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01.10.2013

19:52 Uhr

Milliardengeschäft

Großaktionär drängt Apple zu Aktienkauf

Ob Apple-Lenker Tim Cook das Abendessen mit seinem Großaktionär Carl Icahn genossen hat? Der streitbare Investor hatte den Manager eingeladen, weil er eine milliardenschwere Bitte an den Apple-Boss hat.

Investor Carl Icahn: Der 77-Jährige ist berühmt dafür, Firmen mit aggressiven Kampagnen höhere Ausschüttungen abzuringen. Reuters

Investor Carl Icahn: Der 77-Jährige ist berühmt dafür, Firmen mit aggressiven Kampagnen höhere Ausschüttungen abzuringen.

New YorkDer Druck auf Apple steigt, noch mehr Geld an seine Aktionäre auszuschütten. „Hatte vergangene Nacht ein nettes Abendessen mit Tim Cook“, schrieb Wall-Street-Investor Carl Icahn am Dienstag beim Kurznachrichtendienst Twitter. „Wir haben auf einen 150-Milliarden-Rückkauf gedrängt.“ Umgerechnet sind das 111 Milliarden Euro.

Icahn hatte Mitte August verkündet, dass er groß bei Apple eingestiegen sei. Der 77-Jährige ist berühmt dafür, Firmen mit aggressiven Kampagnen höhere Ausschüttungen abzuringen. Durch einen Aktienrückkauf steigt üblicherweise der Kurs.

Die Apple-Aktie war nach der Nachricht von Icahns Einstieg um 7 Prozent nach oben gesprungen. Nach dem neuen Tweet legte sie um 2 Prozent zu. Dabei wurden keine konkreten Ergebnisse des Treffens bekannt. „Wir haben entschieden, unsere Unterhaltung in etwa drei Wochen fortzusetzen“, erklärte Icahn auf Twitter.

Im Gespräch mit dem US-Fernsehsender CNBC wurde Icahn etwas konkreter. Er deutete an, dass der Apple-Verwaltungsrat sich gegen eine Aufstockung des Rückkaufs sperre. Das Gespräch mit Cook sei an dieser Stelle etwas „holprig“ geworden. Icahn ließ dagegen offen, wie Cook selbst zu dem Thema steht. Der Investor versicherte aber zum Abendessen: „Ich habe es genossen.“ Was es gab, wollte er nicht verraten.

Investoren schielen schon lange auf Apples Geldberg, der bis Ende Juni auf 146,6 Milliarden Dollar angewachsen war (108 Mrd Euro). Konzernchef Cook kam ihnen im Gegensatz zu seinem Vorgänger Steve Jobs entgegen: Apple will bis 2015 rund 100 Milliarden Dollar an die Anteilseigner ausschütten und zwar über Dividenden und einen Aktienrückkauf.

Die wichtigsten Akteure bei Apple

Tim Cook

Apple-Gründer Steve Jobs holte den Computermanager Tim Cook 1998 zu Apple und vertraute ihm die Führung des operativen Geschäfts an. Der Südstaatler mit der weichen Stimme ordnete die Produktions- und Vertriebskette radikal neu und machte Apple zu einer effizienten Geldmaschine, die Jobs’ kühne Visionen umsetzen kann. Im August 2011 übernahm der heute 51-jährige Cook permanent die Konzernführung. Er setzte eigene Akzente: Apple ist merklich offener in der Kommunikation geworden, auch was die Arbeitsbedingungen bei seinen chinesischen Zulieferern angeht. Ein revolutionäres Produkt wie das iPhone hat er bislang aber nicht vorstellen können.

Jony Ive

Der britische Designer Jonathan „Jony“ Ive stieß schon Anfang der 90er-Jahre zu Apple. Doch erst als Jobs 1997 wieder die Führung übernahm, blühte Ive voll auf. Seine Abteilung bekam größere Räume in einem Hochsicherheitstrakt des Hauptquartiers und die Lizenz zum Experimentieren. Aus Ives Labor stammen Innovationen wie die aktuellen Notebooks aus einem Stück Aluminium sowie das schlichte Design von iPhone, iPad und Mac. Viele Beobachter sehen am ehesten Ive als Jobs-Nachfolger, was die Zukunftsvisionen angeht. In seiner aktuellen Rolle als Verantwortlicher für das Design von Geräten wie auch der Software kommt er dieser Führungsrolle nahe.

