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20.07.2015

17:19 Uhr

Microsoft verlässt Salo

In der Nokia-Stadt stirbt die Hoffnung

Seit in den 1970er Jahren eines der ersten Nokia-Werke im finnischen Salo gebaut wurde, ist die Stadt von der Handyindustrie geprägt. Doch jetzt droht dem Standort das Aus. Die Menschen haben Angst vor der Zukunft.

Dem früheren Nokia- und heutigen Microsoft-Werk im finnischen Salo droht das Aus. Reuters

Fabrik in Salo

Dem früheren Nokia- und heutigen Microsoft-Werk im finnischen Salo droht das Aus.

HelsinkiGerade einmal ein gutes Jahr ist es her, da keimte im südfinnischen Salo noch einmal so etwas wie Hoffnung auf. Der US-Softwaregigant Microsoft machte damals die Übernahme der angeschlagenen Handysparte des einstigen Weltmarktführers Nokia perfekt. Nicht wenige der 54.000 Einwohner dachten, dass es jetzt nach mehreren Rückschlägen wirtschaftlich in ihrer Region wieder aufwärtsgehen könnte.

Doch im Sommer 2015 ist jeder Optimismus verpufft. Microsoft hat zum Kahlschlag im Handygeschäft angesetzt. Und der macht auch vor der einstigen Nokia-Hochburg Salo nicht Halt. Dem Standort droht das Aus. „So schlimm hat es sich noch nie angefühlt, hier zu leben“, sagt Maria Gustafsson.

Seit 20 Jahren wohnt sie in Salo. Hier wurde in den 1970er-Jahren eines der ersten Nokia-Werke eröffnet. Die Kleinstadt blühte auf, Tausende Jobs entstanden. Mit dem Aufstieg Nokias kam der Wohlstand. Doch dann hängten Apple und Samsung mit ihren Smartphones Nokia ab. Finnlands Elektronikindustrie geriet ins Hintertreffen. Parallel brach auch noch die weltweite Nachfrage nach Papierprodukten ein, was einen weiteren zentralen Wirtschaftszweig Finnlands traf. Und die Europäische Union verhängte im Zuge der Ukraine-Krise Sanktionen gegen Russland, einen der wichtigsten Handelspartner des skandinavischen Landes.

Seit drei Jahren steckt Finnland nun in der Rezession. Hohe Arbeitslosigkeit und die Angst, wie es weitergehen soll, machen die Runde. Davon profitieren Euroskeptiker und Rechtspopulisten, die jetzt mit in der Regierung sitzen. Zum Ministerpräsident wählten die Finnen im Frühjahr Juhä Sipilä von der Zentrumspartei aus der politischen Mitte.

Das schwierige Smartphone-Geschäft von Microsoft und Nokia

Nokia verlor den Anschluss

Nokia prägte einst den Handymarkt mit, doch dann verloren die Finnen den Anschluss. Beim Vormarsch der Smartphones taten sie sich schwer. Das Google-Betriebssystem Android und das iPhone von Apple setzen dem einstigen Marktführer zu.

September 2010

Stephen Elop wechselt von Microsoft an die Nokia-Spitze.

Februar 2011

Nokia gibt die eigene Smartphone-Software Symbian auf. Fortan setzten die Finnen für ihre Computerhandys auf das Microsoft-System Windows Phone. Zuvor hatte Google versucht, Nokia mit ins Boot der Android-Handybauer zu holen.

Juni 2012

Elop kündigt an, 10.000 Arbeitsplätze bei Nokia zu streichen.

Mai 2013

Das Geschäft mit den Windows-Smartphones kommt nicht in Gang. Deren Marktanteil liegt den Marktforschern von IDC zufolge bei 3,2 Prozent. Android-Handys kommen auf 75 Prozent.

September 2013

Microsoft kündigt an, das Handy-Geschäft von Nokia für 3,79 Milliarden Euro kaufen zu wollen.

April 2014

Kurz vor Abschluss des Verkaufs an Microsoft steckt Nokias Handygeschäft tief in den roten Zahlen. Im ersten Quartal verlor die Sparte 347 Millionen Euro.

Mai 2014

Der Verkauf der Handy-Sparte an Microsoft bringt Elop Berichten zufolge als Ex-Nokia-Chef gut 24 Millionen Euro ein.

Juli 2014

Microsoft kündigt den Abbau von 18.000 Stellen an. Mit 12.500 Jobs sind vor allem die Ex-Nokianer betroffen.

Juni 2015

Das Geräte-Geschäft wird mit dem Windows-Bereich zusammengelegt. Stephen Elop verlässt Microsoft bereits wieder.

Juli 2015

Microsoft kündigt den Abbau von weiteren 7800 Mitarbeitern an – vor allem im Handy-Geschäft. Der Konzern schreibt bis zu 7,6 Milliarden Dollar ab.

Er hat versprochen, den Haushalt in den Griff zu bekommen, die Bürokratie abzubauen und die Steuern für kleinere Firmen zu senken. Sipilä setzt auf den Unternehmergeist der Finnen. Doch ob das reicht, um die Wirtschaft, die über Jahrzehnte von Nokia mitgetragen wurde, wieder richtig auf Vordermann zu bringen, wird gerade in Salo bezweifelt. „Nicht jeder kann ein Unternehmer sein“, sagt Heidi Kirjavainen.

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