auf der Xbox One: Die Konsole bleibt acht bis zehn Jahre auf dem Markt.

DüsseldorfMicrosoft und Sony kämpfen um die Herzen der Computerspieler: Beide Konzerne bringen in diesen Tagen die neue Generation ihrer Spielkonsolen heraus. „Mittelfristig wollen wir die Nummer 1 werden“, sagt Microsoft-Manager Oliver Kaltner, der in Deutschland das Spielkonsolen-Geschäft leitet. Dafür investiere man eine Millionensumme in die Werbung.

Handelsblatt Online: Sie konnten ja bereits die Xbox One testen. Was ist Ihr Lieblingsspiel?
Oliver Kaltner: Ich bin ein bekennender Rennspieler, „Forza 5“ ist mein Lieblingsspiel. Es gibt die Fahreigenschaften realistisch wieder, und zeigt, wie gut die Grafik der Xbox One ist.

Oliver Kaltner ist Mitglied der Geschäftsführung bei Microsoft Deutschland. Microsoft

Oliver Kaltner ist Mitglied der Geschäftsführung bei Microsoft Deutschland.

Sony hat innerhalb weniger Tage eine Million Playstation 4 abgesetzt. Wie viele Geräte wollen Sie verkaufen?

Es kommt nicht auf die ersten Tage an, die Konsole bleibt wahrscheinlich acht bis zehn Jahre im Markt. Für einzelne Länder geben wir keine Zahlen heraus. Was ich sagen kann: Wir sind in Deutschland die Nummer 2 hinter Sony und konnten den Abstand zuletzt deutlich verringern. Mittelfristig wollen wir die Nummer 1 werden.

Das Weihnachtsgeschäft ist besonders wichtig. Wie viel Geld investieren Sie ins Marketing?

Wir geben einen deutlich zweistelligen Millionenbetrag für Werbung aus, die Kampagne zieht sich bis ins Ostergeschäft. Deutschland ist der drittgrößte Absatzmarkt für die Xbox One – wir müssen hier Gas geben!

Sony verkauft sein Gerät ja für 100 Euro weniger. Wie rechtfertigen Sie den Aufpreis?

Die Xbox One hat einen fairen Preis – da ist alles schon drin, was man braucht. Sie ist eine Entertainment-Plattform, in erster Linie für Spiele, aber auch für Multimedia-Inhalte. Skype, der Internet Explorer und unsere Suchmaschine sind integriert. Die Konsole ist für die Zukunft gebaut.

 

Xbox One im Überblick

Nach 360 kommt One

Die Xbox One ist die Nachfolgerin der Xbox 360, die vor acht Jahren auf den Markt gekommen war. Microsoft stellte das Gerät im März vor.

Konkurrenz zu Sony

Hauptkonkurrent ist die Playstation 4 von Sony, die mit einer ähnlichen Rechenleistung aufwartet und eine ähnliche Zielgruppe anspricht: die sogenannten Hardcore-Gamer.

Bewegungssteuerung inklusive

Die Bewegungs- und Sprachsteuerung Kinect ist im Preis von rund 500 Euro bereits inbegriffen.

Verbesserter Controller

Äußerlich sieht der Controller dem Vorgänger ähnlich, er soll aber mehr als 40 Verbesserungen enthalten. Mehr als 100 Millionen Dollar hat die Entwicklung angeblich verschlungen.

Gewöhnliche Prozessoren

In beiden neuen Konsolen kommen herkömmliche PC-Prozessoren zum Einsatz – auf teure Eigenentwicklungen verzichteten die Hersteller dieses Mal. Das erleichtert Programmierern die Arbeit und gibt Spielraum für Preissenkungen.

Internet auf dem Fernseher

Microsoft bezeichnet die Xbox One als Entertainment-Plattform: Nutzer können damit nicht nur spielen, sondern auch Videos anschauen und Online-Dienste nutzen. So sind ein Browser und der Videotelefonie-Dienst Skype an Bord.

Diskussionen über Datenschutz

Einige neue Funktionen haben die Xbox One in den Fokus von Datenschützern gerückt. Ein zunächst verkündeter Online-Zwang und die Ankündigung, Mikrofon und Kameras seien nicht abschaltbar, löste bei Nutzern und Datenschützern Empörung über die „Schnüffelbox“ aus. Microsoft ruderte inzwischen zurück.

Ein Ärgernis für Spieler in Deutschland: Die Konsole ist multimediatauglich, aber das Videoangebot ist klein. Warum?

Die deutschen Fernsehsender müssen schneller werden. Sie haben die Jugendlichen schon verloren, die sehen kaum noch fern und stellen sich ihr Programm lieber mit Youtube-Kanälen zusammen. Die Unternehmen müssen ihr Programm auf allen Geräten anbieten, ob Spielkonsole, Smartphone oder Tablet-Computer, da erreichen sie die junge Zielgruppe. Wir bei Microsoft Deutschland sprechen mit vielen Anbietern. Sky und die Pro7Sat1-Gruppe sind sehr aufgeschlossen, aber die anderen verhindern selbst gute Geschäfte.

In früheren Konsolengenerationen subventionierten die Hersteller die Geräte anfangs. Verlieren Sie mit der Xbox One Geld?

Ich habe einen klaren Auftrag von Microsoft: Das Geschäft in Deutschland soll profitabel sein. Wir wollen mit dem Gerät schwarze Zahlen schreiben, selbst wenn das am Anfang ambitioniert ist. Wir verdienen aber auch an Software, Lizenzen und Abo-Gebühren für unser Spiele-Netzwerk Xbox Live.

Verkaufen Sie weiterhin die die ältere Gerätegeneration Xbox 360?

Ja, sie bleibt sicher noch fünf Jahre auf dem Markt. Wir können sie jetzt über andere Vertriebskanäle anbieten, zum Beispiel auch im Lebensmittel-Einzelhandel.

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