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31.01.2004

09:28 Uhr

Middelhoff wird freigesprochen

Millionenurteil gegen Bertelsmann bestätigt

VonJ. Eckhardt (H.-P. Siebenhaar und M. Steinbeis, Handelsblatt)

Bertelsmann steckt in den USA eine bittere Niederlage ein: Europas größter Medienkonzern wurde zu einer Zahlung von 209 Mill. Euro an seine beiden früheren Manager Andreas von Blottnitz und Jan Henric Buettner verurteilt. Richter James W. Brown bestätigte im kalifornischen Santa Barbara am Freitag das Urteil des Geschworenengerichts vom Dezember. Bertelsmann-Anwalt Anthony Murray kündigte bereits Berufung an.

SANTA BARBARA/DÜSSELDORF. Der Medienkonzern will alle Möglichkeiten nutzen, den als ungerecht empfundenen Urteilsspruch zu revidieren. Wie unternehmensnahe Kreise bestätigen, laufen bereits Vorbereitungen für eine Gegenklage in Deutschland. „Bertelsmann hat nichts mehr zu verlieren und wird daher nicht lockerlassen“, hieß es.

Finanzvorstand Siegfried Luther habe bereits Rückstellungen gebildet, um die Schadenssumme samt Zinsen zu überweisen, hieß es aus Unternehmenskreisen weiter. In Gütersloh wurde der Richterspruch mit Verärgerung aufgenommen. Es gibt aber auch Erleichterung. „Die ursprüngliche Klage auf mehrere Milliarden Dollar gegen die Bertelsmann Inc., die Bertelsmann AG und Thomas Middelhoff ist jetzt reduziert auf eine Klage gegen die AG, und es geht noch um 209 Mill. Euro. Wir machen Fortschritte, aber der Krieg ist noch nicht zu Ende“, sagt Bertelsmanns Chefsyndikus Ulrich Koch dem Handelsblatt.

Erleichterung brachte das Urteil auch für Thomas Middelhoff: Der Richter wies die Klage gegen den früheren Bertelsmann-Chef ab. Der ehemalige Star der New Economy, der laut Jury 10 Mill. Euro an die beiden Ex-Manager zahlen sollte, spielte in dem Verfahren in Santa Barbara eine Schlüsselrolle. Middelhoff, der heute als Manager der Beteiligungsfirma Investcorp in London arbeitet, hatte durch den Verkauf der Anteile an AOL Europe rund 6,5 Mrd. Euro in die Kassen von Bertelsmann gespült.

Um diesen Verkauf geht es unter anderem in dem Verfahren. Buettner und von Blottnitz – beide frühere Zöglinge von Middelhoff – hatten 1995 die Gemeinschaftsunternehmen von Bertelsmann und America Online, AOL Europe und AOL Deutschland, mit gegründet. Nach Auffassung des US-Gerichts waren sie aber nicht in ausreichendem Maß an den Firmen und damit auch am Verkaufserlös beteiligt worden. Die Jury hatte am 12. Dezember 2003 entschieden, dass Bertelsmann mündliche und schriftliche Vereinbarungen mit Buettner und von Plottnitz gebrochen habe.

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