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12.10.2012

15:13 Uhr

Millionen-Einsparungen

ZDF will länger sparen als geplant

Der Sparkurs des ZDF könnte länger andauern als bisher geplant. Bis 2016 muss der Sender 75 Millionen Euro einsparen. Mit einer Verlängerung des Sparkurses bis 2020 wollen die Mainzer wenigstens einige Stellen retten.

ZDF-Intendant Thomas Bellut wird den Rotstift möglicherweise bis 2020 ansetzen. dpa

ZDF-Intendant Thomas Bellut wird den Rotstift möglicherweise bis 2020 ansetzen.

MainzDas ZDF will den Gürtel auch über das Jahr 2016 hinaus enger schnallen. „Meine Anstrengungen zielen darauf, dass dieses Sparprogramm, das ohne Alternative ist, eher über längere Jahre gezogen wird“, sagte ZDF-Intendant Thomas Bellut am Freitag in Mainz.

Bis 2016 muss der Sender – auf Druck der Kontrollkommission KEF – 75 Millionen Euro sparen, das entspricht 300 Vollzeit-Planstellen. Mit einem verlängerten Sparkurs sollten „die Verwerfungen gerade bei den jüngeren Mitarbeitern“ wenigstens eingegrenzt werden, sagte Bellut. Er wollte keine Zahlen zum möglichen weiteren Sparen nennen, sagte aber: „Das kann auch bis 2020 laufen.“ Mit der ARD will der Sender weiter eng bei Sportevents zusammenarbeiten.

Das ZDF ist nach eigenen Angaben im laufenden Jahr bisher Marktführer mit 12,6 Prozent Marktanteil vor RTL und ARD mit je 12,4 Prozent, in der Primetime von 19 bis 23 Uhr mit 15 Prozent vor der ARD mit 14,5 Prozent und RTL mit 11,8 Prozent. „Die Primetime ist die Zeit, die zählt“, sagte Bellut. Die Digitalkanäle ZDFneo, ZDFinfo und ZDFkultur kommen auf 1,1 Prozent aller Haushalte.

Das ZDF will in den nächsten beiden Jahren mehr Hintergründe in Politik und Wirtschaft anbieten. „In Zeiten sozialer Netzwerke ist die Glaubwürdigkeit des öffentlich-rechtlichen Fernsehens mehr denn je gefragt“, sagte Bellut. Bei Shows, Filmen und Information will der Sender stärker auf sogenannte crossmediale Erzählformen setzen – also etwa mit Einbeziehung des Internets.

Auch für Kinder ist Neues geplant. Der Kinderkanal KiKA von ARD und ZDF wolle die Sendung „Löwenzähnchen“ für ganz Kleine einführen, sagte Bellut. Der Vorsitzende des ZDF-Fernsehrates, Ruprecht Polenz, hält die Schaffung eines Jugendkanals für möglich, wenn dafür ein klarer Auftrag der Politik komme und die finanziellen Grundlagen gegeben wären, sagte der CDU-Bundestagsabgeordnete. Der Fernsehrat ist ein Kontrollorgan mit Vertretern gesellschaftlicher Gruppen.

Im Streit um die „Tagesschau“-App bot Bellut an, mitzuverhandeln. Das ZDF sei gesprächsbereit, um zu einer Einigung mit den Verlegern zu kommen. Es werde im Angebot des ZDF weiter Texte geben, aber sie spielten eine Nebenrolle. Das Landgericht Köln hatte der ARD exemplarisch verboten, die „Tagesschau“-App vom 15. Juni 2011 weiter für Smartphones anzubieten und gab Zeitungsverlagen Recht.

Mit Blick auf Einspieler wie den des Scherzes von Nationaltrainer Joachim Löw bei der Fußball-EM mit einem Balljungen will das ZDF eine klare Linie fahren: Mit der ARD sei der Sender auf die Rechteinhaber zugegangen, damit Veränderungen des natürlichen Sendeablaufes künftig verhindert würden, sagte Bellut. Nach Kritik am ZDF-Fußballstrand an der Ostsee während der Fußball-EM sagte der Intendant, für die Fußball-WM 2014 in Brasilien werde die Seebrücke nicht nach Brasilien geschleppt.

Von

dpa

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