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10.09.2014

15:42 Uhr

Mit iPhone und Apple Watch

Apple setzt aufs Bezahlen mit Aha-Effekt

VonChristof Kerkmann

Apple will das iPhone zum Portemonnaie-Ersatz machen: Das System Pay erledigt die Bezahlung im Geschäft binnen Sekunden. Damit könnte der Konzern die Banken aufmischen – wenn er die Sicherheit in den Griff bekommt.

Bezahlen mit dem iPhone: Apple könnte den Markt fürs mobile Bezahlen umkrempeln. dpa

Bezahlen mit dem iPhone: Apple könnte den Markt fürs mobile Bezahlen umkrempeln.

DüsseldorfSelbst zur Stoßzeit geht es schnell: Die Verkäufer scannen die Produkte ein und packen sie in Tüten, die Käufer halten nebenbei ihr Handy an die Kasse, drücken aufs Knöpfchen – und haben schon bezahlt. Die Rabattpunkte landen gleich auf der digitalen Kundenkarte, auch die Quittung wandert ins digitale Portemonnaie. Und wieder raus auf die Straße oder ins Einkaufszentrum.

Es ist die Vision vieler Unternehmen in Technologie, Mobilfunk und Finanzen: Das Smartphone soll zur Geldbörse werden. Doch die Realität sieht anders aus, die meisten Käufer zücken im Geschäft weiter die Karte oder Bares. Das will Apple nun ändern: Der iPhone-Hersteller hat gestern neben neuen Geräten auch das Bezahlsystem Apple Pay vorgestellt. Dank seiner Marktmacht könnte er dem digitalen Portemonnaie zum Durchbruch verhelfen. „Die Apple-Nutzer sind entscheidend, weil sie kaufkräftig, neugierig und innovativ sind“, sagt der Unternehmensberater Thomas Lerner, der sich auf mobile Bezahlsysteme spezialisiert hat.

Der Konzern aus Kalifornien will mit Apple Pay zweierlei erreichen. Zum einen liefert er einen weiteren Grund, sich ein iPhone zu kaufen. Zum anderen verdient er vermutlich an den Gebühren mit, auch wenn bei der großen Inszenierung niemand über solche Details reden wollte.

Die Evolution des iPhone

iPhone - die erste Generation

Mit seinem leicht bedienbaren Touchscreen revolutionierte das iPhone die Handybranche. Dabei waren die technischen Daten der ersten Generation noch recht bescheiden: Der Prozessor leistete nur 667 Megahertz, der Arbeitsspeicher war nur 128 Megabyte groß. Den Datenfunk UMTS unterstützte die erste Generation nicht. Trotzdem wurde das Gerät ein riesiger Erfolg.

iPhone 3G

Das zweite Gerät der iPhone-Reihe, vorgestellt im Juni 2008, brachte einige wesentliche Änderungen. Zum einen überarbeitete Apple das Design gründlich. Zum anderen unterstützte das Gerät den Datenfunk UMTS sowie den Datenturbo HSDPA.

iPhone 3GS

Ein Jahr später stellte Apple das iPhone 3GS vor. Am Design änderte sich nichts, allerdings stattete der Hersteller das Gerät mit einem besseren Prozessor und einem größeren Speicher aus. Das suggeriert auch der Name: Das S steht für „Speed“. Zudem war eine Kamera mit 3 Megapixel Auflösung an Bord.

iPhone 4

Mit der vierten Generation, präsentiert im Juni 2010, wagte Apple wieder ein neues Design: Das Gehäuse war kantiger und aus Edelstahl. Zudem verbaute der Hersteller ein Display mit höherer Auflösung. Auch der Prozessor war leistungsfähiger als beim Vorgänger. Der Ansturm auf das Gerät war gewaltig.

iPhone 4S

Äußerlich unterschied sich das iPhone 4S kaum von seinem Vorgänger, das Design blieb weitgehend gleich. Schlagzeilen machte vor allem der persönliche sprachgesteuerte Assistent Siri, der zunächst nur auf dem 4S lief, später aber auch auf anderen iPhone-Modellen. Siri kann Fragen beantworten oder Kommandos ausführen. Die Kamera des iPhone 4S hatte eine Auflösung von 8 Megapixel.

