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15.12.2014

20:04 Uhr

Milliardendeal

Deutsche Telekom verkauft britisches Joint-Venture

Ein weiterer Milliardendeal in der Mobilfunkbranche steht bevor: British Telecom will den Marktführer auf der Insel, Everywhere Everything, schlucken. Verkäufer sind die Deutsche Telekom und Orange.

Der frühere Branchenriese: BT plant den Wiedereinstieg ins Mobilfunkgeschäft. dpa - picture-alliance

Der frühere Branchenriese: BT plant den Wiedereinstieg ins Mobilfunkgeschäft.

London/FrankfurtDer Deutschen Telekom winkt ein acht Milliarden Euro schwerer Ausstieg aus Großbritannien. Der Bonner Konzern hat sich auf exklusive Verhandlungen über den Verkauf der Telekom-Tochter EE an den britischen Telekom-Konzern BT Group geeinigt. Das teilten am Montagabend BT sowie die beiden EE-Eigner Telekom und der französische Orange-Konzern mit.

Insgesamt beläuft sich der anvisierte Verkaufspreis auf 15,7 Milliarden Euro (12,5 Milliarden Pfund). Ein Teil davon solle in Aktien von BT gezahlt werden. Die Telekom würde zwölf Prozent an BT halten – an EE würden weitere vier Prozent gehen. EE ist mit 24,5 Millionen Kunden der größte Mobilfunk-Konzern in Großbritannien und wurde 2010 von der Telekom und Orange durch die Fusion ihrer damaligen Handyableger gegründet. „Wir konnten in den vergangenen Jahren eine beachtliche Wertsteigerung unseres Großbritannien-Geschäfts erreichen“, sagte Telekom-Chef Tim Höttges am Rande einer Veranstaltung in Mannheim zu Reuters.

Nach dem angestrebten Verkauf werde die Telekom größter Aktionär von BT und könne von dem nun angestoßenen Zusammenwachsen von Mobilfunk und Festnetz auf dem Markt profitieren. BT – die frühere British Telecom – hatte die Mobilfunksparte vor einem Jahrzehnt verkauft, während EE Festnetzangebote fehlen. Marktexperten zufolge müssen Telekom-Unternehmen künftig beides aus einer Hand anbieten, um Kunden zu locken.

Kleines Mobilfunk-Lexikon

GSM

GSM, kurz für „Global System for Mobile Communication“, war der erste digitale Mobilfunkstandard. In Deutschland wurde er in den 1990er Jahren eingeführt. Heute noch ist GSM in vielen Ländern in Betrieb, auch hierzulande. Dank der guten Versorgung scheint der Standard momentan unverzichtbar.

Edge

Edge, kurz für „Enhanced Data Rates for GSM Evolution“, ist eine Erweiterung des GSM-Standards, die eine Datenübertragung mit bis zu 384 Kilobit/Sekunde erlaubt. Nach heutigen Maßstäben ist das langsam. Dafür steht der Satz „Ich habe nur Edge“, den man etwa auf Bahnreisen oft hört.

UMTS

„Universal Mobile Telecommunications System“ ist der Mobilfunkstandard der dritten Generation. UMTS ist in Deutschland und großen Teilen der Welt verbreitet und ermöglicht schnelle Datenübertragungen. Nutzer in einer Funkzelle müssen sich allerdings die Bandbreite teilen – trotz Erweiterungen beginnen die Netze, zu verstopfen.

HSPA

„High Speed Packet Access“ macht UMTS schneller: Statt Übertragungsraten von 384 Kilobit/Sekunde sind mit HSPA bis 14,4 Megabit/Sekunde möglich, der Upload wird auf bis zu 5,76 Mbit/s beschleunigt.

HSPA+

Und es geht noch schneller: HSPA+ ermöglicht Downloads mit bis zu 21 Megabit/Sekunde. Wenn Netzbetreiber und Endgerät zwei Verbindungen gleichzeitig aufbauen können, wird diese Rate noch einmal verdoppelt.

LTE oder 4G

Der Mobilfunkstandard der vierten Generation heißt LTE, kurz für „Long Term Evolution“. Er beschleunigt die Datenübertragung auf bis zu 100 Megabit pro Sekunde, die Weiterentwicklung Cat4 macht bis 150 Mbit/s möglich. 4G wird oft synonym für LTE benutzt.

Höttges will den Vertrag über den EE-Verkauf Anfang nächsten Jahres besiegeln. Die Gespräche mit BT liefen sehr gut und sollten im ersten Quartal abgeschlossen werden können, sagte er. „Wenn bei der Buchprüfung keine signifikanten Hindernisse auftauchen, wird es schnell gehen.“ Allerdings hätten die Regulierungsbehörden noch ein Wort mitzureden. Das Risiko eines Einspruchs sei aber gering.

Leer geht bei dem Übernahmereigen O2 aus – mit beiden Funknetzbetreibern führte BT seit Mitte November bis zuletzt parallele Übernahmegespräche. O2 zählt etwa 22 Millionen Handynutzer und ist eine Tochter der spanischen Telefonica. Der Verlierer des Wettrennens wird möglicherweise nicht lange allein bleiben: Der chinesische Mobilfunker Hutchison Whampoa, bekannt unter der Marke „3“, signalisierte bereits vor der heutigen Entscheidungen Interesse am verbleibenden Kandidaten. Finanzinvestoren laufen sich ebenfalls warm. Die Verkaufspläne von EE könnten also den Anstoß für eine Konsolidierung des britischen Telekommarktes geben, auf dem sich noch vier Netzbetreiber und vier große Breitbandanbieter tummeln.

Von

rtr

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