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19.04.2013

06:47 Uhr

Microsoft

Was mit Windows 8 falsch läuft

VonChristof Kerkmann

Kassengift, gar ein Desaster: Der Software-Riese Microsoft musste nach dem Start seines neuen Betriebssystems Windows 8 harsche Kritik einstecken. Was ist falsch gelaufen? Eine Bestandsaufnahme.

Quartalszahlen

Windows 8 verkauft sich doch

Quartalszahlen: Windows 8 verkauft sich doch

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DüsseldorfEs sind harte Zeiten für Microsoft. Der Software-Riese kassiert reichlich Prügel für sein neues Betriebssystem Windows 8. In den Foren lästern viele Nutzer über die Bedienung mit Wischgesten und unterstellen der Windows Company eine kundenunfreundliche Haltung. Gar als Kassengift bezeichnet es ein Marktforscher. Und auch einige Gerätehersteller – eigentlich Partner – kritisieren es als zu kompliziert.

Doch trotz der harschen Kritik: Die Geldmaschine Microsoft läuft wie geschmiert. Von Januar bis März konnte der Software-Konzern seinen Umsatz um 18 Prozent auf 20,5 Milliarden Dollar steigern. Der Gewinn verbesserte sich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 19 Prozent auf unterm Strich annähernd 6,1 Milliarden Dollar (4,7 Mrd. Euro) oder 72 US-Cent je Aktie, wie das Unternehmen am Donnerstag nach US-Börsenschluss mitteilte. Und das trotz der gewaltigen Werbeausgaben für Windows 8 und einer saftigen Buße der EU-Kartellwächter.

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Unbeliebtes Betriebssystem: Windows 8 bremst Computerverkäufe aus

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Microsoft übertraf beim Gewinn im dritten Geschäftsquartal die Erwartungen der Analysten. Sie hatten laut Berechnungen der Nachrichtenagentur Bloomberg im Schnitt mit nur 68 US-Cent Gewinn pro Anteilsschein gerechnet. Beim Umsatz hingegen lag der Software-Konzern im Rahmen der Prognosen. Die Aktie stieg nachbörslich um 2 Prozent.

Der Druck auf den Erfolg des Bertriebssystems zeigte sich am Donnerstag jedoch in einem weiteren Personalentscheid: Mit Finanzchef Peter Klein feuert Microsoft einen weiteren Top-Manager wie schon eine ganze Reihe vor ihm.

„Die Hetze gegen Microsoft ist nicht gerechtfertigt“, sagt Axel Oppermann, Analyst beim Beratungsunternehmen Experton. Dass der PC-Markt schrumpfe, liege nicht an Windows 8, sondern den vielen Alternativen zum Notebook oder Desktop. Dennoch habe der Konzern etliche Fehler bei der Einführung gemacht. Woran hakt es also?

Diese Neuerungen bietet Windows 8

Kachel-Design

Windows 8 sieht schon auf den ersten Blick anders aus: Microsoft übernimmt aus seinem mobilen Betriebssystem das Kachel-Design. Zu sehen sind nun rechteckige Flächen, in denen Nutzer zum Beispiel Programme sortieren können. Und in den sogenannten Live-Kacheln werden Inhalte in Echtzeit aktualisiert – ob der Wetterbericht aus dem Netz oder die Mitteilung über neu eingetroffene E-Mails. Die bekannte Taskleiste samt dem mit Windows 95 eingeführten Startknopf verschwindet dagegen. Einen Desktop gibt es allerdings immer noch, der über eine Kachel aufgerufen wird.

Bedienung per Fingerzeig

Microsoft hat Windows 8 für die Nutzung per Touchscreen angepasst. Anwender können mit den Fingern navigieren, wenn ihr Rechner einen berührungsempfindlichen Bildschirm hat, aber auch klassisch mit Maus und Tastatur. Dass beides in einem Gerät vereint sein kann, zeigen etliche neue Modelle, die Tablet-Computer und Notebook in einem sind.

Ein eigener App Store

Apple lässt grüßen: Microsoft hat für sein neues System den Windows Store eingerichtet. Über die Plattform können Entwickler Apps verbreiten, die für Touchscreens optimiert sind. Auch Spiele werden angeboten. Diese Anwendungen laufen auf allen Geräten, ob mit Windows 8 oder dem abgespeckten Windows RT für Geräte mit stromsparenden ARM-Prozessoren.

Cloud-Dienste

Schon beim Start wird es deutlich: Microsoft integriert seine Cloud-Angebote nahtlos in das neue Betriebssystem. Nutzer können sich künftig mit ihren Daten vom Online-Dienst Windows Live am Rechner einloggen. Damit haben sie direkten Zugriff beispielsweise auf den Online-Speicher Skydrive, außerdem lassen sich die persönlichen Einstellungen und der Browser-Verlauf zwischen verschiedenen Rechnern synchronisieren.

