Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

14.01.2009

07:37 Uhr

Mischkonzern

Siemens steht in der Sonne – noch

VonJoachim Hofer

Finanzkrise, Rezession? Ist da was? Siemens bekommt bis dato beides nicht zu spüren. Umsatz und Gewinn legen auch im ersten Quartal zu. Aber am Horizont ziehen dunkle Wolken auf. Siemens-Aktionäre ziehen deshalb Konsequenzen.

Eine Studie der neuen Züge von Siemens. Foto: dpa dpa

Eine Studie der neuen Züge von Siemens. Foto: dpa

MÜNCHEN. Noch läuft das Geschäft rund. Doch auch der Münchener Technologiekonzern Siemens stellt sich auf raue Zeiten ein. Im ersten Quartal des neuen Geschäftsjahrs, das am 1. Oktober begonnen hat, seien deutlich weniger Aufträge eingegangen als noch vor Jahresfrist, sagte Finanzvorstand Joe Kaeser gestern Abend auf einer Investorenkonferenz in New York.

Von einem Einbruch, wie ihn andere Industrieunternehmen verzeichnen, ist Siemens zwar weit entfernt. Nach Ansicht von Kaeser schlägt die Wirtschaftskrise aber inzwischen auch auf Siemens durch. So lag der Auftragseingang im vergangenen Quartal bei rund 22 Mrd. Euro. Das sind etwa zwei Mrd. Euro weniger als im selben Zeitraum 2008. Insgesamt gab der Manager nach Angaben eines Sprechers während der Präsentation in den USA für die Jahre 2009 und insbesondere 2010 einen eher verhaltenen Ausblick.

Siemens steht damit allerdings nach wie vor deutlich besser da als Rivale General Electric. Der US-Konzern hat in den vergangenen Monaten mit überraschend schlechten Zahlen enttäuscht. Dies lag vor allem daran, dass die Amerikaner sehr stark im Finanzsektor engagiert sind und über eigene Banken und Versicherungen verfügen. Siemens ist auf diesem Feld sehr viel weniger exponiert.

Details zum Geschäftsverlauf nannte Kaeser nicht. Die Quartalszahlen will der Konzern in zwei Wochen zur Hauptversammlung veröffentlichen. Allerdings stimmen die Angaben des Finanzchefs die Aktionäre auf härtere Zeiten ein. Die letzten Äußerungen von Vorstandschef Peter Löscher hatten noch wesentlich optimistischer geklungen. Noch vor zwei Wochen zeigte er sich zuversichtlich, dass die Firma mit ihrem stark auf Infrastruktur ausgerichteten Portfolio zu den Gewinnern der Wirtschaftskrise gehören werde. Hintergrund sind die Milliarden für Konjunkturprogramme, die weltweit in neue Straßen, in Eisenbahnprojekte, erneuerbare Energien und Kraftwerke fließen sollen.

Von Verlusten, wie sie andere Konzerne in diesen turbulenten Tagen verbuchen, ist Siemens weit entfernt. So lief auch das abgelaufene Quartal ordentlich. „Wir übertreffen mit dem operativen Gewinn deutlich die Werte des ersten als auch die des vierten Quartals 2008“, sagte Kaeser. Im ersten Quartal des Geschäftsjahrs 2007/2008 hatte das operative Ergebnis bei knapp 1,7 Mrd. Euro gelegen, im vierten Quartal bei rund 1,5 Mrd. Euro. Der Umsatz dürfte über dem des Vorjahres liegen, wobei alle Sektoren zum Anstieg beitrugen, fuhr der Finanzvorstand fort. Laut seiner Präsentation liegt der Anstieg zu den 18,4 Mrd. Euro des Vorjahreszeitraums bei rund fünf Prozent.

Siemens konzentriert sich seit dem vergangenen Jahr fast vollständig auf die Bereiche Energie, Industrie und Medizintechnik. Erklärtes Ziel ist es, stets doppelt so stark wie die Weltwirtschaft zu wachsen. Während das Geschäft mit Energietechnik bislang kaum von der Wirtschaftsflaute erfasst sei, äußerte sich Kaeser über die Aussichten für die beiden anderen Felder Industrie und Medizin skeptisch.jojoReuters

An der Börse reagierten die Anleger mit Verkäufen auf Kaesers Aussagen. Die Siemens-Aktie verlor am Abend im New Yorker Handel gut drei Prozent an Wert.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf "Zum Home-Bildschirm"

Auf tippen, dann "Zum Startbildschirm hinzu".

×