Eddy Cue

Der Manager ist „Feuerwehrmann“ für brenzlige Angelegenheiten. Der Chef der iTunes-Plattform musste bereits den schlecht gestarteten Speicherdienst MobileMe retten – und machte die funktionierende iCloud daraus. Er soll auch die misslungenen Apple-Karten fit machen und den oft kritisierten persönlichen Assistenten Siri verbessern. Schon 2011 bekam Cue die Führung des gesamten Bereichs Internet-Software und Dienste übertragen. Damit ist er Chef über den iTunes Store, den App Store und den Büchershop iBooks. Mit dem Online-Speicher iCloud zeichnet er für einen Schlüsselbereich für die Zukunft von Apple verantwortlich.

Phil Schiller

Der „Senior Vice President“ für Marketing übernimmt stets die Präsentation der neuen Geräte – vom iPhone 5 bis zum iPad mini. Alle neuen erfolgreichen Produkte von Apple sind unter Schillers Regie vermarktet worden. Firmenchef Tim Cook tritt bei Produktvorstellungen meist in den Hintergrund und überlässt die Präsentation Schiller.

Icahn fordert nun eine Aufstockung. „Das ist eigentlich keine Frage.“ Denn Apple könne sich günstig Geld leihen. Das hatte der Konzern bereits gemacht, um nicht an seine im Ausland liegenden Reserven gehen zu müssen. Denn darauf würden bei der Überweisung in die USA Steuern fällig.

„Wir haben zwei Milliarden Dollar im Unternehmen stecken“, sagte Icahn im Interview und beendete damit Spekulationen, wie hoch sein Anteil sei. Es sind demnach nicht einmal 1 Prozent. Er habe in den vergangenen Wochen weiter zugekauft, sagte Icahn. Er habe lange keine Aktie mehr gesehen, „die so billig war“. Apple-Papiere liegen bei 488 Dollar und damit rund ein Drittel unter ihrem Höchststand vom September 2012.

Icahn stärkte Tim Cook den Rücken, der nach der Vorstellung der neuesten Generation des iPhone-Handys hatte Kritik einstecken müssen, weil die Neuerungen beim iPhone 5s im Detail lagen und das Einstiegs-iPhone 5c nach Einschätzung mancher Beobachter zu teuer ausfiel. „Ich habe Respekt vor dem, was Tim erreicht hat. Die Produkte sind gut.“

Von

dpa

Kommentare (12)

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BlueFalcon

01.10.2013, 21:36 Uhr

Unglaublich was solche Finanzinvestoren für Einfluss nehmen können. Apple hat einen riesigen Geldhaufen, ohne jede Frage, aber die Forderung eines Aktienrückkaufs über 150Mrd $ übersteigt das angehäufte Geld um einiges und würde dazu führen das aus dem eigentlich schuldenfreien Unternehmen Apple ein von Banken und Investmentfirmen abhängiger Konzern wird.
Es bleibt zu Hoffen das Icahnsich nicht durchsetzen kann. Apple hat über mehrere Jahre verteilt eine Ausschüttung von 100 Mrd. angekündigt, damit sollten alle zufrieden sein die nicht verblendet von maßloser Gier sind.

Gast44

01.10.2013, 21:42 Uhr

>>Er habe lange keine Aktie mehr gesehen, „die so billig war“.
Das würde ich auch sagen NACHDEM ich für 2Mrd Apple Aktien gekauft habe um andere Leute zum Kauf zu bewegen.

Account gelöscht!

01.10.2013, 22:18 Uhr

Nunja, es ist ja nicht so, dass Apple in den nächsten Jahren während der 100 mrd. Ausschüttung keine zusätzlichen Mittel generieren würden, die das Investitionsvolumen massiv überschreiten. Wenn Apple über Jahre 100 mrd. ausschüttet, dann hat der Konzern danach möglicherweise trotzdem noch mehr Geld als vorher. 150 mrd. müssen ja nicht auf einmal zurückgekauft werden (das wäre eh sinnlos). Aber wieso soll eine AG auf solchen Geldern sitzen? Verzinst anlegen kann man auch als Aktionär. Rückkauf wäre sinnvoll. Das was Apple betreibt ist verschenktes Potential und eigentlich auch Betrug an den Aktionären. Zur Not muss man eben mal Steuern zahlen, wenn man das Geld zurück in die USA bringen möchte, das wäre mMn ohnehin die Pflicht eines so großen Unternehmens.

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