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24.05.2016

09:32 Uhr

Microsoft-Tablets

Der Phoenix aus der Asche

VonAxel Postinett

Unzählige Male ist das Hardware-Geschäft von Microsoft für tot erklärt worden. Doch in einem Bunker in Redmond entstehen heute Produkte, die selbst Apple unter Druck setzen. Ein Besuch im Hochsicherheitstrakt.

Es geht um jedes Detail. AP

Surface-Tablet im Microsoft-Labor

Es geht um jedes Detail.

RedmondDas „Building 87“ ist auf den ersten Blick etwas Besonderes. Es ist das einzige fensterlose Gebäude unter den 125 sonst lichtdurchfluteten Glaspalästen auf dem weitläufigen Campus in Redmond, wo über 30.000 Microsoft-Mitarbeiter jeden Tag an Software und Internetdiensten arbeiten. Betreten kann man den bunkerartigen Bau mit 9000 Quadratmetern Nutzfläche nur durch eine Tür. Vorausgesetzt, man wird hineingelassen.

Nicht viel mehr als 100 handverlesene Mitarbeiter lässt die resolute ältere Dame am Eingang durch. Sie kennt sie alle. Hier wird an den geheimsten der geheimen Produkte gearbeitet. Nichts darf nach außen dringen. Bei Reparaturen am Dach ziehen Wachleute auf und werfen schwarze Planen über die wenigen Oberlichter, die sonst spärliches Tageslicht einlassen. Die „Surface“-Tablets haben hier ihren Ursprung und das neue „Surface Book“, ein von Medien und Testern gefeierter Zwitter aus Laptop und Tablet. Es ist ein sogenanntes „2-in-1“-Gerät.

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Ralf Groene designt die Tablets von Microsoft. Selbst Apple hat sich bei ihm etwas abgeschaut.

Microsoft gewährt üblicherweise keinen Zutritt zu diesem Gebäude, schon gar nicht für Journalisten. Normalerweise. Denn es grenzt an ein Wunder, dass das Building 87 überhaupt noch in Betrieb ist und sogar expandiert. Nur wenige hatten geglaubt, dass die Hardwaresparte die Katastrophe von 2013 überleben und wieder auferstehen konnte. Und diese Auferstehung will Microsoft öffentlich machen.

Panos Panay, Chef der Hardwaresparte von Microsoft, hat die Hände ineinander gefaltet und die Arme auf die graue Platte des langen Konferenztischs gelegt. Bedächtig wählt er in dem fensterlosen Konferenzraum seine Worte. „Ich weiß noch genau wer da war, wer wie angezogen war, wer wo gestanden und was gesagt hat“, ruft er sich jenen Tag im Juli 2013 in Erinnerung. „Den werde ich nie vergessen“, sagt er. Die Rede vor Top-Mitarbeitern des Konzerns war gerade beendet, als ihn die Finanzchefin des Konzerns, Amy Hood, beiseite nahm und ihm eröffnete, man werde 900 Millionen Dollar auf unverkäufliche Tablets abschreiben müssen.

Er und seine junge Truppe hatten mit dem 2012 vorgestellten Tablet „Surface RT“ aus dem Stand fast eine Milliarde Dollar versenkt. Der Morgen nach dem Paukenschlag war „noch schlimmer als der Tag selbst“, erinnert er sich. Ihm gegenüber stand ein restlos demoralisiertes Team. „Die Zahlen waren niemandem bekannt. Alle waren völlig vor den Kopf gestoßen. Das Schiff war in voller Fahrt auf ein Riff gelaufen.“ Die Presse zerriss die Hardwareträume des Softwareladens in der Luft, Wall-Street-Analysten forderten den sofortigen Verkauf oder Schließung der Sparte.

Doch er konnte der Mannschaft eine gute Nachricht überbringen: Das Projekt „Surface“ habe eine weitere Chance bekommen. „Ich habe ihnen gesagt, niemand muss an Bord bleiben. Ich könne verstehe, wenn jemand gehen wolle. Aber wer bleibt, der muss weiter an unsere Vision glauben. Microsoft wird Hardware bauen.“ Heute, drei Jahre, mehrere Tablets und eine weitere Abschreibung später, weist Microsofts Hardware-Sparte zum zweiten Mal über eine Milliarde Dollar Umsatz im Quartal aus. Zuletzt gab es einen Umsatzsprung um 61 Prozent zum Vorjahr.

Die Surface-Tablets mit ihrem unverwechselbaren Magnesium-Gehäuse, dem Tastatur-Cover mit Stoffbezug und dem stufenlos verstellbaren Klappständer streiten mit Apples iPad Pro bei Unternehmen, Künstlern und Studenten auf Augenhöhe um Marktanteile. Der Startfehler „RT“ ist beerdigt. Statt des verschlankten Betriebssystems läuft auf den Geräten nur noch „echtes“ Windows. Außerdem haben die Tablets Details wie einen USB-Stecker für Kabel oder externe Speichersticks. „Das können wir den Kunden nicht wegnehmen. Das wäre nicht fair“, erklärt der Chef und jeder weiß, dass er das iPad und die MacBook Air von Apple meint.

Kommentare (8)

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24.05.2016, 11:43 Uhr

Das Book steht zwischen Joghurt-Becher oder so, was ist den das für ein Laden und im Regal stehen wohl die Marmelade-Gläser um die Becher zu füllen.

Account gelöscht!

24.05.2016, 13:03 Uhr

Wieder mal der Spiegel-Troll,
der suggerieren will, dass der echte Spiegel meint, er müsse überall Kommentare schreiben, was dieser natürlich nicht macht.

Frau Annette Bollmohr

24.05.2016, 14:26 Uhr

"Der Phönix aus der Asche"

Fein. Freue mich darüber, dass Microsoft offenbar nicht totzukriegen ist.

Erstmal natürlich schon deshalb, weil ich da seit vielen Jahren "investiert" bin.

Und das, weil mir die Marke eben schon immer sympathisch war; warum, kann ich noch nicht mal so genau sagen.

Da werden jetzt wahrscheinlich wieder einige "typisch Frau" sagen, aber:

Das ist mir wirlich von ganzem Herzen egal.

Zumal sich Frauen in finanziellen Dingen - wenn sie denn die Gelegenheit bekommen, sich damit zu befassen (oder, in anderen Fällen, es sich endlich selbst zutrauen - erwiesenermaßen klüger an als Männer!!

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