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20.02.2014

06:31 Uhr

Milliardenkauf

Facebook schnappt sich WhatsApp

VonAxel Postinett

Der Kurznachrichtendienst WhatsApp ist das Gegenteil von Facebook: werbefrei, ohne Spiele und simpel. Dem Wachstum des Konkurrenten will Mark Zuckerberg nicht länger zuschauen – und kauft WhatsApp für Milliarden.

Analyst zum Whatsapp-Kauf

„Die Facebook-Bewertung ist mir ein Rätsel“

Analyst zum Whatsapp-Kauf: „Die Facebook-Bewertung ist mir ein Rätsel“

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San FranciscoDer gigantische Zahltag für die beiden Gründer des Kurznachrichtendiensts WhatsApp, Jan Koum und Brian Acton, ist gekommen. Koum hält nach Schätzungen von Forbes rund 45 Prozent der Aktien, Acton über 20 Prozent. Damit werden beide, wenn die am späten Mittwochabend angekündigte milliardenschwere Übernahme durch Facebook alle wettbewerbsrechtlichen Hürden genommen hat, schlagartig zu Multimilliardären aufsteigen. Insgesamt 19 Milliarden Dollar legt Facebook für den Rivalen auf den Tisch.

Der Grund: WhatsApp hat in wenigen Jahren 450 Millionen Nutzer für den Dienst begeistert (davon 30 Millionen in Deutschland), über den per Smartphone Kurznachrichten, Fotos und Videos mit Freunden und Bekannten geteilt werden können. Vor allem junge Nutzer sind aufgesprungen und bei der jüngeren Zielgruppe will Facebook auf keinen Fall ins Hintertreffen geraten.

Diese Erfolgsgeschichte ist damit in der Reihe der unglaubliche Erfolgsgeschichten des Silicon Valley noch einmal eine Klasse für sich. Vor gerade mal fünf Jahren haben die zwei Ex-Yahoo-Angestellten WhatsApp gegründet, und WhatsApp wuchs schnell zu einem Renner unter den Smartphone-Apps. Ohne einen Cent in Marketing zu investieren, gelang es, Nutzer für den Dienst zu begeistern. Der ist im Kern nicht mehr ist als eine Frischzellenkur für die gute alte SMS, die Textmitteilung auf Handys und Smartphones.

Das Unternehmen mit 32 Entwicklern und einem Büro ohne Namensschild brach alle Wachstumsrekorde, wuchs bisher fast dreimal so schnell wie seinerzeit Facebook selbst. Das Geheimnis des Erfolgs hängt laut Jim Goetz vom Risikokapitalgeber Sequioa noch heute als Notizzettel am Schreibtisch von Jan Koum. Kurz und knackig stehen da drei Grundregeln: „Keine Anzeigen! Keine Spiele! Keine Gimmicks!“ Also praktisch das Gegenteil von Facebook.

Was an WhatsApp Kopfschmerzen bereitet

Laxer Umgang mit Datenschutz

WhatsApp überträgt die Kontakte im Adressbuch auf seine Server in den USA – in Zeiten mächtiger Geheimdienste kein angenehmer Gedanke. Hinzu kommt: Durch die Offenlegung der Handynummern erfahren andere Leute, dass man die App nutzt – zumindest, wenn sie diese auch installiert haben und im Adressbuch stehen.

Zweifel an der Verschlüsselung

Lange wurden die WhatsApp-Nachrichten unverschlüsselt übertragen. Auch an der inzwischen eingesetzten Verschlüsselungstechnologie hegen Experten Zweifel.

Sicherheitsbedenken

Schon mehrfach stand Whatsapp wegen des laxen Umgangs mit Sicherheitsfragen in der Kritik – das betrifft nicht nur die Verschlüsselung. So konnten eine Zeit lang Whatsapp-Nutzerkonten relativ leicht gekapert werden. Nach Einschätzung einer Sicherheitsfirma kann auch der Bezahlprozess ausspioniert werden.

Soziale Kontrolle

Für jeden App-Nutzer ist einsehbar, wann die Kontakte das letzte Mal den Dienst genutzt haben. Es kommt vor, dass darüber Mütter kontrollieren, ob ihre Babysitter zu Hause noch wach sind – denn die verdaddeln die Zeit oft genug mit WhatsApp. Die App ermöglicht also eine gewisse soziale Kontrolle.

Undurchsichtige Firma

Über die Firma WhatsApp ist wenig bekannt, die Macher meiden die Öffentlichkeit weitgehend. Das stärkt nicht gerade das Vertrauen. Auch der Anfang 2014 angekündigte Verkauf an Facebook stößt auf Skepsis – das Soziale Netzwerk gilt nicht wenigen als Datenkrake.

Brachte WhatsApp zunächst nur Telekom-Firmen in Bedrängnis, die immer mehr Umsätze mit SMS verlieren, gerieten später zunehmend auch soziale Netzwerke wie Facebook mit seinen 1,2 Milliarden Nutzern ins Visier. Die private Kommunikation mit Freunden gewann langsam die Oberhand über das generelle Teilen von mehr oder weniger belanglosen Status-Updates mit dem Freundeskreis auf Facebook. WhatsApp ist zudem weitaus populärer als Facebooks eigene App Facebook Messenger, die auf den Markt gebracht worden war, um dem Rivalen etwas entgegen zu halten.

Ende 2013 räumte Facebook erstmals ein, man sehe leichte Ermüdungserscheinungen bei der Aktivität von Teenagern auf der Seite. Ein Grund: WhatsApp. Jetzt schaut Facebook-Gründer Mark Zuckerberg dem Treiben nicht länger zu. Doch für welchen Preis? Er bezahlt zwölf Milliarden Dollar in Facebook-Aktien und vier Milliarden Dollar in bar. Dazu kommen noch bis zu drei Milliarden Dollar in Aktien, die an die Gründer und Mitarbeiter ausgegeben werden, wenn sie brav weitere vier Jahre beim Unternehmen bleiben.

Kommentare (5)

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MarkyMark

20.02.2014, 08:50 Uhr

Threema installieren! Los Los Los!!!

Zwahlen

20.02.2014, 09:31 Uhr

Woher kommt das Geld. Facebook hat noch nie einen Überschuss erwirtschaftet!!!
Kann mir jemand weiter helfen?

Nichtnutzer

20.02.2014, 09:37 Uhr

....und willst Du nicht nach Facebook kommen, dann kommt Facebook halt zu Dir..

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