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14.02.2017

11:30 Uhr

Milliardenabschreibung

Toshiba versinkt im Chaos

VonMartin Kölling

Bei Toshiba wird die Lage immer ernster. Der japanische Konzern muss auf sein US-Atomgeschäft rund 5,9 Milliarden Euro abschreiben, Verwaltungsratschef Shiga tritt zurück. Nun droht auch der Rausschmiss von der Börse.

Der japanische Elektronikkonzern hatte zunächst die Vorlage der Bilanz verschoben, dann aber eine Milliardenabschreibung bekanntgegeben. Reuters, Sascha Rheker

Chaos bei Toshiba

Der japanische Elektronikkonzern hatte zunächst die Vorlage der Bilanz verschoben, dann aber eine Milliardenabschreibung bekanntgegeben.

TokioDer japanische Technikkonzern Toshiba wird von seiner Atomkraftwerkssparte noch tiefer in die Krise gerissen als bisher befürchtet. In einer noch nicht von Wirtschaftsprüfern abgenommenen vorläufigen Quartalsbilanz kündigte Toshiba eine Abschreibung von 712,5 Milliarden Yen (5,9 Milliarden Euro) für seine amerikanische Atomkraftwerkstochter Westinghouse an.

Der Konzern muss damit in den ersten neun Monaten seines bis März laufenden Bilanzjahres nicht nur einen Reinverlust von 4,1 Milliarden Euro verbuchen. Damit steuert das ohnehin von einem Bilanzskandal erschütterte Unternehmen auf den zweiten Milliardenverlust in Folge zu.

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Schlimmer noch: Auch das Eigenkapital wird durch den finanziellen Kollaps der Atomsparte aufgezehrt. Ende Dezember hatte die Firma demnach einen negativen Wert von 1,6 Milliarden Euro. Verwaltungsratschef Shigenori Shiga wird daher sofort zurücktreten, um die Verantwortung für das Debakel zu übernehmen. Er bleibt allerdings bis zur Jahreshauptversammlung im Vorstand und will sich auf die Aufräumarbeiten konzentrieren.

Mit den hohen Verlusten und dem negativen Firmenwert wachsen die Spekulationen, dass der 141 Jahre alte Traditionskonzern seinen Platz an der ersten Sektion der Tokioter Börse verlieren könnte. Einige Beobachter warnen sogar vor einem kompletten Delisting. Denn die Tokioter Börse führt Toshiba seit einem Bilanzskandal im Jahr 2015 weiterhin auf einer Liste von Firmen, die wegen ihrem mangelhaften Finanzgebahren unter spezieller Beobachtung stehen.

Die Abschreibungen auf einen Firmenkauf der US-Tochter Westinghouse rücken die Unternehmensführung wieder in ein schlechtes Licht. Denn das Management will erst im Dezember 2016 erfahren haben, dass wegen Kostenüberschreitungen in zwei großen amerikanischen Atomkraftwerk-Projekten Wertberichtigungen bei dem Projektpartner, dem Baukonzern CB&I Stone & Webster, notwendig werden. Westinghouse hatte das Unternehmen nach einem nach einem Streit über die explodierenden Kosten vollständig übernommen.

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