Vorinstallierter Virenscanner

Microsoft hat große Teile seines Software-Pakets Security Essentials in Windows 8 integriert. Der Wächter soll vor Viren und Trojanern schützen.

Neue Prozessoren

Mit Windows 8 unterstützt Microsoft erstmals nicht nur die traditionellen x86-Chips von Intel und AMD, die in PCs laufen: Die Software-Variante Windows RT läuft auch mit stromsparenden Prozessoren mit ARM-Architektur. Diese kommen in Tablet-Computern zum Einsatz, etwa dem iPad, künftig aber auch im Surface RT, den Microsoft selbst auf den Markt bringt. So kann das Unternehmen in einem wichtigen Segment Fuß fassen. Allerdings können Nutzer auf RT-Rechnern nicht mehr ihre klassische Windows-Software installieren, nur Apps aus dem Windows Store.

Microsoft brauchte ein leistungsfähiges Betriebssystem für Smartphones und Tablet-Computer. Dringend. Denn das Geschäft mit klassischen PCs schrumpft, weil mobile Geräte viele Aufgaben übernehmen. Nicht nur bei Privatnutzern, die sich damit auf langen Bahnfahrten vergnügen oder zu Hause ihre Mails checken, sondern immer mehr auch in Unternehmen. Windows 8 soll Microsoft helfen, in dieser neuen Welt relevant zu bleiben.

Dafür vereinte der Software-Riese zwei Dinge, die bislang nicht zusammengehörten: ein klassisches Betriebssystem und eine Oberfläche für Tablet-Computer und Smartphones. Diese Kombination ermöglich neue Bauformen – vom klassischen PC übers Notebook mit Touchscreen und Hybrid-Geräte bis hin zu flachen Tablets.

Marktforscher: „Windows 8 hat versagt“

Marktforscher

„Windows 8 hat versagt“

Der Marktforschungsfirma IDC zufolge sanken die PC-Auslieferungen um 14 Prozent.

Doch der US-Konzern verfährt nach dem Motto „One size fits all“: Alle Nutzer müssen das neue Kachel-Design verwenden – ob sie ein Gerät mit Touchscreen haben oder nicht. Der Startknopf, an den sich die Nutzer seit Windows 95 gewöhnt haben, ist verschwunden. Der klassische Desktop auf den ersten Blick auch, er ist aber über eine Kachel zu erreichen.

„Ich will auf meinem Notebook keine Wischtechnik und auf meinem Großdisplay sowieso nicht“, bringt ein Handelsblatt-Online-Leser den Eindruck vieler Nutzer auf den Punkt. Nicht jeder sei dazu bereit, „ein paar Spielwochen“ zu verbringen, bis er alle bereits bekannten Funktionen wieder erlernt habe, schreibt ein anderer.

Kommentare (55)

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yack12

18.04.2013, 19:35 Uhr

naja, so sind die Menchen nun einmal. Fast jedes neue Betriebssytsem wurde verprügelt. Ich musste mir vor vier Wochen ein neues Laptop holen. Und dich habe mich für Windows 8 entschieden. Klar es dauert etwas mit der Eingewöhung, aber heute bin ich zufrieden. Nur weil der Startknopt fehlt ... na und? Ich war auch seit Windows 95 daran gewöhnt, aber es geht auch ohne. Sehr gut!

TPetersohn

18.04.2013, 19:52 Uhr

Wenn ich gewusst hätte das meine Win7 Lizenz durch das Upgrade verfällt hätte ich 8 nie installiert. sauerei =(

Account gelöscht!

18.04.2013, 19:56 Uhr

Ich empfinde es trotzdem als 'Arroganz der Macht', dass die User so unerbittlich zur Neuerfindung ihres Bedienungsverstehens gezwungen werden.

Klar, man gewöhnt sich an alles. Es ist aber einfach frech, wenn ich ein über Jahre gewonnenes 'intuitives Verstehen' meiner Oberfläche von heute auf morgen kicken muss - und warum?

Weil Windows 7 ungenügend wäre?

Falsch, W7 wäre die ausgereifteste und zukunftsfähigste Plattform, auf die auch in den nächsten Jahren gesetzt werden könnte.

Mit dem viel zu schnellen Versionswechsel wird eine künstliche Alterung eingebaut, mit willkürlichen Mitteln gezielt 'neuer Markt' geschaffen.

Als Monopolist mag ich das können - beim Betroffenen hinterlässt das jedoch Frust, gar Hass auf solchen Machtmissbrauch.

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