iPhone 5

Das sechste und aktuelle Gerät der Reihe heißt iPhone 5. Es ist etwas länger, aber gleichzeitig dünner als das Vorgängermodell – dadurch ergibt sich ein neues Seitenverhältnis von 16:9. Die 8-Megapixel-Kamera kann Aufnahmen in HD anfertigen. Ein neuer Prozessor soll für mehr Tempo sorgen. In die Kritik geriet Apple, weil vor allem an der schwarzen Variante schnell Abnutzungserscheinungen zu sehen waren. Mit dem iPhone 5 führte Apple auch iOS 6 ein, die neue Version des Betriebssystems, die den vielkritisierten Kartendienst Maps enthält.

iPhone 5C und 5S

Das iPhone 5c und das iPhone 5s waren die Modelle sieben und acht. Das 5c ist die etwas günstigere Variante: Weitgehend ausgestattet wie das iPhone 5, hat es aber ein Gehäuse aus buntem Plastik. Das 5s hat unter anderem einen doppelt so schnellen Chip, eine bessere Kamera und einen Fingerabdrucksensor zur Entsperrung des Gerätes.

iPhone 6 und iPhone 6 Plus

Die sichtbarste Neuerung bei der jüngsten iPhone-Generation sind die Maße: iPhone 6 und iPhone 6 Plus sind mit 4,7 bzw. 5,5 Zoll deutlich größer als die Vorgänger. Damit reagiert Apple auf den Boom der Phablets, also der übergroßen Smartphones. Die Geräte unterstützen den Bezahldienst Apple Pay, der über den Nahfunkstandard NFC Daten überträgt.

Die Technik im Hintergrund ist nicht neu. IT-Konzerne wie Google, Mobilfunkanbieter wie Telekom und Vodafone, aber auch Kreditkartenfirmen wie Mastercard und Visa bieten längst solche Systeme an, bislang indes mit wenig Erfolg. „Das Bezahlen bereitet uns keine Probleme – Bargeld und Karten funktionieren“, sagt Achim Himmelreich, Partner bei der Beratungsgesellschaft Mücke, Sturm & Company. Bei den bisher verfügbaren Smartphone-Bezahlsysteme fehle der „Aha-Effekt“.

Dafür will nun Apple sorgen. Mit der digitalen Geldbörse müssen Käufer das neue iPhone nur an die Kasse halten und die Zahlung per Fingerabdruck auf dem Sensor des Smartphones bestätigen – ohne Wechselgeld, ohne Unterschrift, alles innerhalb weniger Sekunden. Die Daten übertragt das Gerät über die Nahfunktechnik NFC. Auch für Online-Einkäufe eignet sich das System: Andere Apps können den Bezahldienst einbinden. Der in Deutschland umstrittene Fahrdienst Uber bietet diese Funktion etwa an, ebenso die Handelskette Target.

Das Smartphone könnte noch mehr erledigen. Die Anwendung Passbook, in der die Kreditkarte virtuell abgelegt ist, verwaltet auch Rabatt- und Kundenkarten, auf denen beispielsweise die Punkte beim Bezahlen gleich gutgeschrieben werden können. Möglich wäre es auch, dass Geschäfte ein Rabattangebot aufs Handy schicken, während ein Verbraucher durch die Auslagen streift. Oder eine Zugangskarte fürs Hotelzimmer abzuspeichern. „Damit Mobile Payment sich durchsetzt, braucht es neben der Bezahlung einen weiteren Nutzen“, betont Himmelrat. Apple kann ihn liefern.

Kommentare (7)

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Herr Omarius M.

10.09.2014, 15:50 Uhr

Versteh den Hype nicht, Appel ist n großer Steueroptimierer...

Herr Theo Gantenbein

10.09.2014, 16:36 Uhr

Und das Finanzamt und alle Behörden freuen sich über die prima Daten.

In der Steuererklärung ein paar Arbeitstage mit Fahrt zum Arbeitsort mehr angeben ist dann nicht mehr, denn alle Daten über jeden Bezahl-Pups sind in der Apple Cloud - mit direkter Schnittstelle zu NSA, BND und FA.

Schöne neue Welt!

Frau Annette Bollmohr

10.09.2014, 16:47 Uhr

"... wenn er die Sicherheit in den Griff bekommt".

Wenn. Ich fürchte aber, auch, wenn nicht (das Leben ist ein Spiel...).

@Herr Omarius M.:
Wär' wirklich schön (meine ich ehrlich!) wenn jeder vor Erwerb eines Produkts Ihre ethischen Maßstäbe anlegen würden.
Wahrscheinlich wissen die meisten aber nicht mal, was ein "Steueroptimierer“ ist (und wollen es auch gar nicht wissen…)

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