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27.01.2015

06:59 Uhr

Microsoft

Windows fährt die Aktie runter

VonAxel Postinett

Microsoft legt schlechte Quartalszahlen vor. Die Aktie bricht nachbörslich um vier Prozent ein. Der Software-Konzern stellt sich neu auf, doch erstmal muss Firmenchef Satya Nadella die Risse bei Windows flicken.

Hololens und Co.

Microsoft baut um

Hololens und Co.: Microsoft baut um

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San FranciscoVor knapp einem Jahr übernahm Satya Nadella von Steve Ballmer das Ruder. Seitdem ist Microsoft, die Softwarefirma aus dem abgelegenen Redmond im kalten und verregneten Bundesstaat Washington, nicht mehr wiederzuerkennen. Der Kurs kletterte um rund 27 Prozent und machte Bill Gates wieder zum reichsten Mann der Welt, obwohl er laufend Aktien verkauft. Microsoft, über Jahre die Lachnummer der Tech-Branche, ist zum schärfsten Konkurrenten von Amazons Cloud-Business aufgestiegen. Nadella senkte die Kosten und hielt die Gewinne hoch.

Vor einem Jahr klebte die Welt noch an den unfehlbaren Lippen von Google und saugte alles mit Begeisterung auf, was auch immer aus den Google X Labs kam. Vor wenigen Tagen stellte Satya Nadella die Zukunft des holografischen Computerns vor. Hololens, eine Datenbrille, die mit Windows10 arbeiten wird. Google stellte weniger vor, dafür aber ein: zum Beispiel das gehypte Google Glass. Und Apple? Apple wartet auf eine Uhr.

Wie Windows wurde, was es ist

Windows 1.0

Der Urahn des inzwischen meistgenutzten PC-Betriebssystems kam im November 1985 auf den Markt. Damals war Microsoft noch ein Außenseiter, während der Platzhirsch IBM und der Aufsteiger Apple den Kampf um den PC-Markt auszufechten schienen. Anfangs arbeitete sich Windows nur mühsam ins Geschäft – denn Microsoft verzichtete zunächst angesichts eines jahrelangen Patentstreits mit Apple auf grafische Bedienungselemente.

Windows 3.1

Mit dieser Version lernte Windows 1992, Videos abzuspielen, bekam die ersten integrierten Spiele und neue Schriften. Die Grundansicht mit den überlappenden Fenstern und einem Desktop für Programm-Symbole blieb – mit einigen Design-Änderungen – lange erhalten.

Windows NT

Parallel zu den Consumer-Versionen von Windows entwickelte Microsoft nach dem Scheitern des OS/2-Projektes mit IBM eine Windows-Version mit einem neuen Programm-Kern („Windows New Technology“). NT wurde mit Windows 2000 fortgeführt und ging später in Windows XP auf.

Windows 95

Die radikale Erneuerung von 1995 brachte in Grundzügen das Windows, das heute praktisch jeder kennt. Unter anderem wurde der „Start“-Knopf mit dem Balken am unteren Bildschirmrand eingeführt. Nachdem nachträglich der Web-Browser Internet Explorer zum Windows-Grundpaket hinzugefügt wurde, setzte sich Microsoft zum Ärger der Wettbewerbshüter in diesem Bereich gegen den Pionier Netscape durch. Auf die Version folgten die kleineren Aktualisierungen Windows 98 und ME.

Windows XP

2001 brachte Microsoft die bisher langlebigste Version seines Betriebssystems auf den Markt, die immer noch auf vielen Rechnern läuft. Mit Windows XP wurden viele visuelle Effekte hinzugefügt, ebenso wie wichtige Funktionen wie etwa schneller Benutzerwechsel, eine integrierte Firewall für mehr Sicherheit und verbesserter Medienwiedergabe.

Windows 7

Das Betriebssystem Windows Vista sollte XP verdrängen, wurde von den Nutzern aber weitgehend ignoriert. Die 2007 veröffentlichte Version bot zwar neue Bildschirmansichten, aber eine für viele Nutzer verwirrende Rechteverwaltung für Benutzerkonten. Erst mit der Vorstellung von Windows 7 im Oktober 2009 konnte Microsoft die Anwender wieder überzeugen.

Windows 8

Mit Windows 8 wollte sich Microsoft für den Wandel der Computer-Welt rüsten: Die neue Kacheloberfläche ist für Touchscreens ausgelegt und eignet sich damit auch für Tablet-Computer – äußerlich ähnelt das System damit dem Smartphone-Betriebssystem Windows Phone. Microsoft stellte Windows 8 im Oktober 2012 vor. Gerade an der neuen Bedienung wurde jedoch schnell viel Kritik laut.

Windows 8.1

Ein Update für Windows 8 kam im Oktober 2013 auf den Markt. Das kostenlose Windows 8.1 soll die größten Kritikpunkte an dem Vorgänger ausräumen. So können Nutzer direkt auf den Desktop starten und so die Kacheloberfläche umgehen. Zudem kehrt der Startknopf zurück, wenn auch nicht das klassische Startmenü.

Windows 10

Im Sommer 2015 hat Microsoft Windows 10 auf den Markt gebracht. Der Konzern verspricht so viele Neuerungen, dass die Produktbezeichnung „9“ mit Absicht übersprungen wurde. Das neue System soll auf allen Geräten laufen, vom Desktop-PC bis zum Smartphone. Der Konzern will die Version mit regelmäßigen Updates auf dem Stand der Technik halten. Eine optische Änderung: Das Startmenü kehrt zurück.

Es kann das Jahr Microsofts werden, und Anleger und Analysten könnten eigentlich mehr als zufrieden sein. Doch am Montag holten sie die Quartalszahlen wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Analysten wie Colin Gillis von BCG Partners sehen den Kursverfall klar in der Schwäche der Kernbereiche begründet. Vor allem Windows sei „nicht toll“ gewesen.

Das Ergebnis sei unter anderem noch von Restrukturierungskosten bei überwiegend Nokia von 243 Millionen Dollar und einer Steuerprüfung belastet worden, die zu Nachzahlungen geführt hatten, so Microsoft. Das Nettoergebnis von 5,8 Milliarden Dollar lag elf Prozent unter Vorjahr.

Zusammen mit dem gesamten Konsumentenumsatz von 12,9 Milliarden Dollar erwirtschaftete Microsoft im vierten Quartal des Jahres (das zweite Quartal des Finanzjahres) einen Umsatz von 26,5 Milliarden Dollar. Allerdings rührt praktisch das gesamte Plus zum Vorjahr aus der erstmaligen Berücksichtigung der Smartphone-Verkäufe des früheren Nokia mit 2,28 Milliarden Dollar her.

Der Umsatz mit PC-Herstellern, die Windows für neue Rechner kaufen, sank um 13 Prozent. Die Welle der Umstellungen von Windows XP auf neuere Rechner lief aus und neue, kostengünstigere Lizenzen für akademische Einrichtungen hätten das Geschäft belastet. „Wie erwartet ist der Einmaleffekt aus dem Ende von XP ausgelaufen“, erklärte Vorstandschef Nadella in einer Telefonkonferenz. Daneben habe es „unerwartete Probleme“ in einzelnen Märkten gegeben, speziell Japan und China.

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