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13.04.2015

10:04 Uhr

Milliardär Trump gegen T-Mobile-Chef Legere

Pöbeln für Fortgeschrittene

VonAxel Postinett

Wenn große Egos aufeinanderprallen, knallt es schon mal: Der Milliardär Donald Trump schimpfte via Twitter über T-Mobile – dessen US-Chef John Legere rastete darauf aus. Geld schützt eben nicht davor, sich zu blamieren.

„Ich will kein T-Mobile in meinen Hotels!“, stänkert der Milliardär. AFP

Donald Trump

„Ich will kein T-Mobile in meinen Hotels!“, stänkert der Milliardär.

San FranciscoEine durchgeknallte Twitter-Diskussion hat am Wochenende die Internet-Gemeinde in den USA amüsiert. Beteiligt waren der als raubeinig bis zur Niveaulosigkeit bekannte Vorstandschef von T-Mobile USA, John Legere, und der ebenso ruppig-aggressive Ex-Immobilien-Tycoon und Reality-Show-Star Donald Trump.

Es begann harmlos. Legere, der Dauerjugendliche mit dem wirren Haar, hatte sich offenbar über einen Straßenmusikanten vor seinem Hotelfenster beschwerte und sich per Twitter für einen prompten Hotelservice bedankt. Offenbar wurde ihn nicht zugemutet, ein anderes Zimmer zu beziehen, sondern das Hotelpersonal hatte offenbar den armen Straßenmusikanten dazu bewegt, weiterzuziehen. Legere teilte das mit einem Tweet und dem Hashtag #nicemove (deutsch: nette Geste) der Öffentlichkeit mit.

Der T-Mobile-Chef lässt Beleidigungen nicht auf sich sitzen. Reuters

Der T-Mobile-Chef lässt Beleidigungen nicht auf sich sitzen.

Trump dagegen war „not amused“. Er wagte auszusprechen, was viele Mobilfunk-Nutzer (Disclaimer: der Autor inbegriffen) am eigenen Leibe schon erlebt hatten. Das Netz von T-Mobile hat in den USA viele Lücken, oft steht man ohne Empfang da. Legere muss Jahre der vernachlässigten Investitionen in Infrastruktur nachholen, und das geht nicht von heute auf morgen. Trump drückte das etwas kompakter aus: „T-Mobile Service is terrible“, schrieb er. Da könne T-Mobile auch mal was dran ändern. Und ahnend, welches Echo da zurückkommen wird, fügte er hinzu: „Ich will kein T-Mobile in meinen Hotels!“

Wir ahnen es: Der T-Mobile-Chef Legere, der selbsternannte Robin Hood der Mobilfunkindustrie im festgewachsenen Magenta-T-Shirt, war gerade in einem Trump-Hotel in New York abgestiegen und rastete, man möchte sagen planmäßig, aus. Was folgte, war eine Twitter-Diskussion auf Schenkelklopfer-Niveau so tief, wie man es selten erlebt hat unter zwei Menschen, die vorgeben einer gehoben Bildungsklasse anzugehören. Im Falle von Donald Trump sogar jemand, der ernsthaft überlegt, für die US-Präsidentschaft zu kandidieren.

Vor allem für T-Mobile-Chef Legere war es aber eine Lektion der besonderen Art. Er, der hier bekannt ist für seine rücksichtslosen Ausfälle gegen Vorstandschefs gegnerischer Mobilfunker wie AT&T oder Verizon, die alles vom F-Wort bis zum kaum verhohlenen Vorwurf der kriminellen Vereinigung enthalten, zeigte sich überraschend dünnhäutig. Austeilen? Klar, immer. Einstecken? Nein.

Er mobilisierte seine 1,3 Millionen Twitter-Follower, die ihn permanent in seiner Verärgerung verstärkten, und ritt eine Verbalattacke nach der andern gegen den exzentrischen Immobilen-Tycoon. Er checkte umgehend aus dem Trump-„Motel“ aus, wie er mitteilte, und fand eine andere (natürlich um Klassen bessere) Bleibe für die Nacht.

Legere, der selbst vor nicht langer Zeit medienwirksam von Sicherheitskräften aus einer Party des Erzfeindes AT&T rausgeworfen wurde, wo er sich das Konzert seines Lieblingsrappers anschauen wollte, ließ einfach bis zum späten Sonntag nicht locker. Da hatte @therealdonaldtrump längst aufgegeben und war weitergezogen. Allerdings nicht, ohne zuvor kräftig nachzutreten: „T-Mobile sucks“, ließ er kurz angebunden wissen, und es bedurfte halt eines Trump, um das auch mal auszusprechen.

Was am Ende des Tages bleibt, ist eine gute Unterhaltung und die Erkenntnis, dass weder Geld noch Bildung davor schützt, sich im Web lächerlich zu machen. Aber vielleicht ist das ja gerade das Erfolgsrezept, um sich Follower in Massen an Land zu ziehen und in der öffentlichen Diskussion zu bleiben. Schon früher hieß es: „Mir ist egal, was man über mich schreibt. Hauptsache der Name ist richtig geschrieben.“

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